2013 Oben auf Åls

By 31. März 2013April 29th, 2013unterwegs
Ostern im Schnee
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Ostersonntag, 31.3.2013

Während wir dies zu „Papier bringen“, wie man früher gesagt hätte, herrscht folgende äußere Situation: Sonnenschein, nicht diesig, aber auch nicht übermäßig klar. Plus 4 Grad österliche Nachmittagssonne. Hinter uns ein mitgebrachtes, vorher zuhause gekochtes gulyás – ein Rindfleisch-Eintopf nach Art der Magyaren, bei uns aber mit deutlicher Akzent-Verschiebung in Richtung Tomate. Dazu aus der 1994er ColVoc-CD „de profundis clamavi“ eine der zahllosen Fassungen von „aus tiefer Not schrei ich zu Dir (o Herr)“. Die erste Reihe der Häuser in dieser überwiegend von Deutschen (Anglern) bewohnten Ferienhaus-Enklave südlich von Mommark auf Åls lässt noch genügend Platz für den Blick auf das Wasser und die nördliche Südwest-Küste der 12 Km entfernt liegenden Insel Ærø. Um 7.00 Uhr Sommerzeit bot sich uns das Schauspiel des echten Sonnenaufgangs über dem Meer, ohne dass wir für den Anblick hätten aufstehen müssen. Es reichte, sich im Bett leicht auf die rechte Seite zu drehen.

Am Vormittag hatten wir nach dem Frühstück einen Strand-Spazier-/Erkundungsgang unternommen, von Fynshav Færge zum Taksensand Fyr. Die letzten 10 Meter über einen Steg zur Leuchtturm-Balustrade waren leider gesperrt. Der Weg führte wahlweise auf einem flachen Hochufer durch den Wald oder am Ufersaum entlang über Geröll. 4 Km reichten dann auch. Bei Dagli Brugsen kauften wir z.B. eine Grov Birke für den Nachmittagskaffee. Das (relativ – bezogen auf das bisher in 2013 reale Wetter-Angebot) schöne Wetter ausnutzend, machten wir uns zu Fuß auf den Weg, den Süden von Mommark zu erkunden. Erst auf dem Hochufer, dann durch die Felder von der Küste ab auf der nächstlegenen Landstraße bis zum Hafen Mommark. An der Pølserbude konnten wir uns nicht dazu durchringen, einzukehren, und so ging es am (Geröll-) Strand wieder heim. Insgesamt 9 Km.

Wie war der Anreisetag gestern ? Wir kamen sehr glatt durch. Wetter: leichtes Schneien oder meistens grau und trüb. Keine Staus, kein Verkehr. Auf Rasthof Allertal wählten wir nicht die Raststätte, sondern die Tanke für den Coffee-to-go-Kauf.  Auf Åls erkannten wir nichts wieder. Die Agentur wickelte den Ansturm der Anreisenden routiniert ab. Wir nahmen kurze Zeit später das Haus in Betrieb und fanden wenig bis nichts zu meckern. Es war zwar zu merken, dass das Haus von 2005 ist und nicht von 2012, aber für uns reicht es. Auf den Terrassen vor und hinter dem Haus jeweils ein Weber-Barbecue. Wir werden diesen Luxus nicht nutzen. Der W-Lan-Check sagte: Passwort falsch. Mehrere Abwandlungen brachten ebenfalls kein Ergebnis. Also zurück zur Agentur, wo man uns erklärte : alles in Kleinbuchstaben und anander, nicht wie auf dem Zettel. Aha. Dänische Kohle aus dem Automaten brauchten wir auch noch, und ein solcher sollte sich in Høruphav (gesprochen wie Höppaff) befinden. Auf dem Gelände gab es einen Super-Brugsen, bei dem wir den Antrittseinkauf erledigten, u.a. Tuborg, stærke Skipper Käse, Jordbær-Marmelade, den ægte. Zweite offizielle Amtshandlung war dann der traditionelle Eröffnungs-Strandspaziergang, der uns an Beckerwitz 2012 erinnerte. Lehmiger Abhang mit Gehölz, steiniger Strand, Schneereste. Wir gingen nordwärts bis Mommark Havn, zurück über die  Straße. Später war es uns nicht vergönnt, den vor ein paar Wochen verpassten Wilsberg, der auf ZDF neo wiederholt wurde, zu schauen. Der Satellitentuner hatte diesen Kanal nicht drauf, die dann versuchte langwierige DVB-T-Installation auf der Windows-Bootcamp-Partition gelang zwar, aber der Sender-Scan brachte nur 36 dänische Kanäle zustande, aber keinen deutschen.

