Das Jahr 2015 fällt aus dem Blickwinkel der Radel- und Übernachtungsfrequenz angenehm aus dem Rahmen. Wenn man die Berichte den Kategorien „Hotelgeschichten“ oder „unterwegs“ zuordnen möchte, gibt es Überschneidungen:

  • Februar : Hamburg (Übernachtung)
  • April : Düsseldorf (Übernachtung)
  • April : Bad Driburg Brakel
  • Mai : Worms · Weisenheim am Sand · Landau in der Pfalz · Ediger-Eller (Übernachtungen, Radeln)
  • Juni : Berlin (Übernachten)
  • Juli : Boker Kanal (Radeln)
  • Juli : Rinteln–Minden (Radeln)
  • Juli : Amsterdam (Radeln)
  • August : Bad Karlshafen · Hann Münden · Göttingen (Radeln, Übernachtung)
  • August: Lippstadt · Eickelborn · Herzfeld · Hamm

Daher erscheint dieser Beitrag in beiden Kategorien.

Zunächst die Hotel-Impressionen

In der Fastenzeit, 20. Februar 2015, am Abend des Zwischenstopps in Hamburg auf der Rückreise von Cuxhaven, siehe Beitrag

… Später auf St. Pauli ging es ruhig zu. Der Stadtteil hat nach unserer Einschätzung den Großteil seines legendären Nimbus bereits eingebüßt. Neben kleinen Resten mühsam aufrecht-gehaltener alt-Hamburger Kiez-Romantik, bestehend aus mit bunten Lichtern angepriesenen „Amüsements“ und sorgfältig auf schmuddelig getrimmtem Stadtbild breiten sich vor allem Glaspaläste, Luxushotels und Bürolandschaften aus. Früh kamen wir wieder in unserem Hotel 66 in der Hein-Hoyer-Straße an. Für weitere Unternehmungen fehlte es aber an konkreten Vorstellungen und vor allem an Munterkeit. Wir waren mit Sicherheit die ersten hier, welche, statt zu randalieren, um 22.00 Uhr stocknüchtern im Bett lagen und per W-Lan den Pfarrbrief der katholischen Gemeinde St. Heinrich und Kunigunde in Schloss Neuhaus bearbeiteten. Das Frühstück am nächsten Morgen war einigermaßen ok. Gesamt-Schulnote: 4 (immerhin, wir waren von einer 6 ausgegangen).

Ostermontag/Dienstag, 6./7, April 2015, Düsseldorf, Jugendherberge

Die Jugendherberge wurde über Booking.com angeboten, sonst wären wir da wohl nicht drauf gekommen. Wir erreichten Düsseldorf von Norden über die A52 über Essen, und glaubten, Düsseldorf ist so überschaubar, und die Rhein-Knie-Brücke so leicht zu finden, dass man kein Navi braucht. Letztendlich haben wir die Herberge sogar ohne Navi-Benutzung gefunden, allerdings nicht ohne ziemlich ins Abseits zu geraten (Neuss und wieder zurück !). Die JH war wie ein modernes Hotel zugeschnitten, mit nur wenigen JH-Merkmalen (Bettwäsche selbst aufziehen). Hochmotiviert gingen wir zu Fuß auf Museumstour: erst Kunst im Tunnel im Rheinufertunnel nähe Regierungsviertel. Auf die Kunst verzichteten wir, weil wir noch kein Flatrate-Ticket hatten. Statt dessen erster Kaffee im Museumscafé, falls man das so nennen kann. Glas-/Beton-Ambiente mit gelöster Feiertagsstimmung Nur das Wetter war grau-grau. Dann ein Alt in einer der vielen Rheinuferterrassenkneipen. Später eine Ausstellung im Ehrenhof (grafische Sammlung neben dem Museum Kunstpalast). Fotos auf der Oberkasseler Brücke mit Runde durch Oberkassel. Wieder zurück in die City. Später ins K21. Wir hatten immer noch kein Ticket und zahlten jedesmal den vollen Preis. Das K21 überaschte uns durch seine großzügige Umbau-Architektur. Ein entkernter Palazzo mit spektakulärem Atrium und Glasdach. Den Besuch der hoch oben unter dem Glasdach hängenden bekletterbaren Netz-Installation wollten wir wegen der Uhrzeit (17.30) auf morgen verschieben. Abends das Captains Dinner beim echten Italiener (ohne Pizzakarte) direkt gegenüber. Am zweiten Tag genossen wir in der Herberge das karge, aber gemütliche Frühstück in der sonnendurchfluteten Lounge. Nach dem Ausschecken translozierten wir das Auto auf einen Parkplatz am Rheinufer nähe Kunstpalast. Von da wieder zu Fuß los, diesmal zum K20, wo wir die große Günter-Ücker-Retrospektive besuchten, die sich tatsächlich mal lohnte. Im Kunstverein war nix los, wir kamen nicht über den Shop hinaus. Imbiss in der Markthalle am Carlsplatz. Ein Eis am Rhein. Irgenwo war uns ein Flyer aufgefallen zu einer Frauen-Unterwasser-Kunst im Kunstverein Bonn. Wir beschlossen, auf dem Rückweg die Kurve über Bonn zu nehmen. Trotz Verfahren kamen wir dort um 16.30 an. Die Schau war nicht der Rede wert, der Kunstverein vernachlässigt bis runtergekommen, und der Stadtteil hatte trotz 30-Minuten-Suche zu Fuß noch nicht mal eine Bäckerei zu bieten. Abstecher = Schuss in den Ofen.

