2013 – Baie de la Somme

By 9. September 2013unterwegs
Am Rande der Picardie

Urlaub in Les Lilas, St Valery sur Somme, August 2013

Prolog

Wie immer, war es vorher sehr hektisch und wir haben längst nicht alles geschafft. Allein für die Reisevorbereitungen hätten wir 2 Tage gebraucht. Statt dessen 2 Stunden am Freitag nachmittag und das eigentliche Packen am Samstag Morgen. Zu den Mitnehmseln gehören seit längerem bzw. seit jeher folgende bewährte, jedoch wechselnde Einheiten:

  • Fahräder. Während in den 1980’ern und 90’ern die Räder noch komplett aueinandergebaut wurden mit Lenker ab und Pedale ab, nehmen wir jetzt nur Sattel ab und Räder raus. Sommer-Urlaube ohne Fahrräder: 2004 Lago Maggiore (zu gebirgig), La Palma (Flug),
  • Litkoff. Was sich irgendwie bulgarisch anhört, ist in Wirklichkeit der Literaturkoffer. In ihm transportieren wir diesmal die 5 Bücher aus der Stadtbibliothek. U.a. ein dicker Krimi, der in Irland spielt, sowie alte Ausgaben der Welt-am-Sonntag, teilweise bis zrück zum April 2013 reichend, weil wir ungelesene Zeitungen ebensowenig wegschmeißen können wie altes Brot. Schreib- und Zeichenstifte, Papier und Radiergummi runden den Inhalt ab.
  • Eine alte Tchibo Picknick-Decke
  • Ein Fernrohr (mit Doppel-Okular), 2013 gekauft, Marke Nikon. Es ersetzt ein altes geerbtes No-Name-Fernrohr, welches 2012 versehentlich im Ferienhaus in Bergen/Noord Holland geblieben ist. Es gabe viele Urlaube, in dem das alte Fernrohr zu Hause blieb und vermisst wurde, und solche, in denen es unbenutzt im Auto liegen blieb.
  • 2009 (Wissant) und 2011 (Plouharnel) führten wir eine Schreibtischlampe mit, weil das Haus sich bereits vor Anreise als trübe und kümmerlich ausgerüstet zu erkennen gab. Die Schreibtischlampe haben wir jetzt nicht dabei, und vermissen sie auch nicht.
  • Umfangreiche Kamera-Ausrüstung mit SLR, Objektiven und Stativ. Diese Stufe jedoch nur, wenn entsprechende Motive zu erwarten sind, d.h. wenn es in einen visuell anspruchsvollen Raum geht. Beispiele: Berlin (2012) Cuxhaven (2012), alles, was vor 2004 war (damals gab es für uns noch keine „Kompakte“).  Diesmal blieb die SLR zu Hause, wir begnügen uns mit der derzeit im Lifecycle befindlichen Sony RX-100 M2.
  • Werkzeug. Die Zeiten, als wir stets eine Eisensäge mitnahmen, um im Gelände Strom-Isolatoren abzusägen, sind leider endgültig vorbei. 2008 haben wir uns von der Isolatoren-Sammlung getrennt und sie in gute Hände gegeben. Unvergessen der Urlaub 1994, als wir in der Bretagne einen aufgelassenen kleinen Strommast aus Holz gefällt hatten und einen weiteren aus Beton hochgeklettert waren, um die Beute zu erlangen. Heute haben wir nur Kleinst-Werkzeug  für das Fahrrad dabei.
  • Küchengerätschaften : Diesmal nur das Kaffeesieb, die unverzichtbare kleine Kaffeekanne aus Edelstahl und ein kleines Messer. Wir erinnern uns auch an Stahl-Kratz-Schwämme für die Topfreinigung, Brotmesser, Schneidebretter, weil die Hausbretter zu ekelig gewesen waren.
  • Der Technikkoffer ist seit 2009 dabei. Er enthält Steckdosenleisten, Adapter aller Art, Batterien, eine LED-Taschenlampe, USB-Kabel, Audio-Kabel, Netzteile, Ladegeräte, ein Feuerzeug. Im Jahr 2000 (Perros Guirec) stellten wir fest, dass unser Verlängerungskabel nicht in die französischen Steckdosen mit dem Pinn als Masse-Kontakt passten, und wir kauften bei Mr Bricolage (Herr Bastel) ein passendes Kabel.
  • Der Compi. Compis sind seit 1989 nahezu immer dabei, um das Urlaubstagebuch zu führen, so etwas wie ein Blog, nur offline. Der erste war ein mit Erlaubnis von Dr. Schukies ausgeliehener zentnerschwerer Firmen-386er mit DOS als Betriebssystem. Ein eigener DOS-286er-Laptop mit exzellent anschlagender Tastatur ging mit auf Reisen, bis er 2003 endgültig verschied. Darauf erzeugte Texte mussten anschließend immer für Windows konvertiert werden – d. h. durch manuelles Suchen und Ersetzen aller deutschen Umlaute und Sonderzeichen. Im Jahr 2000 (Cassis) ging ein von Debus geliehener grüner Siemens Laptop mit, der ein Monitor-Problem hatte. Fotos konnte man darauf noch nicht speichern, man musste also mit der Speicherkarte in der Kamera sparsam haushalten. Einfach eine zweite Karte zu kaufen – darauf kam man nicht. Weitere Rechner: Ein sehr dickes „Amilo“-Brett von Fujitsu-Siemens, dessen Thermik-Probleme ihn oft mittendrin abstürzen ließen. Der Nachfolger war dünner, hatte aber eine so miserable Tastatur, dass wir eine labile Apple-USB-Zweittastatur mitführten. Das Macbook Pro kauften wir im Dezember 2010, kurz bevor die Core-Duo Prozessoren gegen die i3/i5 Prozessoren abgelöst wurden. Es ist nicht gerade ein Ausbund an Performance. 2011 saßen wir auf dem Trockenen, weil er nicht ansprang, wir führten das Tagebuch per Bleistift und DIN A4-Blätter mit dem festen Vorsatz, die Eintragungen später zu transkribieren, was bis heute nicht erfolgt ist. Vor 1989 wurden die Aufzeichnungen ebenfalls manuell geführt. Seit März 2013 (Mommark) ist der iMac dabei und damit das komplette digitale Leistungsspektrum.
  • Fressalien. Konfus wie wir vor Abreise waren, haben wir auch das Nötigste Vergessen: Kein Rübenkraut dabei.

