2012 · Cuxhaven

By 19. November 2012Januar 23rd, 2013unterwegs
Endlich Hafenblick!

(mit Bildergalerie am Ende des Post)

Prolog

Keine Steuer, Stress normal, kein Kauf der PAGE. Einfach losfahren. Sogar ganz entspannt, weil es erst am Sonntag losging. Wir schliefen lange (7.30) und fingen an, letzte Kundenwünsche zu erfüllen bzw. zu packen. Der Technikkoffer war schon gestern abend gepackt: Kabel, Adapter, Netzteile, Werkzeug, Festplatten, Audio Equipment. Die Schreibtischlampe blieb diesmal zu Hause. Das Fernrohr konnten wir leider nicht finden. Vielleicht war es in Holland geblieben. Vergessen: Tesafilm. Mist.

Tage vorher hatten wir in einem zermürbenden Prozess nach dem richtigen Ziel gesucht. Die Ansprüche an das Ziel werden immer höher:

Neue Umgebung. Man darf in einer Bannmeile 5 km noch nicht gewesen sein, es sei denn, das war mehr als 17 Jahre her, dann gilt es als Mythosbewältigung. Beispiel: In die engere Wahl für diesen Urlaub kam letztlich Krummin am Bodden hinter Usedom. Ein sogenanntes „Floating House“ im Wasser, erreichbar über einen Steg, nicht ungemütlich eingerichtet und bezahlbar. Zwar waren wir erst 2010 in Zinnowitz gewesen – aber das lag außerhalb der Bannmeile und war daher weit genug weg, um das Ziel als neu einzustufen. Was dagegen sprach, war, dass das Floating House nur von Sonntag (Anreise) bis Freitag (Abreise) frei war – mithin nur 4 volle Aufenthaltstage zu bieten hatte bei über 600 km Strecke. Theoretisch waren Ende November jede Menge Häuser oder Appartments verfügbar. Die meisten jedoch bieten nur die Ausschluss-Kriterien:

  • Gemütlicher Zuschnitt = Ferienwohnung vom Typ „Omma“. Merkmale sind dabei Omma-Gardinen, kleine Fenster mit Blick in die Knüste, sichtbare Heizkörper, Glastischchen, schwarze oder gar weiße Ledergarnituren. Gutes Beispiel hierfür: Rathsack, Ferienwohnung Casa Carmen (Link zu Picasa)
  • IKEA ungemütlich: Helle diagonal verlegte Bodenfliesen, Duschkabinen mit Schiebetüren in Wassertropfen-Optik, lieblos an den Rändern verteilte IKEA- /bzw. Billigmöbelketten-Möbel mit Kiefern-Deko, Deckenstrahler und Energiesparlampen, quietschbunte Sesselgarnituren etc. Äh, Mist, noch kein treffendes Beispiel gefunden.
  • Gute Aussicht: Bodentiefe Fenster mit Blick auf den Hafen oder das städtische Treiben. Hier wird es kritisch. 99% fallen raus. Krummin hätte immerhin Boddenblick gehabt.

So kam uns das Angebot der Agentur Karin Hamer gerade recht. Der Preis für die Bude in Cuxhaven war dank absoluter Un-Saison gerade noch bezahlbar. Um uns das langatmige Verfassen der Beschreibung und der unvermeidlichen Mecker-Orgien zu ersparen, folgt nun die zuvor abgesandte Nachricht an unsere Freunde Dilbert und Miriam:

Liebe Miriam, lieber Dilbert,

wir haben es 3+ angetroffen. Gesamtnote also: eine gute drei*.

1. [ … (gelöscht) ]

2. [ … (gelöscht) ]

3.Heute sind wir  10,5 Kilometer gewandert und haben für die unsportliche Strecke nicht nur den ganzen Tag gebraucht, sondern waren hinterher fertig wie ein Brot.