Rechtsrheinisch ging es zurück nach Hause.

13. bis 16. Mai 2015 – Pfalz-Radtour zu Himmelfahrt mit Mosel-Abstecher

Erster Tag, Mittwoch

90-Minuten-Stau zwischen Hattenbacher Dreieck und Bad Homburg mit Rumstehen auf der Autobahn. Der Besuch im Nibelungen-Museum in Worms fiel schon mal flach. Nach dem Einchecken tigerten wir zu Fuß in die Stadt, wo nicht viel los war. Worms schien auch insgesamt nicht so doll. Am Rhein gab es mehrere Kneipen mit Terrasse, wir entschieden uns für einen Italiener, und der Fraß war relativ lausig. Ein paar Fotos vom Nibelungenturm auf der Rheinbrücke, und ein Bier an der Hotelbar, immerhin.

Zweiter Tag (Donnerstag, Christi Himmelfahrt)

Bei Super-Wetter radelten wir westwärts bis Zellertal und dann nach Südost über Grünstadt, Kirchheim, Freinsheim (mit Ortserkundung, aber ohne Einkehr) nach Waisenheim am Sand, um schon mal heimlich die Unterkunft zu suchen. Da wir noch bei Kräften waren, verzichteten wir auf die Bahnfahrt nach Worms und erledigten das per Weiter-Radeln, um aus Worms das Auto zu holen. Tagesleistung ca. 65 km. Die Unterkunft war kein Hotel und keine Pension, sondern eine kleine Ferienwohnung, deren Zuschnitt im Innenhof mit starken Dachüberhängen und winzigen Fenstern nicht für trübe Wetterverhältnisse gemacht war. Für eine Nacht hätten wir auch keine Ferienwohnung gebraucht. Abends folgten wir der Empfehlung des Winzers und kehrten im Vivo Vino ein.

Dritter Tag (Freitag)

Das Frühstück wurde uns, den einzigen Gästen, in einem umgewidmeten Wein-Schuppen serviert, welches überhaupt kein Tageslicht hatte. Sehr unangenehm. Wir haben diese Übernachtung bei booking.com nicht bewertet. Der dritte Tag begann mit trübem Wetter. In Neustadt parkten wir am Bahnhof und die Radtour begann mit Schieben, um auf die Höhe zu kommen. Die südliche Weinstraße zeigte sich touristisch, aber keinesfalls too much. Stellenweise sogar recht nett. Über viele Kilometer sah man oben in den Bergen das Hambacher Schloss und unten Chardonnay, Sauvignon Blanc und Grauburgunder. Das Wetter wurde zusehends besser. Die Orte: Diedesfeld, Maikammer, St. Martin, Edenkoben, Rhodt, Hainfeld, Burrweiler, Gleisweiler, Frankweiler, Siebeldingen, Godramstein, Landau. In Siebeldingen hätten wir weiterfahren sollen bis Bergzabern, wäre besser gewesen. Aber wir hatten uns nur bis Landau vorgenommen. Eine schöne, gepflegte Stadt mit gut modernisierten Bereichen. Das touristische Rahmenprogramm bestand aus einem Croissant und einem Coffee-to-go. Wir riefen den Messdiener O. an und ließen uns überreden, noch auf der Stelle zu ihm nach Ediger-Eller an der Mosel zu kommen. Dazu war es zunächst nötig, mit der Bahn wieder nach Neustadt zu fahren um zum Auto zu kommen. Die Hunsrück-Höhenstraße kannten wir bisher nur als Mythos, nun sind wir sie bis Simmern auch gefahren und durch sehr einsame Gegenden, inklusive Umleitungen, durch Hunsrück-Wäder an die Mosel gelangt. In Ediger-Eller fanden wir noch ein schauriges Hotel, geführt von einer echten Hexe. Abends Essen mit O. und M. und Umtrunk.

Vierter Tag (Samstag)

Bei grauem Wetter nach dem Frühstück zunächst eine kleine Wanderung durch ein verlassenes Seitental und durch den Ort. Nach der Verabschiedung mussten wir uns von den Mosel-Impressionen erholen und beschlossen, als Kontrastprogramm das neu gebaute Mittelrhein-Museum in Koblenz zu besuchen, wo eine Ausstellung über das Landschaftsthema Rheinfall bei Schaffhausen gezeigt wurde. Das touristische Rahmenprogramm bestand aus Pommes mit Cola. Am späten Nachmittag ging es wieder nach Hause.