2010 Møn, Danmark

By 20. Mai 2010November 23rd, 2012unterwegs
Wiedersehen nach 29 Jahren mit Møn
Prolog

Vor dem Urlaub fehlt einfach die Zeit. Nein, nicht die Steuer, die ist erst am 30.6. dran. Aber die Kunden, die Arbeit, etc., wie immer. Auf der Strecke blieben: Zusätzliche exotische Kabel, um die mitgenommene Heimelektronik zu vernetzen, Musik auf CDs, da die stationäre Heimelektronik nicht für iPods vorbereitet war, die Nikon, um auch Fotos der dolleren Art zu machen, was Gescheites zu lesen. Außerdem kam der License Key für Adobe CS5 erst um Mitternacht vor Abfahrt an, so dass das Ausprobieren der neuen Suite auf die Zeit nach dem Urlaub verschoben wurde.

Pfingstsamstag, 22. Mai 2010

Aufstehen 6.00 Uhr, Abfahrt 8.30 Uhr. Das würde knapp, denn Scandlines war für die Route Puttgarden–Rødby um 13.15 gebucht. Ab Bielefeld wurde es voll. Ab Hannover zusätzlich nebelig, ab Soltau stockig bis stauig. Trotz allem kamen wir nur eine halbe Stunde zu spät. Trotzdem wurden wir für das nächste Schiff zugelassen, so dass wir die dänische Seite nur 1 Stunde verzögert erreichten. Der Aufenthalt an Bord war nicht weiter erwähnenswert. Ab der Hälfte löste sich immerhin der Nebel auf und es wurde freundlich. Wir tigerten ziellos über die Decks und leisteten uns immerhin einen Riemen mit Wattebrötchen und Senf sowie zum Mitnehmen eine Stange Toblerone. Toblerone ist die vorgeschriebene Einheitssüßigkeit an internationalen Brennpunkten in Europa, und eine skandinavische Fähre gehört dazu. Obwohl es ein deutsches Schiff war, ging es sehr dänisch zu, was Schilder, Beschriftungen, allgemeine Verkehrssprache und aufgeschnappte Gespräche betraf. Immerhin akzeptieren sie an den Kassen Euros. Die Preise waren für uns unverschämt teuer, für die reisenden Dänen und Schweden rührend billig. Hofft man darauf, dass die Leute den Bord-Shop immer noch für so eine Art „Duty Free Zone“ halten, die längst abgeschafft ist? Das reisende Volk hatte diesmal keine besonders exotischen Charaktere zu bieten, die es gelohnt hätte, zu fotografieren. Wieder an Land, glitten Lolland und Falster unauffällig am Autofenster vorbei. Nach Stege wurden wir über die Autobahnabfahrt Farø/Bogø geleitet, nach unserer Meinung nicht die kürzeste Strecke. In Stege war der erste Eindruck: Niedlich, nett, sonnig. An der Tourist-Information fanden wir den angekündigten toten Briefkasten vor mit mechanischem Zahlenschloss, wie an einem Kinderfahrrad. Drinnen war eine Holzkiste mit den nicht abgeholten Hausschlüsseln, so auch unserer. Nach in Augenscheinnahme des Hauses war unsere zweite Amtshandlung Einkaufen bei Super-Brugsen. Da wir nur umgerechnet 87 € beihatten, kauften wir nur das Allernötigste und kamen knapp hin.

Die Umgebung

Auf der westlichen Seite der Meerenge von Stege liegt am Rande des Geländes einer stillgelegten Zuckerfabrik eine Ferienhaussiedlung im einheitlichen Baustil, aber mit leicht unterschiedlichen Hausvarianten. Es sind immer vier Häuser in Reihe und leichter Hanglage zum Wasser zusammengefasst. Wir sind leider nicht in der vordersten Reihe am Wasser, sondern in der zweiten Reihe, können aber durch eine Baulücke auf den Hafen und die Wasserfrontkulisse von Stege schauen. Stracks nach Westen blickt man auf eine mitten in der Bucht zwischen Nyord, Kalvehave und dem Zipfel Syd Sjæland liegende Kleinst-Insel mit dem lyrisch-telegenen Namen Lindholm. Charlotte Lindholm, LKA Hannover. Ein kleiner bewaldeter Hügel mit ein paar Gebäuden und zwei großen Schornsteinen. Lage und Anmutung erinnern an Alcatraz in der Bucht vor San Francisco. Was mag es sein? Wie kommt man hin? Die touristische Literatur gibt keine Auskunft. In Kalvehave kein Hinweis auf Fährverbindungen. Eine Privatinsel, die Einwohner besitzen Boote und brauchen keine Fähre. Ein spleeniger Milliardär. Oder so. Lindholm ist immer einen prüfenden Blick wert: Mal diesig-verschwommen, mal zum Greifen nah und klar, leuchtende Pracht am Morgen, schwarze Silhouette im abendlichen Gegenlicht, glühend im Sonnenuntergang. Das sagenumwobene Vilm (Honecker) im Windschatten von Rügens Südostküste wurde immerhin noch von Ausflugsbooten angefahren.