4.
Bisherige Bildausbeute: 162 Stück. Auch das ist für zwei Tage eher durchschnittlich. Mein bisheriger persönlicher Rekord (September 2008): 700 Bilder in 4 Stunden. Am Dia-Abend werdet ihr sehen.

5.
Der anfängliche Heißhunger auf gebackenen Fisch mit einer dicken Panade und Kartoffelsalat ist fürs erste gelindert. Wir werden uns nun den Krabben und Muscheln zuwenden.
*Die Gute drei ergibt sich aus einer eins mit den entsprechenden Abzügen für:

  • Gesamtzustand von Cuxhaven : überwiegend von der traurigen, langweiligen oder monotonen Art (es gibt Ausnahmen davon).
  • Wetter: Gestern grau in grau, heute zunächst neblig, dann zwar sonnig, aber ohne Fernsicht. Mein Wunsch wäre es, bis Helgoland, zumindest bis Büsum blicken zu können.
  • Wohnung: Wir hätten gerne die Wohnung an der Südost-Ecke gehabt (B-Block rechts). Tatsächlich ist es eine eingeklemmte Scheibe (auch noch die schmalste) mit Nordost-Ausrichtung (A-Block, rechts. Nach hinten, am Schlafzimmer, natürlich Südwest, aber wer, außer Jungverliebten, will schon den Tag im Schlafzimmer verbringen).
  • Fehlen einer Pfeffer-Hecke: Ich bin es in Ferienhäusern gewohnt, den Kaffee-Prütt* in der Kanne rauszutragen und mit viel Schwung in die Hecke zu pfeffern. Auf unseren zwei Balkonen im 5. Stock (Nordost und Südwest) gibt es aber nur schlichte Glas-Geländer, an die den Kaffee zu schleudern ich mich nicht traue. Punktabzug dafür. *Nein, die sog. „Kaffeemaschine“ mit Filtern benutzen wir nicht. Und eine Espressomaschine ist nicht vorhanden. Die Polstermöbel sind eindeutig zu wuchtig. Man kann sie nicht beiseite räumen, um den Esstisch näher ans Fenster zu bekommen. So sind wir von den Schiffen unnötig weit entfernt. Überhaupt, die Schiffe: Es könnten mehr sein. Bei unserem Aufenthalt 2007 und 2008 im Mündungsgebiet der Schelde, da fuhren die „ganz dicken Pötte“ direkt hintereinander her nach Antwerpen und zurück. Hier müssten die großen Container von COSCO, Hamburg Süd und Hapag Lloyd herfahren – aber Fehlanzeige, nur Kümos (Küstenmotorschiffe – z.B. von Eemshaven nach Husum oder Esbjerg nach Harwich. An der Schelde ist man verwöhnt durch die ungeteilte Gesamtmenge. Die ersten zweigen dann nach Antwerpen ab, aber viele fahren auch bis Rotterdam. Nach Deutschland dünnt es sich stark aus. Bremerhaven bekommt noch die Autotransporter und Hamburg – ja da will dann wirklich keiner mehr hin.

Damit ist schon viel vom Bericht der ersten zwei Tage vorweggenommen. Aber der Reihe nach.