vergessen/versäumt:

  • Die Frankreich-Karte in die Navigon-App auf dem Handy zu laden. Wir fahren also nicht nach Navi, sondern nach alten Landkarten, bei denen sämtliche D-Straßennummern nicht mehr stimmen.
  • Die Karte „Dep. 80 Somme“ in die Scout-App auf dem iPhone zu laden.  Ersatzweise haben wir im Tabac-Presse-Geschäft die IGN-Karten 2107 und 2207 gekauft, die auch schöner sind, einem aber nicht sagen, wo man sich grade befindet.
  • Den klassischen Fahrrad-Compi, so dass wir unser Kilometerzahlen schätzen.
  • Die NW nachschicken zu lassen.

Wir reisen also wie in vor-digitaler Zeit, was nicht schlimm ist und ebenso gut funktioniert.

 

Samstag, 10. August 2013

Angesichts der Tatsache, dass wir erst am Morgen alles gepackt hatten, sind wir um 9.30 Uhr  gut weggekommen. „Packen“ ist es nicht alleine – dazu gehört auch das komplette Geschirr-Spülen, Reiseproviant bereiten, Müll entsorgen, Korrespondenz erledigen. Nur die „Steuer“ blieb uns erspart, denn Steuertermin war der 10. Juli. Wir wählten auf NRW-Gebiet die seit langem nicht gefahrene Nord-Route: Wuppertal, Düsseldorf, Neuss. Coffee-to-Go und Reise-Ei. Folgende Umstände kosteten uns die am Anreise-Tag so wichtigen Stunden, die man gerne schon „da“ wäre:

Eine aus Nichts bestehende 20-km-lange Baustelle in Belgien bei Namur.

Die Entscheidung, ab Cambrai nicht über die weiter südlich verlaufende Autobahn zu fahren, sondern die Kriegsgräberfriedhöfe-Route über Bapaume und Albert. Hinter Amiens fanden wir die Autobahn-Auffahrt nicht und es ging weiter auf der Landstraße über Berg und Tal. So konnten wir eine friedliche nordfranzösische Samstag-Nachmittag-Atmosphäre verspüren, die auf der Autobahn nicht stattfindet. In Abbeville kamen erste alte Erinnerungen hoch. Am Zielort St Valery war der sogenannte Bär los. Das touristische Aufkommen war mit dem von 1999 nicht mehr zu vergleichen. Wir fanden den innerstädtischen Durchstoß zur Oberstadt nicht, weil alles abgesperrt war. Madame war freundlich und unkompliziert. Sie sprach sogar ein paar Vokabeln Englisch, sodass alles schnell geklärt war. Als wir schon hofften, einen dermaßen vertrauensvollen Eindruck gemacht zu haben, dass sie auf die Kaution verzichtet, schnitt sie dann zuletzt dieses Thema an und kassierte ohne Quittung 300 €. Hoffentlich sind die nicht endgültig verloren. Außerdem konnten wir unser übliches Mitbringsel: 2 Flaschen Paderborner Bier plus Paderborn-Prospekt in Französisch nicht loswerden, weil es noch im Auto war, welches downtown parkte. Madame gab ein „Geschmäckle” ab, als sie darauf hinwies, dass wir all die Lebensmittel, von den der Kühlschrank und die Regale vollgepackt waren, verbrauchen dürften, wenn wir sie ersetzten. a) haben sich diese von Leuten angesammelt, die zu bequem waren, ihren angebrochenen Mist wieder mit nach Hause zu nehmen und b) hielt es sich um z.T. fast völlig leer gesoffene Flaschen Saft und ähnlichen Müll. Zur Strafe werden wir uns an den üblichen Lobhudeleien im Gästebuch nicht beteiligen. Der fest eingeplante Besuch bei Super U fand nicht statt, weil es kein Super U gibt (sondern Intermarché) und wir keine Lust mehr hatten. Eine erste Erkundungstour durch den Ort führten an hunderten von Restaurants vorbei. Moules Frites sind ein absolutes Muss. Auf dem Festplatz-Rummel in der Ortsmitte stand man stundenlang Schlange, weil dort Moules Frites zum Kampfpreis von 8,00 € zu haben waren. In den Restaurants zwischen 11,- und 14,-, je nach Lage und Komfort. Wir beschieden uns mit einer Ladung Pommes ohne alles für 3,00 €.

Zu Hause probierten wir noch aus, ob nicht doch ein zufällig offenes W-LAN verfügbar war, aber ein scheinbar offenes Orange-Netz erwies sich letztlich als unzugänglich, weil alle theoretisch infrage kommenden Passwortkombinationen keinen Zugang ermöglichen.