Ostermontag, 1. April 2013

Den ganzen Tag hatten wir strahlend blauen Himmel mit für dänische Verhältnisse erträglichen Temperaturen. Osterwetter der Skandinavien-Klasse. Gegen 11.00 Uhr beschlossen wir, uns Kegnæs anzuschauen, d.h. nur die Nordspitze davon mit dem Damm zu Åls. Ein paar Angler, ein paar Autos. Wir versuchten ein paar Meter am Südufer, aber das war exrtrem geröllig, und der Steilhang war zu hoch. Nach einer Runde über das „Fyr“-Gelände, mit dem Leuchtturm von 1845 unternahmen wir einen Strandspaziergang am seichten, hell glitzernden Wasser entlang über den Damm zum Ålser „Festland“, an dessen Ende ein Imbiss lag. Fast wäre einem nach mit-den-Füßen-durchs-Wasser-gehen gewesen, aber dann überwog die Angst vor dem Kälteschock. Der Imbiss hatte nichts zu bieten außer Eis am Stiel, von dem wir uns mehr versprochen hatten. Eines mit dicken belgischen Schokolade-Brocken (waren nicht drin), eines mit Heidelbeer-Füllung (eine rote Spur, die nach nichts schmeckte). Nächste Station: Skovmose, eines unserer Urlaubs-Destinationen von „damals“ (1987?) (allerdings ohne Mythos-Qualität). Das Gelände war riesig und wir gaben schnell auf, das Haus zu finden. Alles sah gleich aus, die Erinnerung war nicht mehr vorhanden und es lohnte sich einfach nicht. Nun lockte Høruphav im Sonnenschein. Bei der Marina fanden wir ein idyllisches Männer-reparieren an-ihren-Booten vor. Die Marina hatte im sonnigen Gegenlicht fast mediterranes Flair. Da war er wieder, der „tiefe, tiefe Süden“. Das Hotel Baltic mache einen zwiespältigen Eindruck: einerseits eine ambitionierten Speisekarte mit Menüpreisen zwischen 198,- und 540,- Kronen, andererseits ein Zeitreise-mäßigen Bauzustand, wie man ihn in Dänemark nicht mehr für möglich hält. Es erinnerte uns an das Hotel Normandy 2009 in Wissant. Nach ein paar Fotos zogen wir wieder ab in Richtung Mommark Hafen, wo nun endlich der Ristet Pølser auf den Tisch bzw. in die Hand kam. Mit gerösteten und mit frischen Zwiebeln (anders als bei IKEA) und umgehend eintretenden Zwiko.

Kurz bevor es dunkel wurde, wanderten wir noch mal zum Hafen, um die Fischkisten im Schein der Laternen zu fotografieren. Die Pølserbude räumte im großen Stil auf.

Osterdienstag, 2. April 2013

Super Wetter, allerdings zu kalt in absoluten Maßstäben. Vormittags hatten wir zu tun – Kundenwünsche. Über Mittag fand die fest eingeplante Erkundungsfahrt nach Sønderborg statt.