Logbuch

Sonntag, 18. November 2012

Nach dem Packen kamen wir um 10.30 Uhr los und wählten die West-Route: Bielefeld, Osnabrück, Oldenburg. Um Bramsche und Damme verloren wir 1 Stunde auf einer Umleitung, die, wie wir hinterher erfuhren, bereits wieder aufgehoben war. Alle wussten es, nur der Bus vor uns und wir nicht. Eine öde Gegend voll mit Schweineställen. Wir erreichten Cux und die Agentur um 15.00 Uhr. Sofort nach dem Raufschleppen unserer Habseligkeiten (3 Gänge) begannen wir das touristische Rahmenprogramm: eine planlose Stadterkundung, nicht allzuweit. Irgendwann fingen wir an, den Rückweg um 90° gedreht falsch zu interpretieren, und wo wir stracks nach Norden hätten gehen müssen, gerieten wir, trotz 4-maliger Peilung per Google Maps immer weiter westwärts. Ein Abfolge fataler Irrtümer bzw. ein falsch justierter mentaler Kompass. Da draußen waren nur noch Plattenbau-Siedlungen (Typ West) oder nebelige Pferdewiesen. Fast wären wir in Duhnen oder Sahlenburg gelandet und hätten die Nacht in einer Bushaltestelle zubringen müssen. Kaum waren wir wieder zu Hause, brach einer von uns erneut auf, um in einem Fischkombinat zwei Portionen Kibbeling (Backfisch) mit Kartoffelsalat zu besorgen. Sie hatten dort ihre Energiesparlampen voll aufgedreht, sodass wider alle Erwartungen so etwas wie virtuelle Gemütlichkeit zu verspüren war. Während wir die Wartezeit mit einem hastigen Warsteiner überbrückten, spielten zwei Matrosen auf ihren Handys stumm gegeneinander Schiffe versenken oder sowas. An einem anderen Tisch saß die obligatorische Einsame (Dame wäre übertrieben, halt so eine Art Frau), die fortwährend lautstark durch den ganzen Raum zum Kneiper rüberbölkend Präsenz zeigte. Der Kneiper gab ab und zu durch Grunzen ein gewisses Feedback, ohne etwas zu sagen. Der Backfisch bot keine positiven Überraschungen.

Statistik aus dem Bord-Logbuch:
  • Hinfahrt: 9.15 Uhr, KM 101038
  • Umleitung bei Grandorf/Holdorf
  • 13.00 – 13.20 Uhr Rasthof Huntetal mit Coffee-to-go und Reise-Ei
  • 15.00 Uhr Ankunft Residenz Yachthafen
  • Rückfahrt 11.15 ab Bremerhaven

Montag, 19. November 2012
In der Morgendämmrung herrschte ein fantastisches Licht. Sofort fingen wir an, zu fotografieren. Nach dem Frühstück fuhren wir zu Frau Hamer, um den Aufenthalt zu bezahlen. Frau Hamer erwies sich als eine komischerweise nur mit Männern besetzte Voll-Agentur. Das Wetter schlug schon mal vorsichtshalber in Nebel um. Als der Nebel sich mittags unerwartet verzog, brachen wir auf zu einem Fußmarsch durch die Hafengebiete. Wie oben im Brief an Dilbert und Miriam bereits angedeutet, betrug die Strecke 10, 5 Km. Nie zuvor haben wir dermaßen viele Fischrestaurants in einem Gebiet gesehen.

Zum Auftakt besuchten wir zunächst ein Bahlsen-Keks-Outlet. Das Besondere daran, was uns regelrecht elektrisierte: Viele Kekspackungen mit dem Label „II. Wahl“, daher unglaublich preisgünstig. Normalerweise können wir an sowas seelenruhig vorbeigehen, aber heute schlugen sämtliche Sicherungen durch – Wir kauften den Jahresbedarf an Keksen für ca. 6,00 Euro.