St-Valery – der Ort

St-Valery hinterlässt einen gemischten Eindruck. Am besten ist es bei unterdurchschnittlichem Publikumsandrang. Dann kommt so etwas wie Atmosphäre auf, die zwischen Binnen-Maritimik und traditionellem Frankreichbild liegt. Die beherrschenden Eindrücke sind die Gezeiten der Baie de la Somme und die vielen Restaurants, in denen Moules Frites serviert werden. Es ist gebirgiger als vorher bedacht, in der Stadt kann man richtig Höhenmeter machen. Sodann fielen uns die vielen Naturstein-Mauern mit dahinter terrassierten Gärten auf. Vor den Mauern blühen im August überall Stockrosen. Es gibt zwei Bäcker : den „netten“, der sich nicht durch übermäßig leckere Backware hervorhebt und den „artisanalen“, wo drei Blondinen, die Chef-Blondine betont arrogant-pampig den Verkauf steuern und der Bäcker zu den Hauptverkaufszeiten (z.B. Sonntag-Vormittag) mit Teig aus der Backstube kommt und von vorne im Verkaufsraum aus im Ofen stochert. Ein reiner Show-Effekt, der ihn zur Führung des selbstverliehenen Titels „Artisanal“ berechtigt. Wir kauften ein kleines Brot in einer Spanschachtel, das von Weitem wahnsinnig lecker aussah.

Les Lilas – das Haus

Madame Farge dürfte wohl die Besitzerin des Hauses sein. Es wurde aus mehreren alten Häusern zusammengelegt. Alle Räume liegen hintereinander. Zwei Ausgänge führen auf einen Plattenweg, an dessen gegenüberliegenden Seite der kleine terrassierte Stadtgarten liegt. Das abschüssige Gelände bleibt innerhalb der Mauern geebnet. Die Küche ist am besten eingerichtet, wenn auch nicht vom Tageslicht verwöhnt. Für die niedrige Arbeitshöhe können sie wohl nichts. Das Bad ist sehr klein und hat, wie auch das kleine Klo, kein Fenster. Die ebenfalls kleine Klobürste ist vom Typ „schwimmt-im-eigenen-Saft“. Das Schlafzimmer ist ausreichend gemütlich, der „Salon“ eher nicht. Die Mutter hält sich hier nicht auf, er ist nur Durchgang. Wir selbst nutzen es als Arbeitszimmer für Computer-Arbeiten. Was uns Sorgen macht, sind die Schneckenspuren auf dem Teppich, allerdings ist es uns noch nicht gelungen, die Teppichschnecke auf frischer Tat zu ertappen. Unter besonderer Beobachtung steht deshalb der große runde Abfluss unter dem Bett im Salon, mit dem dreck-verkrusteten Rost. Das Haus ist bis in die Ecken vollgestellt mit unnützem Gerümpel und lässt kaum Platz für Mitgebrachtes.

Sonntag, 11. August 2013

Das Wetter begann bewölkt und wurde im Laufe des Tages immer klarer und sonniger. Nach sehr langem Erschöpfungsschlaf begannen wir den Tag mit dem Besuch des Sonntagsmarktes um die Ecke. In der Abteilung Food bestaunten wir die Vielfalt und Qualität. Vieles war Nice-to-have, wir beschränkten uns weitgehend auf Must-Haves: Weiße Nektarinen, eine Melone, 4 der größten Kartoffeln aller Zeiten, Salath, Tomaten, Niçoice-Oliven, Mettwurst aus der Auvergne. In einem Supermarkt der Größenordnung Campingplatz-Laden hatten wir vorher schon 1 Fl. Rosé und Butter besorgt und aus der Boulangerie, aus der Hunde sich – was uns noch wunderte – heraushalten sollten, ein Baguette und ein Stück Kuchen.  Mit dieser Ausrüstung kamen wir bis zum späten Nachmittag. Zuvor waren wir zu einer Radtour zum Phare de la Hourdel aufgebrochen. Hin und Zurück mit kleinen Umwegen so 18 km. In Hourdel war soeben die Flut vorbei. Die Stimmung war in etwa „Sonntags am Meer“. Wir stellten uns an bei einer Bude für Crêpe sucre. Nach zwanzig Minuten waren zwei Kunden vor uns versorgt. Als weitere zwei als Order jeweils vier Crêpes bestellten, gaben wir hungrig auf. Wir schauten noch ein paar hundert Meter weiter strandaufwärts nach, ob sich die Erinnerung einstellt, aber so richtig wollte sie nicht. Der Rückweg fiel so ausgehungert richtig schwer. Dafür gönnten wir uns in der Strandbude von Cap Hornu jeder zwei 0,25 Stella Artois. Diesen wurde zu unserer großen  Freude jeweils ein Schälchen Salzgebäck beigestellt. Zu Hause kochten wir dann die großen Kartoffeln und boten diese mit einem klassischen Salat an. Es handelte sich, da die Mahlzeit um ca. 18.00 Uhr eingenommen wurde, um ein sehr spätes Mittagessen. Das Abendessen fiel entsprechen karg aus: Nichts. Der Abendspaziergang führte Somme-aufwärts bis zur zweiten Schleuse. Auf dem von dramatischen Sonnenuntergangseindrücken beherrschten Rückweg stellten wir fest, dass der Muschel-Rummel ziemlich zum Erliegen gekommen war.