Das Haus

Unsers ist ein Eckstück nach Südosten. Im Erdgeschoss sind drei Schlafzimmer und ein Bad, oben ist ein einziger Raum mit drei – tja, Bereichen! Osten: Wohnen, Flezen, Fernsehkucken. Mitte: Treppenaufgang von unten und Küche. Westen: Esstisch mit 6 Stühlen und Hinterausgang auf die rückwärtige Terrasse. Wegen der ehem. Zuckerfabrik ist der Ausblick nicht so superschön, wahrscheinlich eher als Ausweichterrasse bei Ostwind geeignet. Die Ost- und Südseite hat einen umlaufenden Balkon mit Tischgruppe an der breitesten Stelle. An diesen Seiten gehen die Fenster bis zum Boden. Der Raum bietet einen phänomonalen 3Seiten-Rundumblick. Zusammen mit der gelungenen Einrichtung – cool aber nicht ungemütlich macht das Haus einen zufrieden stellenden Eindruck. Ziemlich gewöhnungsbedürftig ist das Elternschlafzimmer im Erdgeschoss, welches wir, die Eltern, auch nutzen. Auch hier reichen die Fenster bis zum Boden, liegen zur Straße hin und sind nur knapp-spärlich mit Gardinen ausgerüstet. Man liegt also wie im Schaufenster, besonders abends, wenn die Spiegelung nachlässt und die dünnen Gardinen dem aufdringlichen Glotzen der Passanten nicht gewachsen sind. Die Schlafzimmer-Außentür führt direkt auf den Bürgersteig. Allerdings ist die Siedlung mit ihren 23 Wohneinheiten höchtens zu 10% genutzt und es gibt nachts durchaus Momente, in denen grade niemand einen Schaufensterbummel unternimmt und reinschaut, wie es so läuft. Schlimmer als der öffentliche Charakter ist jedoch die Kleinheit und Kargheit des Schlafzimmers. Ein Bett, ein Schrank, das wars. Die Matratze zu dünn um die Stahlfedern gepolstert und dennoch zu weich-kuhlig, so dass die Nächte strapaziös werden und dank der ab 5.30 hereinbrennenden Sonne recht kurz wären, würden wir nicht von 7.00 bis 9.00 Uhr in den totalen Erschöpfungsschlaf fallen.

Damit sind wir mitten im Meckern drin. Beim ersten Eintreffen waren wir schockiert. Ein Mückenplage! Der dänischer Mr von gegenüber (Vater, Mutter, Kinder, 3er BMW plus 5er BMW bestätigt es uns. Der Eingang, die Fenster, alles schwarz vor Mücken. Wir würden niemals auf dem Balkon sitzen können. Und drinnen war es glühend heiß. Doch nach einer gewissen Zeit holten wir Besen, Handfeger und Staubsauger raus und kämpften die ersten Schneisen frei. Enttäuschend war auch das Audio- und TV-Equipment. Vom iPod war keine Verbindung zum Stereo möglich, weil die Schnittstelle „Mini-Klinke“ nicht zu unserem mitgebrachten Cinch-Kabel passte. Der Umweg über den Fernseher führte dazu, dass der Fernseher auf ein Video-Signal wartete, was nicht kam und nach 10 Minuten genervt abschaltete, außerdem war der Ton (Samsung 22“) quäkig und mickrig. Im jedem Raum sind RJ-45-Steckdosen vorhanden und in der Besenkammer ist ein Kabelmodem oder Netzwerk-Router im Betrieb, denn es blinkt, aber a) haben wir unser Netzwerk Patchkabel, obschon dran gedacht, dann doch vergessen und b) wissen wir nicht, ob wir es ohne intime Kenntnis der Zugangsdaten zum Laufen krügten.

Später machten wir noch eine kleine Erkundungstour mit dem Fahrrad durch den Ort. Dabei entdeckten wir sogleich unser Lieblingsrestaurant und die beiden Lieblings-Bäckereien, die alle schon geschlossen waren. Wegen Groggytum und schläfriger Ermüdung war der Abend eher zu Ende als es dunkel war. Wir legten uns ins Schaufenster und schliefen sofort ein.