Trafostation Tandslet

Trafostation Tandslet

Unterwegs trafen wir auf einen alten, mittlerweile aber nicht mehr „vertrauten“ Gesellen: eine Trafostation im Turm für 15KV-Leitungen. 1987 waren uns noch mehrere Stationen dieses Typs aufgefallen, die wir spontan und by-the-way als „Serie“ fotografiert hatten. Das heute entdeckte Exemplar in Tandslet stellt eine mit Liebe zur Sache und Sorgfalt gebaute Zweckarchitektur dar. Der Turm ist gekrönt von einem Satteldach, welches zwischen überhöhten Giebeln gefasst ist. Zwischen den beiden Giebelwänden, die höher gemauert sind als der Dachansatz erfordert und das Bauwerk so mit etwas Fantasie an spätrömische Tempelhäuschen erinnern lässt, schwebt über dem First eine verbindende Stange wie ein Griff, mit dem man die Station wie eine Outdoor-Schachfigur „anfassen“ und wegstellen möchte. Im Obergeschoss referenzieren vier schlitzartige, symmetrisch geformte vertikale Blendvorsätze in zwei ausdifferenzierten Höhen Andeutungen zur nordischen Backsteingotik. Die Schlitze sind jedoch keine Fenster, sondern nur aufgesetzt. Wir hielten an und machten ein Foto von diesem Kleinod.

Sønderborg vermochte zu enttäuschen. Es war, vor allem in der Fußgängerzone, zwar hinreichend belebt und nicht ganz so runtergekommen ärmlich wie Cuxhaven im November 2012, doch war von Scharmanz wenig zu spüren. Die Flaniermeile am Hafen ließ vor Verschlafenheit /Geschlossenheit nichts von dem ahnen, was man bei Google Streetview zu spüren glaubt – echte Vorsaison. Lust auf Kuchen. Doch in der Fußgängerzone gab es genau ein Bäckergeschäft in einem Supermarktzentrum mit umständlichem Nummern-Zieh-System. Wir verzichteten und erinnerten uns an die Pølserbude unten an der Brücke über den Sund. Nach langem Warten, bis ein paar Kiddies vor uns damit fertig waren, ein zweikugeliges Eis mit Kreditkarte zu bezahlen, eröffnete man uns (aus unerfindlichen bzw. in dänisch vorgebrachten Gründen) Pølser erst in einer halben Stunde. Augenblicklich reisten wir ab, bereits ziemlich groggy. Nächstes Ziel: Augustenborg, ca 8 km westlich. An Augustenborg hatten wir alte Erinnerungen (1987?) und für heute hohe Erwartungen. Wir glaubten uns an einen historischen Speicher in einer Umgebung mit adelshöfischem Flair zu erinnern. Tatsächlich handelte es sich um einen 1960er-Jahre-Speicher in französischen Stil (im Prinzip also gar nicht schlecht) mit einem winzigen Alt-Speicher aus dem 18. oder 19. Jh. auf dem Gelände, aus dem man hätte mehr machen können. Augustenborg-City wirkte vernachlässigt. Bei der Guld-Bageri kauften wir eine Wienerstang (Blätterteig, Pudding, Zucker) und zwei Birkes. Diese leckere Mahlzeit wollten wir im Augustenborger Schlosspark mit sonnigem Blick auf den Sund einnehmen. Doch a) fanden wir den Durchstieg zum Sund nicht, b) entpuppte sich das in den Touristik-Prospekten hoch gepriesene Schloss als mysteriöse Klapsmühle, auf deren Gelände kein Leben auszumachen war. Mit letzter Kraft schleppten wir uns ausgehungert wieder zum Auto und fuhren heim, wo es das Gebäck zu Tee und Kaffee gab.

Ostermittwoch, 3. April 2013

Wetter: relativ super, mehr nicht. In der Ruhe lag die Kraft.