Montag, 12. August 2013

Wetter: zunächst bedeckt, ab 14.00 Uhr sonnig und windig. Vormittags kauften wir bei Intermarché ein, mittags gab es Kartoffeln, Salat und Möhrengemüse à la Crème. Zum Nachtisch echtes Crème Caramel. Um 15.00 Uhr starteten wir zu einer Radtour nach Cayeux, über Pendé und Lanchères. Gegenlicht und Gegenwind strengten ziemlich an. In Lanchères schauten wir auf dem Hof des Ferienhauses von 1999 nach, und siehe da, sofort trat Monsieur Dorthe auf den Plan, dem wir die Hand schüttelten. Er konnte sich an uns nicht mehr erinnern, wollte uns die Geschichte aber wohl glauben. Beim Bäcker des Dorfes kauften wir dankbar ein Croissant aux Amandes und ein Chausson aux Pommes. Das Chausson war nach Vorschrift gebacken: Ohne Rosinen und ohne Zimt. Wir machten eine Pause auf einer Picknick-Bank an einer Kreuzung neben der Müllkippe von Cayeux. Der Ort war schlimmer denn je. Die nicht wegzubekommende Tristesse des Ortes versuchen sie, durch Rummeligkeit zu kaschieren. Selbst das Beste dort, der gewaltig steile Geröll-Strand, war nicht mehr so eindrucksvoll wie damals. Schön war dann die Weiterfahrt durch die Dünen nach Le Hourdel, auf deutsch: Der Huddel. Auf dem Rückweg hatten wir sogar überwiegend Rückenwind. Abends: kleiner Gang rauf zur Burg.

Dienstag, 13. August 2013 (52 Jahre Berliner Mauer)

Wetter: Sonnig, windig, nicht besonders warm.

Wir besorgten in der Poissonerie am Rummelplatz ein Stück Cabillaud. Mittags gab es Cabillaud mit geschmorten Oignons und Salath und Crême Caramel. So ab 14.30 Uhr begaben wir uns mit dem Rad an der kanalisierten Somme auf den Weg nach Abbeville. Die Gegend hatte sich in den letzten 14 Jahren mehr verändert, als vermutet. Viele Bäume waren gefällt und neue gepflanzt, so dass der auige Charakter nicht mehr so deutlich vorhanden war. Die Auigkeit an der Damse Vaart zwischen Sluis und Brügge wird hier vergleichsweise nicht erreicht eher ein andere Art von trockener Flandrigkeit. Ab Petit Port war der Radweg geteert bzw. betoniert, was dem Radelkomfort spürbar zugute kam und irgendwie städtisch wirkte. Vor Abbeville fotografierten wir die urbane Form der Flandrigkeit im Ortseingangsbild und einen aufgelassenen Speicher im Art-Decó-Stil. Während am breiten kanalisierten Abschnitt der Somme eine Strömung kaum wahrzunehmen ist, merkt im engen städtischen Bereich, dass eine beachtliche Menge Wasser geführt wird. Sollte es in Nordfrankreich geregnet haben, mehr als in Paderborn ? Am Place Bonaparte, dem Entrée-Punkt zur City, war immer noch die Bar la Civette gelegen, in der wir uns 1999 während eines schönen Gewitterschauers eine schöne Quiche gegönnt hatten. Abbeville war im Krieg von (britischen?) Bombern zerstört worden und auf ambitionierte Weise wieder aufgebaut worden. Im französischen Städtebau der frühen 1950er Jahre gibt es einen erkennbaren Stil : großmaßstäbliche Planung, Langgestreckte 3-bis 4-geschossige lange Blöcke, die im Parterre mit breiten Durchfahrten und Sichtachsen ausgestattet sind. Diese Durchlässe vebinden Straßen, Plätze, Höfe zu einem einheitlichen Stadtraum. Auf unseren Reisen zuvor bereits gesehen in Royan, Calais und Marseilles. Es gab zwar auch Leerstand, Abbeville macht jedoch einen intakten Eindruck mit netten Geschäften, belebten Straßen und gepflegten Häusern. Wir besichtigten die Stiftskirche St-Vulfran, nach der die Geschäfte der halben Nachbarschaft benannt sind. Der Rückweg bei Gegenlicht und starkem Gegenwind fiel schwer. An der Pont de Petit Port hielten wir mit den in Abbeville gekauften Teilchen (Chausson aux Pommes und Croissant aux Amandes) Rast und kämpften uns mit möglicherweisen leichten Anflügen eines Sonnenstichs heim. Das Abendprogramm fiel komplett aus.

Mittwoch, 14. August 2013

Wetter: Sonnig mit Wolken und nicht so windig. Morgens ein Gang zur Bourg und hintenrum vorbei an dem, was woanders als Strand gelten würde zum Platz am Café Terrasse, wo man für das Mittagessen eindeckte, allerdings nicht für uns, weil wir beschlossen hatten, uns an Salicornes zu wagen, welches es in der Poissonerie gibt. Am Salicornes waren gerade aus. Macht nix, ein andermal. Noch im Verlauf des Vormittags ein Abstecher zur Bourg. Zum Nachtisch gab es heute keine Crême Caramel, sondern die graue Melone vom Sonntagsmarkt. So ein Glas Rosé zu Mittag haut einen um wie eine Spritze vom Anästhesie-Assitenten. Daher waren wir erst am frühen Abend in der Lage, das touristische Programm fortzusetzen, diesmal mit einer Autofahrt nach Crotoy. Wir parkten gratis, da nach 19.00 Uhr, in der Nähe des Zentrums und hatten nach 2 Minuten den Dauer-Rummelplatz durchquert, und waren an der Baie angekommen. Ein Fußmarsch am Strand führte bis zum nördlichen Ortsende und wieder zurück. Insgesamt sind es in Crotoy noch viel weniger als in Valery die Schönen und die Reichen, die die Masse der Besucher ausmachen. Daher ist auch das Preisniveau niedriger, feststellbar am Indikator „Moules Frites“: Erhältlich ab 8,00 €.

