1998 Zwischen Rhein und Eifel

By 13. April 2010Januar 2nd, 2012Messdienerausflüge

2010 aus der Erinnerung geschrieben

Unser erster Messdienerausflug

Die Messdiener D., und O. hatten reichlich Proviant in O.’s blauem Audi A4, Baujahr 1997 verstaut.(Hinweis: O. hat diesen schönen Audi noch im selben Jahr, im Herbst 1998, in Klump gefahren weil er in den Allgäuer Alpen uninspiriert auf Schnellstraßen rumtrödelte und für einheimische Bäuerinnen zum Verkehrshindernis wurde. Da er aber formal im Recht war, durfte er sich auf Kosten der gegnerischen Versicherung einen Neuen kaufen, den er bis heute und auch für den Rest seines Lebens fährt: das von Freunden so genannte und von ihm so rezipierte „beste Auto der Welt“).

Messdiener O.'s blauer Audi

Messdiener O.'s blauer Audi

Update: Anfang 2011 machte der Oppa Ernst. Er trennte sich vom besten Auto der Welt und kaufte ein noch besseres, das aber nominell nicht mehr den Titel trägt.

Zurück zum Geschehen: Das Wetter ist als “gut” eingestuft in Erinnerung. Auf den ersten Kilometern sprachen wir nicht viel, zu sehr waren wir mit aus-dem-Fenster-kucken beschäftigt. Wir legten eine erste Frühstückspause ein an der berühmten Stelle, wo direkt am Rheinufer in Königswinter die Uferstraßenbahn ihre nördliche Wendeschleife vollzieht.

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Fotoshooting in Königswinter: Rhein, Platanen, Blauregen

Auf einer Bank unter Bäumen erbauten wir uns an Rhein-Impressionen Turner’scher Prägung und an mitgebrachten Frikadellen, kalten Kottlets und harten Reise-Eiern. Das Reise-Ei ist dann gut, wenn die äußere Schicht des pulvertrocken-bröckeligen Eigelbs blaugrün anläuft. Dazu reicht man Salz, niemals Maggi. In dieser tief durchlebten Pause erkannten wir in uns die latenten Rheinländer und wollten sie niemals mehr vergessen* – die Pause.

Bei Remagen (-> “die Brücke von”) setzten wir mit der Fähre auf die westliche Seite über. Nun wurde es unbekannt. Käffer wie Bad Breisig oder Brohl empfanden wir als vernachlässigt bis heruntergekommen. Heute mag das anders sein oder nicht, ist auch egal, denn sie haben den Rhein, und der zählt.

In Brohl bogen wir rechts ab Richtung Laacher See, dem zweiten touristischen Highlight (in der Erinnerung zählt das Frühstück allerdings stärker). Ziel war die weltberühmte Benediktiner-Abtei Maria Laach.

An dieser Textstelle wird als Kommentar eingeschoben, dass Messdienerausflüge in der Regel nicht primär zu teuren Einkehrungen genutzt werden. Der Spar-Aspekt überwiegt bzw. das Lebens-Hochgefühl, welches sich aus autark zelebrierten Mahlzeiten, bestehend aus mitgebrachten Butterbroten, ergibt. Gelegentlich gönnt man sich ein kleines Eis oder ein Erfrischungsgetränk (natürlich kein Bier: Messdienerausflüge sind Gelegenheiten, den spielend leichten Verzicht auf Biergewohnheiten demonstrieren zu können unter dem vorgeschobenen Argument, vielleicht noch fahren zu müssen, falls die anderen beiden zeitgleich kollabieren oder so.)

In Maria Laach empfing uns ein Gefühl von Ausflugs-Koller, wie ihn Generationen von Ausflüglern, Wandergruppen und Schulklassen kennen: Es ist heiß, es ist langweilig, auf dem sich ewig hinziehenden Weg vom Parkplatz zur eigentlichen Attraktion stolpert man über staubiges, schattenloses Gelände und fragt sich: “Wer kam auf die Idee…”.

