1995 · Hotelsuche im Doubstal

By 14. Juli 1995August 25th, 2014Hotelgeschichten

Im Mai 1995 machten wir Urlaub in La Ciotat im Departement 13, Bouches du Rhône, östlich von Marseille. Da wir auf der Hinreise Überraschungen bei der Hotelsuche zu lieben pflegten, sprach nichts gegen eine kleines kalkuliertes Abenteuer.

Wir hatten zuvor rumgeklüngelt, im badischen Bruchsal noch ein scheußliches klebrig-süßes Nuss-Eis verspeist, (der Anfang einer erst jahrzehnte später bewusst gewordenen Nusseis-Phobie), hatten überlegt, weil es so schön war, den ganzen Urlaub direkt in Bruchsal zu verbringen, den Gedanken aber wieder verworfen und waren schweren Herzens weitergefahren. Als es so gegen 20.00 Uhr Zeit war, sich über die nächtliche Herberge Gedanken zu machen, befanden wir uns, gut, aber langsam voran kommend, nicht etwa auf der Autobahn Mulhouse-Besançon, sondern stilecht auf der D683, damals noch als N eingestuft und dem Doubs folgend. In den als durch-und-durch französisch empfundenen Käffern zwischen Montbéliard und L’Îsle sur Doubs traten wir mehrfach auf die Bremse, um spontan bei den Hotels am Straßenrand die auswendig gelernte Frage „Avez-vous-une-chambre-libre“ zu stellen. Und es war jedesmal dasselbe: Oui, man habe ein Zimmer frei, ob ich es sehen wollte. „Mais oui!“ Nach der Besichtigung signalisierten wir, das Zimmer wäre wahnsinnig ok, wir müssten nur noch eben aus dem Auto die Frau und das Gepäck holen. Beim Auto schwangen wir uns schnell rein, Schlüssel rum und mit Vollgas weiter. Bruchbuden, so schlimm, dass im-Sitzen-im-Auto-Übernachten eine exzellente Alternative darstellte.

Doch dann endlich. Clerval, Au bonne Auberge. Ein kleines Zimmer mit Dachluke, zu der wir zur vollen, von der nahen Kirchturmuhr geschlagenen Stunde nachts mit Hilfe eines Hockers hochkletterten, weil man von dort aus sehen konnte, wie, durch langes Rumpeln sich ankündigende Züge der SNCF in einen düsterschwarzen Tunnel einfuhren oder herauskamen. Herrlich unheimlich. Die Küche hatte nichts Warmes mehr, aber ein Sandwich (Ssongwiehsch) lag noch drin. Wir lächelten dankbar, solange, bis es bei der Abreise auf der Rechnung wieder als 3*** Menü auftauchte. Beim Abendspaziergang sahen wir in der Nachbarkneipe die Jahresversammlung des Angelvereins. Der Doubs rauschte kalt unter der Brücke und erinnerte an Nordkorea.

Am nächsten Morgen lag mystisch dräuender Bodennebel im Tal. Nach ein paar Kilometern kam die Sonne raus. Es zog uns auf die Autobahn, das Mittelmehr lockte.