Pfingstsonntag, 23. Mai 2010

Klare Sicht, blauer Himmel, unser Bude im Windschatten, die Mücken hatten sich erst mal zurückgezogen. Gemütliches Frühstück auf dem Balkon, fast ohne Mücken, und im totalen Windschatten, obwohl es leicht zu stürmen schien. Eine morgendliche kleine Runde mit dem Fahrrad führte uns zuerst zum Hafen, wo wir eine Pølserbude für später vormerkten und danach in die City von Stege. Wir kauften bei zwei verschiedenen Bäckern (Guldborg und Hoyer) für die Mutter eine Thebirke und für Kalle ein Schoko Snejl d.h. Puddingschnecke auf Blätterteigbasis. Zu Hause gab es statt Mittagessen diese Teilchen mit Kaffee wiederum auf dem Balkon. Nach einer kleinen Mittagsruhe brachen wir auf zu einer zunächst sehr klein geplanten Radtour unter Umrundung des „Steger Nor“ zur Møner Südküste. Schnell wurde der Zielradius erweitert: Råbylille Strand. Am schönsten war die Landschaft zwischen Bissinge und Tøvelde. Sie erinnerte an das Südufer des Bodensees auf Schweizer Gebiet, nur dass es keinen Blick auf den Säntis gab. Dafür aber die in der Nachmittagssonne glitzernde Ostsee. Der Rückenwind gemahnte natürlich einen beschwerlichen Rückweg, aber wir waren mutig, und da die Abenteuerlust durchbrach, wagten wir die Weiterfahrt. Ziel im Radius zwei war Klintholm Havn. „Klintholm“ klingt nach ZDF Schwedenschnulze sonntags abends oder zumindest wie ein sagenumwobenes Eiland, das kaum jemand zu Gesicht bekommen geschweige denn lebend wieder verlassen hat. In Wahrheit war es dann ein normaler kleiner rumpeliger dänischer Fischhafen, erweitert um ein ausuferndes Ferienparkgebiet mit Reihen-Appartments und touristischen Basisangeboten. Um den anstrengenden Rückweg zu überstehen, mussten wir Proviant fassen oder direkt zu uns nehmen. An der einzigen Pølserbude kauften wir zwei dicke Riemen mit aufgeschnittenem Weißbrot (alles sehr bedenklich) und vier bunten Soßen in der Pappschachtel: körniger Ketchup, heller Senf, leuchtend grün-sirupartiger Senf, Remulade. Der Rückweg erwies sich als mindestens so beschwerlich wie vermutet. Insgesamt waren es 41 Kilometer. Zur Belohnung gab es zu Hause Pellkartoffeln mit Salat (Rucola und Tomaten). Dazu ein Tuborg Grøn bzw. Rotweinschorle.

Zum Sonnenuntergang verließen wir noch mal das Haus und drehten eine Runde über die Store Gade. Dauer: Eine Stunde.

Pfingstmontag, 24. Mai 2010

Morgens war es sehr bedeckt, sehr kalt, sehr windig, vormittags kamen Schauer dazu, mittags hörten diese wieder auf. Gegen 12.30 fuhren wir mit dem Auto Richtung Møns Klint. Wir parkten gratis außerhalb des Schwungs und liefen einsam ca. 1Km durch den original dänischen Blümchenwald. Es erinnerte stark an Jasmund auf Rügen. Die weißen Kreidefelsen waren noch beeindruckender, obwohl der dollste und zackigste vor kurzem abgebrochen war. Am Klippenrand ging es unter Einbeziehung von sogenannten „atemberaubenden“ Blicken rauf und runter bis zum 2006 errichteten touristischen Höhepunkt, dem Geo-Center. Das ist eine Mischung aus Info-Zentrum, Museum, Kneipe und Andenkenladen mit beachtlicher Architektur, vermutlich vom Stararchitekten. Wir kauften ein paar Ansichtskarten und machten noch einen Abstecher runter zum Strand. Strand heißt in diesem Fall das begehbare Geröll am Fuß der Klippen. Zurück zählten wir die Stufen: 497. Hätten es nicht glatt 500 sein können? Nächster Tagesordnungspunkt war ein Autoumweg nach Klintholm Havn. Das Wetter war an der südlichen Breitseite der Insel wesentlich rauer und stürmischer als an den Klippen, die wohl im Windschatten lagen. Von Klintholm Havn gingen wir ca. 2 km am kiesigen Strand nach Osten, fraßen am Wendepunkt auf einer Bank in einer Nische unsere zuvor bei SPAR gekauften Blätterteigteilchen (zu dänisch, also zu süß) und marschierten zurück. Auf dem Rückweg nach Stege hielten wir noch ein paar mal an, um in der Landschaft liegende Steingräber und keltisch-wikingische Königsgräber zu fotografieren. Oder so. Nach einer Ruhepause hielt das Abendessen Salat, Reis und Ingwermöhren (englisch: Gingermorries) bereit. Um ca. 21.00 Uhr, also eigentlich zu spät, brachen wir mit dem Auto auf zur gewohnten Sonnenuntergangstour. Diesmal war Kalvehave an der Brücke von Møn nach Sjæland dran. In letzter Sekunde bekamen wir knapp noch ein Foto der eleganten Brücke von 1943 in der letzten Abendsonne hin. Eine kurze kalte Runde über den Steg der Marina und vor allem durch die hinteren Ecken des Ortes brachte wenig aufbauende, dafür zweifelhafte Eindrücke zustande. So freuten wir uns den ganzen Rückweg lang auf die schöne gemütliche Bude daheim.

