Die Planung
Die Messdiener machen ihren ersten mehrtägigen Ausflug durch West ! deutschland mit gleich 2 Übernachtungen. Dabei nehmen D. und O. ein Doppelzimmer. K. ist pingelig und besteht auf einem Einzelzimmer.
Zeit und Ort:
Do. 19. Mai bis Sa. 21. Mai 2011 – Aachen und Trier
Aufgabenverteilung:
Messdiener O: stellt das Fahrzeug zur Verfügung
Messdiener K: Bucht die Unterkünfte in Pfarrsälen, kirchlichen Heimen und auf Campingplätzen, soweit möglich. Zur Not ausweichen in Hotels. Sorgt für den Proviantanteil, der nicht in der Gastronomie verzehrt wird, sondern unterwegs: Brötchen, kalte Kottletts, hartgekochte Eier, Thüringer Würstchen, Kitkat Chunky, etc.
Messdiener D: Arbeitet das touristische Rahmenprogramm aus: Abstecher, Picknickplätze, Muséen, Burgen, gotische und romanische Dome, Orte von historischer Tragweite.
Trier: hotel-aulmann.de
Die Realität
Messdienerausflug 19. bis 21. Juni 2011 nach Aachen und Trier. Reisefahrzeug: Der Peugeot 308 des Messdieners O. Alle Bewertungszahlen in klassischen Schulnoten.
Der Messdienerausflug 2011 ging diesmal planmäßig über die Bühne. Da unsere Erwartung gar nicht erst hochgeschraubt wurden, war auch die Enttäuschung nicht so groß. Der Reihe nach.
Messdiener K. war für das Catering auf der Hin- und Weiterreise zuständig. Die groß angekündigten kalten Kottletts hatte er zwar gekauft, aber in der Hektik zu Hause im Kühlschrank vergessen. Aber es gab für jeden noch drei Brötchen und zwei hart gekochte Eier. Genau genommen 5 Eiher für drei Leute. Frage: Wie wurden die aufgeteilt ? Doch dazu später.
Hinfahrt
Der erste Teil der Strecke verlief nahezu schweigend und ereignislos. Einzige Unterhaltung war das auf reine Anzeige der aktuellen Position beschränkte eingebaute Navi des Reisefahrzeugs. Die Landkarte darauf ist nicht genordet und dreht sich bei jeder Kurve mit, zeigt also immer geradeaus. Wie man ein Ziel eingibt, das zu finden es anweist, bleibt ein Geheimnis. Aber als Spielerei gefällt es dem Besitzer, der auch bei Fahrten zu Netto um die Ecke nicht darauf verzichtet. Knapp nach dem Passieren der Autobahn-Rheinbrücke bei Leverkusen galt es, den Rastplatz für das Frühstück anzusteuern: Das kiesige Rheinufer bei Köln-Mechernich, gegenüber von Chemie-Industrieanlagen die zu Bayer oder Lanxxess gehören könnten. Auf der Rückbank schaltete dann jemand die zuverlässig funktionierende Navigon-Software auf dem iPhone an und schon waren wir vor Ort, das heißt, die Strecke vom Hochwasserdeich durch ein Grüngebiet bis zum „Strand“, ca. 500 Meter, mussten noch zu Fuß zurückgelegt werden.
Der Strand war noch öder als vermutet. Kein Schatten, keine Sitzbank, kein lauschiges Eckchen. Gelassen nahmen die Messdiener den Totalausfall der kalten Kottletts hin, da sie von insgesamt 9 Brötchen und 3 Eiern fürs erste satt genug waren.
Erste Runde: Jeder ein Ei. Zweite Runde: Messdiener O. fraß sein ihm zustehendes Ei sofort. Das zweite und letzte Ei der zweiten Runde wurde geshiftet, das heißt zurückgelegt für die Weiterreise am zweiten Tag. Gurken und Tomaten nach Belieben.
Bewertung des Frühstückserlebnisses: 4. Es konnte, den Umständen entsprechend und unter Ausschluss von Notlagen, Katastrophen und Desastern nur noch besser werden. Auf dem Rückweg zum Auto verzögerte der Messdiener K. merklich, um D. und O. einen Vorsprung einnehmen zu lassen. Er machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Plätzchen im Ufergebüsch, ohne den anderen gegenüber später deutlich werden zu lassen, um was es genau ging. Auch an dieser Stelle sei nur verraten, dass noch vor Beginn der geplanten Verrichtungen eine unvermutete Radfahrerin die Szene empfindlich störte.