Nach einigen Runden durch den alten und den „neuen“ Fischereihafen (1960er Jahre) entschieden wir uns spontan zum Essen in einem dieser Etablissements und orderten Schollenfilet, welches kurze Zeit später in der Größe eines klodeckelgroßen Wiener Schnitzels serviert wurde sowie Scholle Finkenwerder, die, was manchmal normal ist, geschmackliche Anklänge von Waschküche trug. Das Bauchgefühl sagte: Dazu gehört ein Herforder Pils, und darum bestellten wir kein Warsteiner. Von Biersorten wie Jever, Flensburger, Astra und Holsten sind sie in hiesigen Kneipen weit entfernt. Warsteiner, Köpi, Radeberger, sind die gängigen Sorten. Am Nebentisch saß Jean Paul Sartre sein Sohn. Er sprach (mit seiner Frau/Geliebten/Bekannten erstaunlich gut deutsch. Auf der Nase trug er eine Interlecktuellenbrille neuester Prägung: Nicht schwarz und eckig. Nicht rund und randlos, sondern rund mit dicken dunkelbraunen Rändern. Mutter trug einen Nerzmantel, den sie von ihrer Oma geerbt hatte. Leider konnten wir nicht verstehen, um was es ging. Nach dem Fressen verschwanden sie in einem Hyundai. Nachdem wir beendet hatten, reichte es uns noch nicht genug und wir schleppten uns zwei weitere Fischemeilen weiter Richtung Hapag-Hallen, jenes Cuxhavener Auswanderungs-Gebiet mit bescheidener und ungeheizter musealer Aufbereitung. Diese Auswanderer-Geschichten machen einen immer ganz betroffen. Schwere Schicksale.

Dienstag, 20. November 2012

Den ganzen Tag schönes Wetter. Morgens fanden wir einen Bäcker mit Brötchen und Zeitung. Kurz vor 12 wanderten wir auf dem Deich los Richtung Kugelbake und am Ufer weiter bis zum hinteren Ende von Duhnen. Vom Deich hat man einen guten Überblick über endlose Appartmenthochhäuser aus den 1970er, 80er, 90er Jahren. Eins schauriger uns trostloser als das andere, und man fragt sich das, was wir als 12-Fragen-Katalog an unsere Verwandten Marina und Dieter richten werden, die bis zu 5 Mal pro Jahr in Cuxhaven Urlaub machen:

  1. Wohnt ihr in immer der gleichen Unterkunft, und wenn ja, in welcher ?
  2. Was macht ihr den ganzen Tag (Nein, sowas fragt man eigentlich nicht)  ?
  3. Wie voll ist es in der Saison (Sommerferien, Ostern, Weihnachen) ?
  4. Wart ihr schon mal im Fischviertel (Alter oder Neuer Fischereihafen) ?
  5. Habt ihr an einer Wattwanderung nach Neuwerk teilgenommen ?
  6. Habt ihr einen Helgoland-Tagesausflug gemacht ?
  7. Wo geht ihr bevorzugt essen ?
  8. Vermisst ihr die Fährverbindung nach Brunsbüttel ?
  9. Was bedeutet euch die Kugelbake ?
  10. Wart ihr jemals an Bord der Schiffe ANITA, FLIPPER, FUNNY GIRL ?
  11. Hattet ihr Angst bei Sturmflut ?
  12. Seid ihr Mitglied im nautischen Verein ?

Im Grunde waren wir schon wieder dabei, einem Mythos auf den Grund zu gehen: Unserem missglückten Cuxhaven-Versuch von 2003. Wo genau waren wir damals über den Deich geklettert und hatten die Kugelbake vergegenwärtigt ? In welchem Hotel hatten wir wider besseres Wissen vergeblich um ein Zimmer gebettelt ? (Hotel am Kurpark) Doch zu verblasst schon sind die Erinnerungen, manche Fragen bleiben offen.

Am Ende von Duhnen kehrten wir um und traten den Rückweg an, diesmal nicht auf dem Deich, sondern über die hintere Straße, welche die Ortszentren von Duhnen und Döse durchquert. In Duhnen City kehrten wir bei Itjen ein, erkundigten uns nach einem Café Creme, den es, bedaure, nicht gab. Schwarzwälder + Windbeutel. Der Kaffee aus dem Tank schmeckte scheußlich und verursachte sofort gesundheitliche Probleme. Völlig groggy kehrten wir um drei heim und hatten doch erst nur den Vormittagsspaziergang geschafft. Nach einer Verschnaufpause rief um 16.15  das Nachmittagsprogramm : Gang zum Pier, Kauf von Ansichtskarten und wieder zurück. Die Dämmerung nutzten wir zum aus-dem-Fenster-Schauen: Schiffe, Boote, Baustelle.