Dienstag, 25. Mai 2010

Den ganzen Tag sonnig mit wolkigen Abschnitten. Und wenn der Wind nicht gewesen wäre, hätte man vielleicht keine Kälte verspürt. Der Wind war durchgehend vom Typ „ziemlich Steif“, so dass einem die Hose hin und her ging und man die Kapputze überzog, solange man unser sich blieb. Erste Amtshandlung: bei der Guldbageri 4 Brødler holen, leider keine Blätterteigigen. Der Expert-Hifi/TV-Händler hatte kein Audiokabel mit Miniklinke vorne und hinten. Vielleicht schon Ende der Woche, Danke. Nach dem gemütlichen Vormittag daheim starteten wir eine Tour zum Südwesten der Insel. Von Harbølle Havn hatten wir uns all das versprochen, was Klintholm Havn schon zu viel bot. Doch es war absolut nix los. Gar nix außer Wind mit 6 Bf. Schnell ging es weiter zur Fanefjord Kirke mit sogenannter „sehenswerter“ mittelalterlicher (wieder freigelegter oder restaurierter) Ausmalung mit sämtlichen Details aus dem alten und neuen Testament und der Kirchengeschichte bis dato. In Bogø erwischten wir die Fähre im Moment des Ablegens, aber der Fährmann war gnädig, machte die Schranke wieder hoch und wir durften noch drauf. Obwohl das Fährgerät schon 1981, bei unserer Erstbesteigung, alt gewesen sein mag, hatte auch hier moderne Technik Einzug gehalten. Der Fährmann schloss nach Ablegen sein Kabuff auf und holte etwas heraus. Wir glaubten, jetzt kommt ein altes, großes, abgewetztes und wettergegerbtes Riesen-Lederportmanée. Doch nein, es war eine portable elektronische Kasse mit Tastatur, Belegdrucker und Kartenleser, ähnlich jener der Schaffner in den Zügen der Deutschen Bahn. Eine knapp viertelstündige Fahrt nutzten wir zum Genießen des schwankenden Seegangs bei mindestens 5 Bf und der Freude auf ein Wiedersehen mit Stubbekøbing, wo wir 1981 (Bogøurlaub) mal ein Eis von dem Geld aus der Gemeinschaftskasse gekauft hatten. Der Laden war noch vorhanden, diente aber heute als Verkaufsshop des Roten Kreuzes (Røde Kors Butik). Nach dem Kauf eines Maxi-Mandel Eis (vergl. Magnum) an Havn Kiosk wanderten wir den Haupteinkaufs-Boulevard nach Westen, wo es viel zu entdecken gab: Eine Bageri mit tollem Kuchen (den wir uns für Stunden später zu Hause aufsparten und der dann natürlich nicht schmeckte), ein Elektrogeschäft, wo sie tatsächlich das gewünschte Kabel für nur 45 DKK hatten inklusive Smalltalk mit dem auf deutsch seine Lebensgeschichte verkündenden Ladeninhaber und ein Haushaltswarengeschäft, wo die Mutter zwei rosa angestrichene Blech-Blumentöpfe kaufte. In der Mitte des Ortes lagen die wesentlichen Einrichtungen: Kirche mit mächtigem Kirchturm, Rathaus (es tagt natürlich kein Rat mehr), Speicher, Hafen und Pølserbude. Doch zunächst weiteten wir unsere Runde in Richtung des östlichen Ortsteils aus. Gesucht wurde das schon bei den Vorbereitungen daheim im Internet entdeckte tolle Restaurant am Meer (Kongenæs). Es zeigte sich, dass es zentraler Bestandteil einer neueren Feriensiedlung war. Allerdings fanden wir alles wie ausgestorben vor. Anscheinend keine Saison. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir ein Betriebsgelände – eine Mischung aus Werft und Metallverarbeitung, wo auch niemand zu sehen war. Dafür überall entzückende Gerümpelhaufen aus Altmetall, die ungewollt aber gekonnt wie aufgestellte Kunstwerke drappiert waren. Wir gerieten in einen Fotorausch, schossen einen Film voll (hätte man früher so gezählt) und werden demnächst eine Auswahl davon Uli Möckel präsentieren, der eine ähnliche Sichtweise darauf haben dürfte. Nach Rückkehr und Abhängen machten wir zu Fuß eine Tour durch die Supermärkte von Stege. Zunächst das REMA1000, das zu den umgewidmeten Liegenschaften der Zuckerfabrik gehört und von uns bisher (Pfingsten) als Blumengeschäft angesehen wurde. Nein, es war ein Supermarkt, und kein schlechter. Wir kauften 4 Teile. Um ALDI auf der anderen Straßenseite machten wir einen großen Bogen, das Samstagabenderlebnis war so deprimierend, dass wir dort vorläufig nie wieder hin wollen. Super-Brugsen kannten wir schon. Nächstgelegen: NETTO. Diese Kette scheint sehr verwandt zu sein mit unserem Ost-Netto (gelb-schwarz, wie UHU) nicht zu verwechseln