Donnerstag, 15. August 2013

Auch der Donnerstag stand im Zeichen der Erholungs- und Ruhebedürftigkeit. Außer kleineren Gängen zur Bourg und auf der Somme-Promenade verzeichnen wir für heute nur eine nennenswerte Aktivität: Eine Radtour am späten Nachmittag nach Le Hourdel, um uns noch mal zu vergewissern, dass es wirklich keinen Sandstrand gibt. Und siehe da: Es gibt wirklich keinen Sandstrand, nur Geröll. Ohne Einkehr kehrten wir heim, nicht ohne die Vorbereitungen zu einem gigantischen Feuerwerk am Strand zur Kenntnis zu nehmen. Abends, nach ein paar Käsebroten, erinnerten wir uns an das Ereignis und tigerten zur Bourg rauf. Dort warteten wir von 21.30 bis 22.30 Uhr, als endlich am Horizont gleich drei Feuerwerke auszumachen waren. Allerdings feuerte man fantasielos alle Knaller nacheinander ab. Welch ein Glück, dass uns Feuerwerke sowieso am Arsch vorbei gehen.

Freitag, 16. August 2013

Mittags kam die Sonne raus. Spontan entschieden wir uns für eine Gedächtnis-Radtour nach St-Riquier. „Wie immer“ parkten wir in Abbeville in der Straße gegenüber der Polizeikaserne. Wir kreuzten die Straße mit den 2 Bars (links geöffnet, rechts „unsere“ Bar geschlossen) wo auch der Radweg auf der stillgelegten Bahntrasse begann. Nach 45 Minuten lag geradeaus die Abtei vor uns. Als erstes gab es ein Wiedersehen mit dem „Café de l’ Abbaye“, wo uns 1999 der Salath serviert wurde, auf welchem eine Schnecke rumkletterte. Die Kneipe bzw. ihr Außenambiente hatte an Scharmanz nichts verloren. Sie wirkte verführend und machte Lust auf einen Salath oder Steack Frites, aber wir wären nicht wir, wenn wir uns diesen Verlockungen umstandslos hingegeben hätten. Vor der kathedral-ähnlichen Fassade der Abteikirche hatten Bulli-Fans ihr Fahrzeug in Stellung gebracht und fotografierten es, wir bei der Gelegenheit auch. Die Kirche hatte von 13.00 bis 14.00 Uhr geschlossen, und wir machten zur Überbrückung eine Runde durch den Ort. Zur Belohnung gab es ein Stück Mandelkuchen zum erfreulichen Überraschungspreis von 1,10 €. Dann noch eine Runde um die Abteimauer und eine dritte durch den enttäuschenden Garten. Später Hans Hermann fragen, warum die Außenmauern des spätbarock-frühklassizistischen Konvent-Gebäudes so mit Nägeln durchsetzt ist. In einem Nebenraum war eine Gemälde-Ausstellung „D’une rive l’autre“ mit impressionistischen Landschaften aus der dritten Reihe. Vor der Tür lag der Katalog zum Durchblättern. Nicht unübel, vielleicht ein anderes mal. Um Punkt 14.00 Uhr machte eine Mademoiselle das Portal auf und verschanzte sich in einem Verschlag. Höflich meldeten wir uns bei ihr an und hörten, dass sie uns keine Führung anbieten könne, wir die Kirche aber für uns besichtigen könnten. Super, genau das hatten wir auch vor. Das innere war ganz in weißem Kalk-Sandstein gehalten ohne jeden Farbeinsatz. Die karolingischen Gründungsanteile beschränkten sich auf ca. 1 Meter freigelegtes Fundament. Der Rest schien spätgotisch zu sein. Man konnte nichts kaufen, keine Prospekte, keine Führer, keine Ansichtskarten. Es kostete auch keinen Eintritt. Insgesamt verkaufte sich St-Riquier, Dorf und Abtei, etwas unter Wert. Die Weiterfahrt sollte über den Berg Richtung Pont Remy gehen. Es dräute bereits, dennoch entschieden wir uns für den romantischen, östlichen Umweg am Waldrand entlang über Françieres. Gegen die Befürchtungen, fing es nicht an zu schütten. Pont Remy war nicht so schlimm wie befürchtet und nicht so doll wie gehofft. Bei Sonne hätte es ein netter flüchtiger Durchgangs-Eindruck sein können. Ein geschotterter „Pfad“ (Sentier) führte uns immer an der Somme entlang nach Abbeville. Die Landschaft war auig mit einem Auigkeitsgrad von höchstens 40%. Unsere Erinnerung sagte etwas anderes. Nach der zweiten Brücke ergab sich endlich die langersehnte Sitzgelegenheit, eine neue steinerne Bank mit „Somme“-Logo, wo wir unser kümmerliches Bagettchen mit Grußwurst essen konnten. Wir durchquerten Abbeville auf der Haupteinkauftsstraße, vor der Kathedrale und dem 1950er-Rathaus zu unserer Polizeikaserne. Die beiden Bars an der Ausfallstraße nach St-Riquier hatten jetzt beide zu. Abends zu Hause gab es Reste mit folgender Zusammensetzung nach der Formel Kartoffeln+Gemüse+Fleisch:

  • Bratkartoffeln = Kartoffeln
  • Salath = Gemüse
  • Möhren = Fleisch

Samstag, 17. August 2013

Das Wetter war unterschiedlich von sonnig bis regnerisch. Wir unternahmen keine Touren, sondern beschränkten uns auf kleine Gänge im überfüllten Ort, zur Bourg und auf der Somme-Promenade. Abends: Spaghetti-Bolognese, ein Urlaubs-Pflichtpunkt. Der Weinkauf wird einem erleichtert durch drei Skalen auf dem Etiketten, die den Wein in drei Merkmalen einstufen:

  • Fruité – Trés fruité (ölig bis fruchtig)
  • Sec – Doux (trocken bis süß)
  • Vif – Rond (lebendig bis rund bzw.