Kornelimünster war als Zwischenstopp vereinbart und wurde, unter ungewöhnlich heftiger Zeitverplemperung auf unbekannten Gemeindestraßen dann irgendwann erreicht. Im Verhältnis zur Bedeutung dieses Klosterortes mit mustergültiger Pittoreske und den hohen Erwartungen war dort relativ nix los. Keine tollen Kneipen, keine brodelnden Cafés, allein die Abteikirche rief als Pflichtprogramm zum Besuch. Nach einem sehr kleinen Abstecher an die Peripherie des Zentrums – ca. 100 Meter – fuhren wir weiter nach Aachen, wo wir von Südosten (Aachen Brand) reinkamen. Dort befielen uns Erinnerungen an frühere Durchreisen zu D-Mark-Zeiten, wo man noch mal vor der Grenze (warum eigentlich?) von der Autobahn runterfuhr um gleich unten bei Shell zu tanken. Shell war dort immer noch mit 2 Stationen vertreten. Der vorgezeichnete Weg zum Hotel führte uns zwar nicht durch die Fußgängerzone, aber doch sehr dicht durch die City. Wir sammelten noch im Auto erste Eindrücke über die Gebiete, die wir später zu Fuß erkunden wollten.
Hotel Lousberg in Aachen
Das Einchecken beim „dicken Belgier“ verlief problemlos, nur das Einparken in der Garage war sehr knifflig für den Messdiener O., weil sich die Garage als extrem eng erwies. Nur mit Einweisungshilfe der Messdiener K. und D. war es überhaupt möglich, das Fahrzeug ohne Schrammen hineinzubekommen. Kurze Zeit später waren wir schon auf einer ersten Erkundungsrunde unterwegs. Das Hotel Lousberg am nördlichen Innenring (Saarstraße) lag günstig am Uni- und Kneipenviertel. Die Zimmer Note 3- bis 4+, mehr nicht. Von dort nahtloser Durchstich zu den touristischen Highlights Dom und Rathaus. Wir drehten mehrere Runden durch die City und landeten schließlich in einer lauschigen Straßenkneipe am sog. „Hof“. Es herrschte entspanntes Flair, kein Autoverkehr, Touristen verziehen Touristen, dass sie als Touristen zu erkennen waren. Wir nahmen ein bis 3 Bier und starrten zurück. Im Nachhinein betrachtet vielleicht der schönste Moment des Ausflugs: Note 2.
Weitere Anlaufstellen an diesem Nachmittag/Abend:
- Kaffeekauf bei der Rösterei Plums
- Dombesichtigung (Messdiener D. kaufte eine Fotoerlaubnis)
- Besichtigung von St. Foillan gegenüber
- Abdriften in die B- und C-Lagen der Fußgängerzone, bis es schon pisseckig wurde
- Eis beim Elisenbrunnen
- Besteigen des Salvatorberges, um die Nicht-Phänomenalität des mangelnden Panoramaausblicks zu erkennen. Oben Einkehr in der entsprechenden Kirche
- Besichtigung des Gratis-Teils im Rathaus
- Captain’s Dinner am „Hof“ – schon vergessen, welchen Fraß es gab. Vermutlich Note 3 bis 4
- Einkehr in der Albrecht Dürer Stube (3 Kölsch)
- Einkehr in einer Kneipe am Hirschgraben. Da war es schon kalt und dunkel, und die Stimmung sank ab. Kerle kuckten Fußball, Frauen fühlten sich vernachlässigt und vertrieben.
Während des ganzen Tagesmarsches hatte der Messdiener K. leider seine ohnehin mickrige Kamera im Zimmer liegen lassen, und musste Vorlieb nehmen mit einer abgelegten Gurke aus alten Zeiten, die der in Kommunikationstechnik sehr anspruchslose (um nicht Muffel zu sagen) Messdiener O. mit sich führte und generöserweise überließ.