mit dem auch in Paderborn ansässigen gelb-roten West-NETTO (ehemals PLUS). Warum müssen diese Blödmänner ihren Läden immerzu Markennamen in Versalien verpassen? NETTO stand ALDI nicht viel nach und wir verließen es ohne zu kaufen. Hintenrum kamen wir beim Brauhaus durch den Hof und entdeckten die echten Brau-Anlagen nebst Ausschank, wo schon Leute saßen, u.a. eine Neger-Familie, die uns schon mal woanders aufgefallen war, der Mutter jedenfalls. Am östlichen Ende der Einkaufsmeile lag der Supermarkt Facta. Wir inspizierten ihn, übten aber Kaufzurückhaltung. Erst beim vierten Supermarkt – Kiwi – griffe wir wieder zu. Kiwi führte u.a. Maille-Senf, doch wir hatten schon welchen bei REMA1000 gekauft, der in die Richtung Bautzener ging. Zum Abend nahmen wir das Audiokabel aus Stubbekøbing in Betrieb und bereiteten das Abendessen: Nudeln mit Tomaten-/Paprikasoße und Salat.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Sonnig, kalt, windig, aber nicht so „steif“ wie gestern. Es gelang uns, bei der Guldbageri jene legendären dänischen Blätterteigbrötchen aufzutreiben, die zusammen mit dem quietschsüßen zimtlosen Gebäck Grundbestandteil unseres persönlichen Dänemark-Mythos sind. Wie bei all unseren Mythen, erwiesen sich die Brötchen nun erheblich weniger legendär als in der Erinnerung. Trotzdem waren sie deutlich legendärer als alles, was in Paderborn zeitweise als sogenannte „dänische Brötchen“ im Handel war. In der Guldbageri, deren Verkaufsraum nicht größer als bei durchschnittlichen traditionellen mitteleuropäischen Bäckereien ist, hing über der Theke ein Flachbildmonitor mit Werbung für irgendwas: vielleicht Kino, Handwerk, Gartenbau. Auf dem Rückweg machten wir am Zuckerhafen noch ein paar schnelle Fotos von dem gefährlich dreinschauenden 1942er Schnellboot im, wie es selbst über sich auf einem draußen dranklebenden Zettel verkündet, Art-Déco-Stil. Zur Mittagszeit war die Wetterlage soweit entschieden, dass eine Radtour möglich schien. Allerdings grenzwertig: Der Wind hatte seit gestern von „steif“ auf „frisch“ zurückgestuft. Es war sonnig, aber kalt. Uns würde beim Radeln wärmer, hofften wir. Bis Nyord waren es ca. 14 Kilometer. Als nette Abschnitte behalten wir die 500 Meter Ulshave Strand und den danach folgenden sonnig-lichten Mischwald mit vielen sumpfartigen Stellen in Erinnerung. Unterwegs besichtigten wir eine heimatkundliche Scheune, in der bebilderte Tafeln Auskunft gaben über das harte Landleben auf Nyord von 1850 bis 1970, sogar in deutsch. Nyord City, ein winziges hügeliges Dorf am Nordwestrand der kleinen vorgelagerten und mit einer flachen Brücke seit 1968 verbundenen Insel hatte eine der unvermeidlichen Kunstgalerien, eine geschlossene Kirche (klassizistisches Oktogon, ungewöhnlich für ein Fischerdorf am Rand des dänischen Archipels) und einen verödeten Hafen, in der Fisch keine Rolle mehr spielte. Nur ein paar verlassene Segelboote lagen da. Wir fraßen ein paar mitgebrachte Haferplätzchen und traten den Heimweg an, diesmal auf einem unbefestigten Weg am Rande des Waldes. Die Mückenplage nahm von Kilometer zu Kilometer zu. Wir saßen voll davon und mussten schwer durch die Nase atmen, um nicht so viele zu verschlucken. Zurück in Stege, fanden wir es dort kälter als unterwegs. Wir kauften ein paar Ansichtskarten und eine Zeitung (unsere einzige Verbindung zum Weltgeschehen). Zu Hause gab es drinnen (der Balkon war voller Mücken) Salat mit Lachsbrot. Da man es trotz aller Wohnbehaglichkeit aus Angst, etwas zu verpassen, nicht für den Rest des Tages aushält, mussten noch mal raus. In Kalvehave war noch nicht alles zuende fotografiert, speziell die Dronning-Alexandrine-Bro von 1943. Wir parkten am Kreisverkehr und Kalle allein marschierte zur Brückenmitte um von oben den Hafen zu fotografieren. Dabei entdeckten wir die lange gesuchte und vermutete Fähre nach Lindholm. Ganz Lindholm ist eine veterinärbiologische Forschungsstation der Uni Kopenhagen. Wir vermuten, dass dort streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit übel genmanipulierte Fischsorten ohne Köpfe gezüchtet werden, da die Köpfe sowieso immer abgeschnitten werden.