Beim Rotwein lauten die Merkmale etwas anders:

  • Léger – Puisssant (leicht bis schwer)
  • Epicé – Fruité (würzig bis fruchtig)
  • Non boisé – Boisé (holzig oder nicht)

Auf diesen Skalen haben wir innerhalb der Klasse „unter-3,50 €“ schon alles durchprobiert, ohne dass es zu Offenbarungen oder Geschmacks-Explosionen gekommen wäre. Am besten gefiel uns der Bergerac-Rosé mit nicht am Ende der Skalen liegenden Werten fruchtig-trocken-rund. Theoretisch hätte es der Bourgogne-Aligoté sein müssen: ölig-trocken-lebendig. Der schmeckte trotz seine 13 % eher nach nichts.

Sonntag, 18. August 2013

In der Nacht hatte es geregnet, aber schon ab 10.00 Uhr kam die Sonne raus und es wurde wärmer, aber nicht heiß. Dennoch waren wir mit unseren Regen-Anoraks auf dem Wochenmarkt, welcher diesmal nicht am Fuß der Altstadt, sondern am Somme-Ufer stattfand, overdressed. Wir suchten und fanden folgende Spezialiäten:

  • Ein halbes Kilo Niçoise-Oliven sowie „Caviar de Tomate“ (Tapenade mit Tomate und Olive) vom sehr geschäftstüchtigen Marokkaner, der statt der bestellten 100 Gramm 250 Gramm einwog, sich dann aber mit etwas weniger Kohle zufrieden gab.
  • Weiße Nektarinen und August-Äpfel
  • Sardinen in Öl (nicht geräuchert, nicht gegrillt, säuerlich-ölig)
  • Grüne eingelegte Peperoni (sauer-salzig-scharf)

Nachmittags hingen wir mit Depressionen rum, die sich zu einem Koller auswuchsen. Wir mussten raus und sagten „Warum nicht nach Ault?“ Ault galt in unserer Erinnerung seit jeher als öde, verlassen, verfallend und schroff. Genau das Richtige. Um 19.30 Uhr erreichten wir Ault in der schönsten Abendsonne. Die Stadt zeigte sich karg an Natur, schroff, irgendwie nord-britisch, aber nicht so schlimm. Auf der Suche nach Magdalena’s früherem Chambre d’Hôte, wo sie mal mit einer „Freundin“ war, kamen wir wirklich durch jede der sich in steiler Hanglage kreuz und quer ziehenden Straßen. Wir fanden es nicht. Nach einem freudlos (über einer Lagerhalle) erlebten Sonnenungang kehrten wir zum Auto zurück und fuhren im Zuge des bereits eingeschlagenen Heimwegs noch etwas weiter südwestlich, und siehe da: Unser 14 Jahre gepflegtes Vorurteil über Ault geriet ins Wanken. Da gab es doch tatsächlich am hinteren Rand so etwas wie ein Zentrum mit Restaurants und Geschäften und Leben. Da es aber stark dunkelte, war es zu spät für eine Exploration. Wir beschränkten uns auf ein paar verwackelte Bilder von der hier beginnenden Steilküste (Côte Albâtre) und beschlossen, „noch mal“ wiederzukommen.

Karte an Debus

Lieber N., Du bist von uns sommerliche Grüße, verbunden mit „Beobachtungen am Point of Sale“ gewohnt. Here we are: Wenngleich am „Point“ in diesem Jahr die spektakulären Überraschungen nicht auszumachen sind, was an der globalen Egalisierung liegen mag. Die unangenehmen Wahrheiten zuerst: Unser Inter Marché hat Kassen von IBM. Deutsche Waren mag es vielleicht geben, wir haben keine gefunden, also auch kein Rübenkraut, welches wir uns aufwendig nachliefern lassen mussten. Umso überwältigender das sonstige Angebot an Wurst- und Fleischwaren, Käse, Milchprodukten, Wein und regionalen Spezialitäten. „The real thing“ ist allerdings der Wochenmarkt mit umwerfender Kulinarik. Hier und da ist es auf dem Markt sogar möglich, mit Karte zu zahlen – und das schon seit Jahrzehnten. Fortsetzung folgt.

Montag, 19. August 2013

Wetter wie immer: morgens bedeckt, ab Vormittag Sonne und Wolken, nachmittags blauer Himmel. Wir ließen es extrem ruhig angehen und unternahmen erst ab 15.30 eine Tour mit dem Auto und Fahrrädern an Bord. Zielpunkt war der Parkplatz am Aussichtspunkt über Le Tréport. Auch war anders als früher, nichts mehr dem Zufall überlassen. Seit unserem letzten Besuch hier hatte man einen kostenpflichtigen Parkplatz eingerichtet und drei große Glaspavillons gebaut: Einer als Mehrzweckhalle, eine Autobahnraststättenähnlicher Restaurant- und Verkaufhalle und eine Bergstation samt Standseilbahn, bei der auf 4 parallelen Bahnen Kabinen durch den Fels zur Unterstadt verkehrten: genannt Furniculaire. Wir gingen aber die traditionelle Treppe zu Fuß runter, um unten das Standardprogramm zu absolvieren:

Fotos am Hafen und von der Stadtkulisse

  • Besuch am sehr tief runtergehenden Steinstrand nebst Hafenmole
  • Suchen irgendwelcher alten Mythos-behafteten Kneipen, in denen wir früher mal ein Mützig- oder Jupiler getrunken hatten.