Mittwoch, 21. November 2012 – Buß und Bettag

Ein Novembertag wie aus dem Bilderbuch. Neblig-verhangen, trübe und grau. Man sah nichts, nur akustische Signale drangen durch. Wie eine Katze, die ständig rein oder raus will, tuteten andauernd die Boote der diversen Polizeidienststellen. Die Wetterstation vom Deutschen Wetterdienst am Hafen meldete 100% Luftfeuchtigkeit, Sichtweite 1 km (übertrieben), 7°, aber bei Windstärke 4 bft, die man schon als unangenehm empfindet. Auf der Fahrt zum Bäcker verfuhren wir uns gründlich und irrten  bis Döse Ecke Kugelbakehalle wo es nicht mehr weiterging. Beim Bäcker fanden wir eine entfernte Variante der dänischen Thebirke (leider etwas Zimt-verseucht). Diesen genannten Begriff hatte die Bäckersfrau aber noch nie gehört. War Cuxhaven nicht jahrhundertelang dänisch besetzt ? Egal. Mittags drehten wir eine Runde durchs Fischviertel, wo wir mal wieder einen Blick auf die Ausflugsschiffe „Anita“, „Flipper“ und „Funny Girl“ sowie auf die Boote von Wasserschutzpolizei und Küstenwache zu erhaschen hofften, und durch die erbärmliche Fußgängerzone. Bei Thalia platzierten wir einen Stützungskauf, und zwar erwarben wir ein Buch, weil zu einer gelungenen Reise stets der Kauf eines Buches in einer örtlichen Buchhandlung gehört. Bisherige Kauforte: Zinnowitz, Bad Driburg, Berlin und Wuppertal, nun auch Cux.

In einer umgenutzten Lagerhalle im alten Fischereihafen war ein Ramschverkauf, wo wir zwei dunkelgrau/hellgrau-gemusterte Leinentücher kauften. Gegen 13.00 Uhr kehrten wir „am Pier“ ein, hatten aber gar keinen Hunger. Nett, also so richtig nett, waren weder die Kneipe, noch das Personal. Ein bestelltes Jever wurde ungefragt in XL = 0,4 L serviert. Ein anderer Gast (wir meinen, ein Fernseh-bekanntes Gesicht) orderte eine Krabbensuppe. Nach der Geschwindigkeit zu urteilen, mit der er sie sich reinzog, schien die Suppe gar nicht so unlecker zu schmecken und wir kauften ebenfalls eine. Zusammen mit dem 0,4-Jever wurde der Besuch doch noch zum vorläufigen Höhepunkt des Tages.

Wegen des Nebels konnten wir uns nicht so intensiv um den Schiffsverkehr vor dem Wohnzimmerfenster kümmern und verlegten uns aufs Schreiben – z.B. den Erinnerungsbericht von 1990/91 Auf Reisen mit Sulky – der heute an einem Stück entstand. Ausnahmsweise in der Ich-Form geschrieben.

Um 19.30 sollte in der großen alten Kathedrale von Döse, St. Petri, ein musikalischer Gottesdienst zum Buß- und Bettag stattfinden, geschickt eingebunden in irgendwelche Bach-Festwochen. Das schien auch für uns Sinn zu machen. Rechtzeitig marschierten wir los, denn wir wollten weder vor überfüllten Parkplätzen noch vor der bis auf den letzten Platz mit rechtschaffenen Protestanten besetzten Kirche kapitulieren. Die Marschzeit hatten wir falsch berechnet – bereits nach 15 Minuten waren wir vor Ort, und niemand war zu sehen. Wir drehten noch eine Runde durch Döse hinten und waren dann eine halbe Stunde vor Beginn die Ersten. Der Pastor oder Presbyter begrüßte uns per Handschlag. Dann fing es endlich an. Zwei Männer lasen lustige Texte vor, und von Büßen und Beten war keine Spur. Der Bach-Interpret war kein Organist, sondern ein Violoncellist, der sich redlich mühte, irgendwas zusammenzuquietschen. Zum Glück bekamen wir nach einer halben Stunde einen gewaltigen Husten-Flash, der uns zum Verlassen der Kirche zwang. Wir gingen durch das als „chic“ gepriesene Lotsenviertel zum alten Hafen und kehrten an der Ecke mit dem Deichtor auf 2 kleine Becks ein.