Karte an B.F. (historische Ansicht vom nicht mehr existierenden Speicher in Stege).

Tach, mein Dicker, du erhältst diese historische Karte mit einem Motiv aufgenommen vermutlich Ende der 1970er / Anfang 1980er Jahre, weil – ja weil nichts besseres zu finden war. Die beiden Pfeile weisen auf die einzigen davon heute noch existenten Gebäude hin: ein klassizistischer Verwaltungsbau aus königlichem Umfeld von ca. 1820 und der Turm der Kirche aus dem 15. Jahrhundert (in der Ortmitte). Alles andere ist weg. Auf dem Gelände des hohen Getreidespeichers ist jetzt ein Busbahnhof und ein schlimmer NETTO Supermarkt. Frachtschiffe laufen den Hafen auch nicht mehr an. An der Hafenmauer findet man drei fest liegende Schiffe, die aus touristischen Gründen etwas maritimes Flair verbreiten sollen. Nur wenig abseits unseres Ferienhauses steht ein riesiger, als Zuckerfabrik stillgelegter Industriekomplex in der Landschaft, mittlerweile umgenutzt zu zweifelhaften Einrichtungen wie Grafikwerkstatt, Bonbon-Manufaktur, Supermarkt, Disco, Muckibude. Große Teile stehen leer. Direkter Verfall macht sich an den Außenanlage bemerkbar. So gibt es zwei riesige Betonrampen mit flankierenden Becken, in den sich der Müll mit stinkendem, schlammigem Wasser vermischt. Aus den Fugen und Rändern wachsen Büsche, die Uhren haben keine Zeiger mehr oder stehen auf viertel vor vier fest. Es ist ein Jammer. Stege muss einen ziemlichen Niedergang mitgemacht haben. Der Hafen verödet, die Getreidewirtschaft beendet, die Zuckerfabrik aufgegeben. Wenn wir abends durch unsere großen Fenster auf die Stadtsilhouette blicken, sieht es eigentlich nicht schlecht aus. Einige der alten Gebäude sind angestrahlt, die Kirche leider nicht. Doch „los“ ist absolut nix. Das Café Laika direkt an dem Wasserarm mit der Drehbrücke scheint erst seit neuestem aufgehört haben. Es stehen noch Tische und Stühle auf der Wasserterrasse, als wäre vielleicht gerade Ruhetag. Man wünschte sich eine schöne offene, moderne Kneipe am Hafen, wo man hingeht, wo die Anlieger der Marina sich treffen, wo gute Musik gespielt wird und leckere Sachen angeboten werden. Doch nichts. Nach 18.00 Uhr ist Stege mit seiner geschichtlichen Kulisse (wir wollen das Prospekt-Gelaber vom mittelalterlichen Stadtbild nicht aufgreifen), 2 Bäckereien, 2 Buchhandlungen, 5 Supermärkten und vielen Klamottenläden wie tot. Außerdem hätten fast alle Läden eine Modernisierung nötig.

Karte an Bohnenstrohs

Ihr Lieben daheim, da euch diese Karte mal wieder dann erreicht, wenn wir längst wieder da sind und alles, wirklich alles ausführlich erzählt haben, schreiben wir an dieser Stelle nur das, was immer gilt: Herzliche Grüße von Dänemark zu Dänemark Amen. Fortsetzung folgt.

Karte an Pralatbluhms

Hi, da wir niemandem mehr, außer bekanntermaßen einem abgelegten Gelübde zufolge an euch, echte Karten schreiben, fangen wir also an: Unser Sommerurlaub ist zweigeteilt. Eine Woche Dänemark, 22. Mai und eine Woche Holland, 27. Juli. Wir wissen noch nicht, welcher schöner war. Aber stets das Schönste eines jeden Urlaubs, das steht schon fest: Es ist das hart gekochte Ei, das auf halber Strecke der Hinfahrt verzehrt wird, mit einem Brötchen und einer guten Tasse Bohnenkaffee gerne auch Coffee-to-go. Wenn es heftig regnet und wir das Auto vollkrümeln müssen, umso besser. Dieses rituelle Ei nun hatten wir jetzt leider vergessen, darum werden wir nach Holland ausnahmsweise zwei mitnehmen und eins hinter Bottrop und das andere kurz vor Utrecht verzehren. Bis dann, sagen Udo und seine Mutter. Fortsetzung folgt.

Karte an Steinhövels

Unser Wiedersehen mit Møn (1981) hat alte Eindrücke wiederbelebt oder infrage gestellt und zweifellos neue geschaffen. Wir sind geradelt und gewandert, haben geschaut und gekauft, gefroren und geschwitzt, erlebten Häfen, Kirchen, Pølserbuden, Klippen, Mücken, Kuchen, strengen Käse und Wind. Nun sind wir gespannt wie es euch erging, in Berlin. Fortsetzung folgt.

Karte an Dave Allens

Bei unserem Wiedersehen mit Møn mussten wir oft an euch denken. Zwar warst du, liebe Eriqua bei unserem damaligen Urlaub 1981 auf Bogø mit Fahrradausflug nach Møns Klint nicht direkt mit dabei, aber das Schicksal hat ja gerade dich nur kurze Zeit später an die Seite des Møn-Freundes gestellt. Wir denken an die Brücke von 1943, dessen Baujahr uns all die Jahre unvergessen im Gedächtnis lag, an den Pølser, den wir anlässlich einer Fähr-Fahrt nach Stubbekøbing kauften, vielleicht war es auch ein Eis und an die Baustelle der 1981 gerade entstehenden Farø-Brücke, die wie eine Miniausgabe der Köhlbrandbrücke in Hamburg aussieht, und die du, Dave Allen, damals im goldenen Abendlicht für immer dank deines selbst gebauten 600mm Objektivs in unsere Erinnerung gebrannt hast. Dafür danken wir euch. Fortsetzung folgt.