Zweiter Tag
Das Frühstück kam unerwartet angenehm. Der Frühstücksraum lag mit Ausblick auf den geschäftigen Durchgangsverkehr an der Ludwigsallee/Saarstraße. Das Wetter war freundlich und das Angebot des Büffets für die Preisklasse des Hotels überdurchschnittlich. Nach dem Auschecken und Ausfädeln des Autos aus der engen Garage verließen wir die Stadt in südlicher Richtung, um bei Eynatten auf den belgischen Reiseabschnitt zu gelangen.
Leider hat der Messdiener K. die nervige Angewohnheit, seine Mitreisenden in spleenige Abenteuer der zeitraubenden und nutzlosen Art hineinzuziehen. Heute stand der Besuch eines belgischen Supermarktes auf der Agenda, um sich den belgischen Mythen und Verlockungen hinzugeben: De Koninck-Bier, Côte d’Or-Schokolade, (nein, kein Käse wg. fehlender Kühlmöglichkeiten), echtes Sambal Oelek, Calvé Pindakaas, Douwe Egberts Koffie. Den Supermarkt in Eynatten fanden wir nicht. Statt dessen verfuhren wir uns und mussten zurück. In Eupen endlich gab es immerhin einen Wochenmarkt, wo wir Brot und dicke (teure) Käsescheiben für das bevorstehende Picknick kauften. Damit war der Supermarkt noch nicht erledigt. Eine Shopping Mall, in der wir ihn vermuteten, erwies sich als eine von Leerstand geplagte Geisterbahn. Erst hinter Malmedy fanden wir einen Supermarkt, allerdings einen von der merkwürdig/befremdenden Art, kein DelHaize. Bier gab es nur in ganzen Kästen, keine Einzelflaschen. Sambal nicht von Bamboo Garden, sondern in Plastikflaschen (mitlerweile unverzehrt entsorgt, so scheußlich). Das gesamte Warenangebot war zwischen dunklen Gängen in Hochregalen ohne jede Systematik verstaut. Wir verplemperten Stunden. Douwe Egberts nicht im Angebot. Pindakaas nicht zu finden. An den Kassen kein Förderband, sondern Kerle packten die Waren vom Wagen in einen anderen Wagen und scannten die Preise dabei. Nix wie weg.
Nächste Station war ein Zwischenhalt mit Wanderung auf dem höchsten Punkt des hohen Venns, eine einsame Wald- und Heidelandschaft mit vielen Brandzerstörungen. Auf Luxemburgischem Gebiet tankte der Messdiener O. für 1,14 pro Liter, ein Preis der ihm auch nach dem Maßstäben von 2011 bereits vor Rührung die Tränen in die Augen trieb. Nun wurde die Strecke wildromantisch, es ging durch das Tal der/des Our, ein hierzulande völlig unbekannte Grenzfluss zwischen Luxemburg und der Eifel. An einem kleinen Stausee, der wegen der 2011er Sommerdürre fast ausgetrocknet war, verpicknickten wir den Eupener Käse und das letzte der 5 Eier. Bei Vianden gab es ein Fotomotiv, nämlich eine Ritterburg auf einem Bergsporn hoch über der Schlucht. Die Wartburg der Eifel in etwa. Im Tal der Sauer dann konnten wir den Verlockungen einer von Bockfahrern umlagerten Pommesbude nicht widerstehen. Gerade Bockfahrer galten für uns als sichere Indikatoren für die hohe Qualität des Angebots. Denn Bockfahrer sind eine verschworene Gemeinschaft, in der echte Werte zählen, in deren Zentrum sich u.a. Pommes befinden. Gut, dass wir nur eine Schachtel gekauft hatten und nicht drei.
Jetzt sank aus unerfindlichen Gründen die Stimmung wieder, was sich darin bemerkbar machte, dass die Messdiener O. und D. es plötzlich eilig hatten, das gemütliche Tal der Sauer verlassen wollten und zügig Trier anstrebten über die Kraftfahr-Höhenstraße. Für die Ziel-Anfahrt in der Trierer City kam wieder das bewährte iPhone-Navi von der Rückbank zum Einsatz. Rückbank? Richtig. Eine ungeschriebene Regel besagt, dass, wenn drei Kerle im Auto sitzen, der Doofe immer hinten sitzt.