Fotografisch konzentrierten wir uns auf den Speicher der Firma „Ewers Kwalitets-Foder“ in Mommark City.
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Wir hatten uns immer gewundert, warum die Mommarker Straße zum Hafen runter so breit ausgebaut ist. Jetzt lasen wir, dass hier bis vor einiger Zeit die Fähre Mommark–Søby auf Ærø fuhr. Im Hafen hat die Pølserbude angefangen, nach dem Aufräumen im großen Stil zu renovieren. Es bleibt spannend, und wir werden zu gegebener Zeit nachschauen, was aus dem Projekt geworden ist. Einstweilen geht der Verkauf in einer mobilen Kiste weiter. Vor der Verkaufsluke hat man ein paar Holzpaletten gestapelt, damit man bequem bedient werden kann – eine dänisch-schlichte und wirkungsvolle Lösung. Abends lockte die Kombination aus steifem Wind und goldener Sonne zu einer Erkundungsfahrt nach Kegnæs. Leider waren wir mal wieder etwas zu spät und es gab da auch nichts zu sehen. Kegnæs ist damit mythologisch entzaubert.

Osterdonnerstag, 4. April 2013

Wir hatten per E-Mail diverse Empfänger darüber in Kenntnis gesetzt, dass heute ein idealer Tag für einen Ristet Pølser ist und fanden im Netz eine Bude in Fynshav. Aber so musste es ja kommen: Optik, Haptik, Geschmack und Preis entsprachen überhaupt nicht den Erwartungen. Der zuvor ermittelte Online-Preis von 24 Kronen wurde überschattet vom Ladenpreis mit 26 Kronen. Unser wirklich letzter Pølser auf absehbare Zeit*. Das Foto wurde wieder gelöscht. Wir besuchten noch das Verkaufsbüro der Bøjden-Færge und lernten, dass die Linie nach Ærø erst ab nächster Woche wieder fährt, wenn überhaupt. Dann noch schnell nach Guderup, um die Kirche von 1628 wiederzusehen. Drinnen probte der Chor, und wir mussten draußen im eiskalten Wind bleiben.

*nicht betroffen sind die IKEA-Pølser.

Weißenfreitag, 5. April 2013

Wetter bis zum Nachmittag nicht mehr ganz so super, recht frischlich und bedeckt. Die zunächst geplante Fahrt nach Flensburg hatten wir wieder gekenzelt, weil dort derweil ein ernstzunehmender Rummel stattfand. Zudem ist für solchartige Besuche zwingend sonniges Wetter bzw. Licht nötig. Erst am Nachmittag konnten wir uns zu einer Wanderung entschließen. Durch die teils schneebedeckten, teils schlammigen Felder (Wege im gewohnten Sinn sind das nicht) nordwärts und kurz vor Blomeskobbel am Geröllufer wieder Richtung Mommark zurück. Da man sich nur auf das Füße-voreinander-Setzen konzentrieren kann und schon für einen Blick zur Seite anhalten muss, haben solche Wanderungen ab einer gewissen Länge durchaus etwas meditatives an sich.

Weißensamstag, 6. April 2013

Gerne wären wir noch länger geblieben. Der Blick auf das Meer vor unserer Tür ist einfach unersetzlich. Leider haben wir eine dumme, nach hinten losgehende Bemerkung in das ausliegende Gästebuch geschrieben: „War ok.“ Und das war unfair gegenüber allen, die sich in echter Freude über ihren Urlaub in dem schönen Haus äußern. Sorry for that.

Bei strahlend blauem Himmel und pünktlich um 9.00 verließen wir das Gelände, um dem Schlüssel in Skovby abzugeben und bei Super-Brugsen in Høruphav letzte Dinge einzukaufen.

Zwischenstop und touristisches Highlight war unser überhaupt allererster Besuch der Stadt Schleswig. Wir drehten eine Runde durch den Dom mit dem Bordesholmer Altar und spendeten 20 Kronen. Danach ein Gang zum Alten Hafen / Marina, wo wir einen Coffee-to-go einnahmen und das frühlingshafte Flair genießen konnten. Am revitalisierten Schlei-Ufer zeigt Schleswig seine Stärken. Für Schloss Gottorf und Abstecher nach Eckernförde und Kappeln setzten wir einen „nächstes Mal“-Merker auf die touristische Prioritätenliste.