Karte an Oppens

Liebe Oppens, euch gilt unser besonderer Dank, denn ihr hütet und pflegt mit großer Sorgfalt, Können und Ernsthaftigkeit das heimische Anwesen, die Liegenschaft und die guten Beziehungen zu den geschätzten Nachbarn, sei es zu Friedrich, dem Hauptmann, zur Stute aus selbigem ehrenwerten Haus, zur kulturstiftenden Musikschule oder zu den neuen bzw. altbekannt-ans-Herz-gewachsenen Katzen. Zum Dank bringen wir euch was Schönes mit. Ihr dürft euch was wünschen: Entweder leckere Plätzchen, herzhaften Käse oder weltberühmte Pils-Spezialitäten. Fortsetzung folgt.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Das Wetter war das bisher beste: Nicht kalt, keine Mücken, kein Wind. Wir fuhren nach dem Frühstück ohne Umschweife nach Møns Fyr, einem Zwergleuchtturm am südwestlichen Rand der Klinten. Dabei machten wir bei Sonnenschein die Fotos, die uns am Sonntag lichttechnisch nicht möglich waren bzw. die gewanderte Strecke war auch eine andere. Beim Geocenter kauften wir einen Kaffee und ein Softeis, als es just zur Pause etwas auffrischte. Den Rückweg nahmen wir am Fuß der Klippen auf dem schmalen Streifen Geröll. Man durfte nicht nach oben kucken, so erdrückend gefährlich wirkten die (nahezu losen?) Felsmassen über uns. Aber es ging keinsterlei Lawine runter. Wir „fanden“ mehr Steine, als wir tragen konnten. 500 m vor dem Fyr verpassten wir den Aufstieg und mussten, schwerbeladen mit unseren Fundstücken umkehren. Das Wetter hatte sich nun bedeckt. In diesem Zustand besichtigten wir „Schloss“ Liselund, heute ein Hotel in einem sehr weitläufigen hügeligen Parkgelände zwischen Klinten und Wald. Für unseren Geschmack etwas zu einsam und tot. In Stege zurück nahmen wir uns die Imbissbude am Hafen vor. Jeder fraß ein risted Hot Dog, dazu eine Flasche Carlsberg. Bevor wir die vier schweigenden, aber uns heftig anglotzenden Männer, die mit einem Lieferwagen gekommen waren, gekleidet in einheitlichen Anzügen in dänisch-Malocher-Blau (80% Cyan, 20% Magenta, 15% Yellow, 20% Schwarz) am Nebentisch sitzend, fotografieren konnten, waren sie fertig mit Fressen und wieder verschwunden. Der Nachmittag ging bei gebessertem Wetter mit Lesen und Ansichtskartenschreiben vonstatten. Ein Abendspaziergang führte uns über das trostlose Zuckergelände und durch Ortsrand-Gestrüpp ans Ufer. Wir beobachteten ein paar dicke Schnecken und bekamen davon auf der Stelle einen leichten fiebrig-rötend-nässenden Ausschlag.

Freitag, 28. Mai 2010

Heute also der große Kopenhagen Tag. København. Die Planung war bis 9.00 Uhr noch unklar: Mit dem Auto bis wohin: a) in die City, b) bis zum südlichen Vorort Hvidøvne? Und dann weiter in die City: c) mit dem Fahrrad, d) mit der Bahn. Oder gar nicht Kopenhagen, sondern Malmö in Schweden. Wieder das gleiche Fragespiel: e) durchgängig mit dem Auto (mindestens 76 € über die Öresundebrücke) f) mit der Bahn ab Hvidøvne (Preis unbekannt), und was dann dort machen: g) Variante Auto: Erst Stadt, dann IKEA, h)Variante Bahn: nur Stadt, und dann?

Entschieden wurde das Dilemma durch das Wetter: Ab 8.00 Uhr wurde der Dauerregen nur durch heftige Schauer aufgelockert. Wollen wir nass triefend mit derben westfälischen Anoracks in schicke Budiken einfallen? Wollen wir uns in nie zuvor gehörten Museen abstruses Zeug namens „moderne Kunst“ antun? In der Frage liegt die Antwort.