Donnerstag, 22. November 2012

Plötzlich strahlend blauer Himmel, kurzfristig Sichtweite bis Schleswig-Holstein. Wir holten Brötchen und die Cuxhavener Nachrichten, die uns mal wieder restlos begeisterten. Eine Zeitung, deren qualitatives Format durchaus an die ebenfalls hochgeschätzte Ostseezeitung herankommt. Ein Strandspaziergang in Sahlenburg schloss sich an, ohne touristisches Rahmenprogramm, weil alles außer Itjen in Sahlenburg-Dorf zu hatte. Immerhin sahen wir Reiter und Pferde, die gerade durchs Watt aus Neuwerk angeprescht kamen. Sahlenburg-Strand ist nicht minder hässlich wie die anderen Ortsteile, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Freitag, 23. November 2012

Der letzte Tag ist in allen Urlauben von depressiven Schüben gekennzeichnet, so auch heute. Es mussten noch Tagesordnungspunkte abgehakt werden. Ein letztes Mal durch das Fischviertel – wir wollten irgendwie hinter den sog. Amerika-Hafen gelangen, dort wo die BMWs nach England verschifft werden. Um es abzukürzen – das ist uns nicht gelungen. Im hinteren Teil des „neuen“ Fischereihafens stank es dermaßen chemisch aus großen Tanks raus, dass man davon halb erstickte und halb von Panik-Attacken zu Boden gerissen wurde. Wir drehten wieder um. Das Wetter war lausig = trocken, diesig, grau-in-grau. Wir kehrten im Pier ein und gönnten uns „Fischer-Frühstück“ sowie Krabben auf Schwarzbrot mit 2 Spiegeleiern, und vergaßen, die Eier durchgebraten zu ordern.

Einen touristischen Akzent setzten wir am Nachmittag durch eine Fahrt mit dem Auto nach Ilienworth, (english: Alien Worth) ca. 20 km südöstlich. Dort fand in einer ehemaligen Molkerei ein Landfrauenmarkt statt. Diese boten  landwirtschaftliche Produkte, Gebasteltes, Gestricktes und Geklöppeltes an. Wir kauften Apple, Brot (schmeckte scheußlich) und eine Flasche Chardonnay aus der Pfalz, die wir für Weihnachten aufheben wollten. Auf dem Rückweg machten wir einen Schlenker über das malerische, verregnete Otterndorf, so eine Fachwerkidylle im Alten-Land-Stil. Wiederum** gelang es uns, in einer extrem süßen Buchhandlung ein interessantes Buch zu finden/kaufen.
** gelang uns schon zweimal in Bad Driburg, und je einmal in Zinnowitz, Berlin und Wuppertal. In Rostock lag es wohl ans uns, dass wir dem Impuls nicht nachgaben.

Abends noch mal ein Gang durch die Nachbarschaft und das gar so schicke Lotsenviertel, aber es war durch und durch nix los. Woher auch.

Samstag, 24. November 2012

Frühstück, Packen, Schlüssel wegbringen, los. Dichter Nebel bis Hannover. Wir machten ein Stopover in Bremerhaven, wo auch erstaunlich viel Nichts war. Wohl die absolute Nicht-Saison. Im Café Übersee am Yachthafen gab es für uns Kaffee/Croissant.

Epilog

Weihnachten ist lange vorbei, und der Chardonnay aus der Pfalz liegt immer noch im Kühlschrank.

Impressions

[nggallery id=”1″]