In der romanischen Abteikirche hatten wir es uns nicht so düster vorgestellt und unbeeindruckt von der Einmaligkeit dieser Anlage zogen wir kulturbanausig vorbei an dem dampfenden Stufenbrunnen à la Maulbronn Richtung Klostershop, wo wir ein wenig in theologischen Traktaten blätterten und über die anderen Angebote wie Kerzen, Kräuterliköre und Honigseifen die Nase rümpften.

Der Weg war das Ziel und beim Weiterfahren auf unbekannten, spannend-exotischen Eifelpisten kam der Lebensmut zurück.

Picknick

Picknick auf Wirschaftsweg in den Weinbergen bei Cochem. O. am Grill, K. frisst schon

Nächste Station: Ein einsamer Wirtschaftsweg in den Weinhängen an der Mosel hinter dem Bahnhof von Cochem (eine öde Touristenfalle, völlig überschätzt). Dort fand nun das offizielle Mittagessen in Form eines Picknicks statt. D. und O. mit ihrer Veranlagung für’s Eingemachte bauten einen Grill auf und bestückten ihn mit abgezählten Grillwürstchen.

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Am Fuß von Burg Elz: K. fotografiert O., Fans staunen

Gedanklich waren wir schon beim vermeintlichen Höhepunkt des Messdienerausflugs: Eine anspruchsvolle Wanderung 3km hin, 3km zurück von Moselkern durch das Eltztal zu gleichnamiger Burg, damals noch berühmt durch die Verwendung als Bildmotiv für den 500-Mark-Schein. K. machte gute Miene zu bösem Spiel, als er sich zur Teilnahme an einer offiziellen Burgbesichtigung mit Eintrittskarte für 4 Mark hinreißen ließ, obwohl ihn Burgdetails, egal wo, und Heraldik aller Art nicht im Mindesten interessieren. Er hielt Burg Eltz für eine Zeitverplemperung. Wahrscheinlich, weil sie so ungünstig mitten im Wald liegt statt repräsentativ am Moselufer. Wer kam auf die Idee?

Nach der kräftezehrenden Wanderung war wieder etwas mehr städtisches Flair angesagt: Koblenz. Besichtigung des deutschen Ecks und ein Gang durch die Altstadtgassen. Stille Erinnerungen an die Bundeswehrzeit (Wo O. Mitte der 1970er Jahre seine Wehrpflicht aus fadenscheinigen Gründen überwiegend im Lazarett liegend absolvierte) und an frohe Stunden beruflicher Natur (wo K. bei einer Werkvertretung Auftrittsgelegenheit als wahrer Experte hatte und vom Geschäftsführer ein Schnitzel in einer Top-Rheinkneipe ausgegeben bekam. Die Begebenheit wird in der Kategorie „Hotelgeschichten“ noch weiter aufgebauscht – später).

Allen war anzumerken, dass es für diesen Tag eigentlich schon reichte, aber wir waren ja nicht zum Spaße da. Über die B9, welche breit ausgebaut linksrheinisch als 1960er-Jahre Typus die altbundesrepublikanischen Vorstellungen von Fernverkehr idealtypisch widerspiegelte, gelangten wir zurück nach Remagen, wo wir nun in die Ortsmitte vordrungen und – untypisch für unsere Messdienerausflüge – ein heruntergekommenes Bierlokal mit Rheinblick aufsuchten. Der Fahrer wurde ausgelost und die anderen beiden genehmigten sich 1 bis 3 Kölsch (geschätzt). Es kam aber keine rechte Stimmung mehr auf, eher wurde der Vollständigkeit halber getrunken.

Noch in der Nacht kehrten wir heim.

Epilog

*Wie im vorstehenden Text schon zweimal angedeutet, wird im Nachhinein also klar: Das Godesberger Frühstück war eindeutig der Höhepunkt und hätte, abgerundet durch einen kleinen Bonn-Bummel, eigentlich voll gereicht.