Bis 12.00 Uhr regnete es, und dann wurde es doch noch schön. Wir brachen sofort auf nach Præstø, welches in einem Prospekt als extrem „romantic“ bis „medieval“ gepriesen wurde, Heimat von so dollen Promis wie Thorwaldsen, H.C. Andersen und XY Grundvig. Dazu malerisch in einer Bucht gelegen mit umtriebigem Segelhafen und quirliger Innenstadt. War es so? Auch hier liegt in der Frage schon die Antwort. Um dem Nachmittag noch eine Wendung zu geben, fuhren wir auf dem Rückweg einen Schlenker über Vordingborg, einer der zentralen Wiegen des Dänentums im Mittelalter, neuerdings mit Dokumentationsstätte zu diesem Thema namens „Det nye Danmarks Borgcenter“. Vordingborg war durchaus nicht ungebirgig. Wir explorierten die City, das Burg-Areal, den Segelhafen und zögerten bei der Entscheidung über die Einkehr in eine Fisch-Imbissbude. Auf Fototafeln konnte man die diversen erhältlichen Variationen von Schnellfisch studieren. Wir kamen zu der Überzeugung, dass die Bude zu den Zweifelhaftesten von ganz Sjaeland gehört und ein Verzehr eine sofortige, also noch während des Essens eintretende Reue nach sich zöge. Zumal der Fraß, wie alles in Dänemark, auch nicht grade umsonst zu haben war. Eine weitere Kneipe am Hafen sah einladender aus, hatte aber keine leicht verständliche Speisekarte, so dass die Bestellung dort schwierig bis missverständlich ablaufen würde (Kognitive Dissonanz). Zudem saß draußen auf der Terrasse ein sehr bräsig-mürrischer Deutschen-Hasser, der uns mit seinem verachtenden Blick vertrieb. „Wir stellen uns vor ihn, fotografierten ihn mit der Szene und zeigten im Abgang einen Stinkefinger.“ Leider stimmt dieser Satz nicht ganz. In Kalvehave, wo wir anschließend durchkamen, zeichneten sich auch keine entscheidenden Veränderungen ab, so dass wir den Ort schnell wieder verließen. Zu Hause stand ein „kurzer“ Einkauf an, der sich leider hinzog, weil es nicht gut lief. Bei Super-Brugsen war das gute Mineralwasser aus und bei REMA1000 gab es keine Remoulade in Tuben. Dank dieser Kausalitäten verschob sich der geplante letzte Strandspaziergang bei Råbylille soweit nach hinten, dass wir ihn nur mit Ach und Krach kurz vor Einsetzen des nachfolgenden eiskalten Regenschauers hinbekamen. Kalt genug war es sowieso schon geworden, dazu dunkel, als wolle es Abend werden. Nach dem Abbauen der Fahrräder und anschließenden Abendessen um 20.00 Uhr wurde es überraschend wieder schön, und es zog uns sofort raus zum heute beginnenden Støttefest in der Steger Innenstadt. Bier 0,3 sowie Bockwurst je 30 Kronen = 3,90 €. Dänen, die in Deutschland Urlaub machen, können es wahrscheinlich gar nicht fassen, wie billig es bei uns ist. Nur machen Dänen keinen Urlaub in Paderborn. Noch vor Rückkehr war es mit der Schönheit wieder vorbei, Kälte, Regen und Wind setzten ein. Aber das war uns nun alles egal.

Karte an Ulkers

Liebe Magdalena, lieber Rolf,

Ein schöner Urlaub ist das bisher. Und wir denken an euch. Denn in eurer gepflegten Limousine erreichten wir auf dem Rückweg unseres Ausflugs zu den Kreidefelsen „Møns Klint“ im Frühjahr 1981 während jenes unvergessenen Urlaubs in Begleitung eures lieben Bruders und Schwagers Bernward das malerische Hafenstädtchen Stege, das natürlich anders ausgesprochen wird, und folgten deiner Ermunterung, Magdalena, hier in der Agentur direkt nach einem Sommerhus für den folgenden Sommerurlaub zu fragen und gleich zu buchen, womit der Grundstein unserer Dänemark-Treue gefestigt wurde. Die Agentur haben wir unverändert wiedergefunden, sie heißt Dan Bolig und kümmert sich nun eher der Kaufvermittlung von Immobilien, was in Dänemark weder anrüchig noch ungewöhnlich scheint, denn hier ist jedes zweite Objekt „Til Salg“ wie der Däne sagt, weil er sehr umtriebig ist und alle zwei Jahre Hab und Gut verkauft und weiterzieht. Fortsetzung folgt.

Karte an Claudia W.

Liebe Claudia, viele Grüße aus Dänemark, oder wie man hier schlicht sagt: Hej!

Nun zu dir. Hattet ihr bei euch schon Schützenfest, oder kommt das noch? Oder genauer gefragt: Warst du schon mal Hofdame, Prinzessin oder Königin? Ich nicht. Meine Eltern waren keine Schützenfest-Freunde, und das hat sich auf uns 5 Kinder ausgewirkt. Keiner von uns hat was für so was was übrig. Wir essen übrigens alle gerne ein Stück Wurst, das haben wir von Vater, der früher, wenn es gut lief, bis zu 30 Schweine pro Winter schlachtete und zu Wurst verarbeitete. Blutwurst, Leberwurst, Sülze, was du willst. Italienische Salami war leider nicht seine Stärke. Macht nix, die kaufen wir heute als Salame Abruzzese bei Müller und schneiden sie nicht auf die Klappstulle, sondern servieren sie als Überraschung mit den Worten: hier kommt ein „Gruß aus der Küche“, weshalb sie im internen Sprachgebrauch nur noch Grußwurst heißt. Alles weitere demnächst, deine Brigitte.