Irgendwann geht einem die Dauer-Rummel-Atmosphäre auf die Nerven, und so fuhren wir mit dem Aufzug wieder hoch, kauften ein Caramel-Butter-Meersalz-Eis und schwangen uns auf die Räder Richtung Criel, welches zwei Täler weiter südwestlich liegt. Die Mutter hat die höhenmeterlichen Herausforderungen tapfer bestanden, vor allem auf dem Anstieg von Mesnil Val Plage nach Criel. Es gibt dort eine bestimmte Stelle mit einem sogenannten „atemberaubenden“ Blick auf die weiter verlaufende Kreideküste. Unser Foto von ca. 1982 ist bis heute unübertroffen, leider ist es verschwunden und wir finden es nicht mehr wieder. D. h. auch heute war der Eindruck nur mäßig. In Criel kehrten wir spontan ein und orderten Ficelle Picarde (ein Wrap aus Crêpe-Teig mit Champignons und Wurst à la Crème. Ging so bzw. Schulnote 4. Der Rückweg war leichter, da mit Rückenwind. Allerdings war es schon ziemlich kühl. Das Hotel von 1982 im normannischen Stil befand sich nach längerem Suchen übrigens nicht in Criel, wie immer angenommen, sondern in Mesnil Val Plage. Die Straße mit den Häusern an der dramatischen Abbruchkante war gesperrt. Zuletzt machten wir noch einen sehr oberflächlichen Abstecher nach Mers-le-Bains, wo für uns der Sonnenuntergang zelebriert wurde.

Dienstag, 20. August 2013

Super Wetter. Am Nachmittag gönnten wir uns eine Strand-Tour nach Quend. Quend war wie damals 1999, nur noch rummeliger. Immerhin konnten wir strandnah in einer Seitenstraße gratis parken. Wir wanderten auf dem nassen Strand (Flut mit hohem Koeffizienten war wieder weg) bis zur Hälfte nach Fort Mahon und ließen uns dort nieder. Als es uns von den üblichen Strand-Anstrengungen reichte (grelle Sonne, Dauerwind, rückenlehnenlose Haltung) nahmen wir für den Rückweg einen Schlenker über Rue, wo wir auch eine günstige Tanke fanden. Rue war städtischer als St-Riquier, aber auf eine unelegante Weise ländlich-verpennt. Ungefähr so wie Elsen, nur anders. Das dortige, voreilig in der erstbesten Boulangerie (es gab noch weitere 5 Läden) gekaufte Croissant-aux-Amandes kam völlig ohne Puderzucker daher.  Abends die üblichen Rundgänge. Man muss als letzte Outdoor-Handlung immer noch einmal kucken, wie der Ort zur Ruhe kommt, wie die Was-Los-izität endet, mit der Vorstellung, der Abend setzt sich ohne Nacht bis zum Morgen fort.

Mittwoch, 21. August 2013

Immer noch super Wetter.  Bereits vormittags kam daher eine Radtour zum Vollzug : Über verträumte, einsame Nebenstrecken, die abwechselnd hügelige Felder und auig-feuchte Tallagen sowie die Dörfer Boismont und Saigneville streiften, erreichten wir das eigentliche Ziel Cahon, wo lt. Tagebuchaufzeichnung von 1999 eine „magische Stelle“ anzutreffen war. Und tatsächlich: Ein kleiner Bach, ein Bahnübergang und eine intakte, arbeitende altertümliche Mühle nebst Speicher boten viel für Herz und Auge. Bei Petit Port an der Somme fanden wir eine Gartenkneipe mit aus Beton gegossene Laubenplätzen : „Boisson, Snack, Glace“. Wir kehrten ein nahmen deux Crêpes sucre, Café Crème und une Coca. Dieses Ensemble wurde herzallerliebst-puppenstubig serviert. Die Rückfahrt durch die glühende Sonne an der Somme nach Valery nahmen wir sehr routiniert.  Am frühen Abend war die Zeit für das Captain’s Dinner gekommen. Nicht das Jehanne d’Arc, sondern die Brasserie hinter der Konzerthalle am Marktplatz sollte es sein. Wir waren so früh, dass wir zunächst nur nach Getränken gefragt wurden. Später begangen wir den Irrtum, Moules a l’Estragon zu bestellen. Es waren reichlich verkoche Moules marinières, über die man eine Zwiebel-Sahnetunke mit wenig Estragongeschmack geklatscht hatte. Das Dinner unfallfrei zu überstehen, war aussichtslos. Schnell wurden wir zur Attraktion innerhalb des Gästekreises. Die Leute konnten sich nicht daran sattsehen, wir wir uns von der Hose bis zum Kragen zusauten, ohne dabei an Souveränität und Würde einzubüßen. Später in der Strandkneipe war noch eine Chansoneuse mit Bass- und Gitarrenbegleitung zu bewundern. Es folgten zwei vollständige Rundgänge rum um die Kirche und an die Somme, um die Wirkung des abnehmenden Vollmondes nicht zu verpassen.

Donnerstag, 22. August 2013 (Muttters Geburtstag – 103)

Das Wetter fing kühl und mit einer Spur von Regen an. Wir machten 2 Rundgänge und stellten beim zweiten fest, dass das Wasser der Somme heute so hoch stieg wie bisher noch nicht gesehen – Koeffizient 106 ! Zuvor hatten wir in der roten Poissonerie (es gibt noch eine blaue) ein Stück Lachsfilet gekauft und dazu als Experiment 250 g Salicorn, welches wie Schachtelhalm aussieht. Nach folgendem spontan überlegtem Rezept wurde daraus das Mittagessen für 2 Personen bereitet:

Auf der Haut gebratenes Lachsfilet mit Basilikumkruste, Salicorn-Gemüse und Pommes-de-Picardie

  • 300 g Lachfilet
  • 260 g Salicorn
  • 6 frische Kartoffeln aus der Picardie
  • Butter, Zitrone, 2 Schalotten, 20%ige Crème entier, 1 Möhre, Knoblauch, Basilikum, geschroteter schwarzer Pfeffer.

Zubereitung

  • Die Kartoffeln als ungesalzene Pellkartoffeln zubereiten
  • Schalotten, Knoblauch und die Möhre kleinschneiden und in Butter andünsten
  • Die Salicorns einmal kurz spülen
  • Den Lachs in zwei Streifen schneiden und milde in der Pfanne anbraten. Würzen mit Salz, Pfeffer und einer aufgetragenen Basilikum-Kruse.
  • Die Salicorns auf den Zwiebel-Möhren-Sud geben und sehr milde weiter braten. Kein Salz – die Salicorns sind von Natur aus salzig. Dabei zum Schluss mit 20%tiger Crème entier (Sahne) ablöschen und etwas einbinden.

Dazu Weißbrot und ein sehr trockener Buzet-Rosé von der Garonne im Südwesten Frankreichs. Als Dessert vielleicht Crême caramel.

Am späteren Nachmittag, so gegen 16.45 Uhr gönnten wir uns eine Auswärts-Tour, bei der wir erst 30 Km mit dem Auto anreisen mussten. Wir radelten unter idealen Bedingungen von Beauchamps auf dem „Chemin vert des Étangs de Bresle“ durch das recht auige Gebiet im Brele-Tal. Teils auf ordentlichen Wegen, teils auf Fußpfaden an der Bahn entlang und teils auf der D49. Die „ancienne“ Papiermühle an zwei Armen des Bresle mit großem Romantik- und Idyllik-Potenzial erwies sich als noch in Betrieb befindliche Industrieanlage der internationalen Firma Smurfit. Ziel war Eu, wo wir erst ca. 18.00 Uhr ankamen. Läden und erst recht die große kathedralartige Kirche Notre Dame Collégiale, in dessen Krypta sich bekanntlich die Grablege-Sarkophage der Ritter von Artois befinden, hatten natürlich schon zu. Wir bummelten einmal die Fußgängerzone rauf und wären gerne am Place Ecke rue Duhornay in die einzige Bar nach unserem Geschmack eingekehrt, aber wir mussten noch zurück, Eu war leider kein Etappenort. Der Rückweg ging gefühlt schneller. Wir hängten noch einen Aufenthalt in Mers-le-Bain dran, mit Sonnenuntergang. Für oben auf der Klippe war es noch zu früh, wie befanden uns am Übergang von der golden zur blue hour. Also wieder runter in die Stadt, wo uns ein paar Fotos misslangen. Der Sonnenuntergang wurde mit einem Fußbad der Mutter auf der weit zurückgezogenen Strand-Wasserkante verbunden. Erst im Stockdunklen kehrten wir heim, nicht ohne Kontrollgang am Somme-Ufer und auf dem Aussichts-Vorsprung hinter der Kirche, der uns immer an Saarburg erinnert.

Freitag, 23. August 2013

Wetter : Warm, diesig. Morgens um 7.00 nach Rundgang über die Bourg Sonnenaufgang über der Somme,  mit annähernd der Lichtstimmung, die bei sowas zu erwarten ist. Einkaufen im Intermarché, u.a. Kaffee und Wein für daheim. Es gelang uns, bei einem Anruf auf Anhieb die Madame dranzubekommen und ihr klarzumachen, dass wir Samstag um 9.00 Uhr abreisen würden, und dass wir die Endreinigung nicht selber erledigen. Wichtigste Tat des Tages. Der Rest war unentschlossenes Rumschleichen durch Valery : Essen gehen oder nicht ? Wir erlebten dabei um 14.50 Uhr die Flut mit dem höchsten Koeffizienten unseres Aufenthaltes: 108 Punkte. Erstmals sahen wir die großen Salzwiesen fast vollkommen überflutet. Zu Abendessen gab es frisch aus der roten Poissonerie besorgte Crevettes rosé (scharf gebraten, die Mutter) und Anchois provençale (für uns). Beim artisanalen Bäcker wurde uns übel genommen, dass wir nur ein halbes Baguett wollten. Morgen gehen wir da nicht mehr hin, sondern zum freundlichen.

Samstag, 24. August 2013 · Rückreise

Beim Einpacken war es noch trocken. Madame war für 9.00 Uhr bestellt, und da wir trotz Klüngeln um halb neun fertig waren, ging die Mutter ein letztes Mal an der S0mme „Kucken“. Madame brachte die 300 Euro zurück, nahm routiniert das mitgebrachte Bier an sich und wir sahen keinen Anlass, das zerdepperte Rotweinglas und den mit dem Hintern durchknackten (morschen) Liegestuhl zu erwähnen. Kurz hinter Crotoy fing es an zu regnen. Der Regen hörte bei Boulogne auf und wir beschlossen, einen Abstecher nach Wissant zu machen. Unnötigerweise nahmen wir vor Aufregung schon die Abfahrt Marquise. In Wissant war alles beim alten, auf jeden Fall ohne große Überraschungen wiederzuerkennen. Direkt am Strandzugang nahmen wir in herrlich verpennter Atmosphäre einen Café, für den sie 3,50 haben wollten. Wo wir schon mal hier waren, lag auch noch ein Abstecher auf das Cap Blanc Nez drin. England-Blick war wegen Nebel nicht möglich. Um 16.00 Uhr trafen wir zu Hause wieder ein.