Bei der Post

By 7. April 2018September 15th, 2018Beobachtungen am Point of Sale

Neulich war ich bei der Post*.

*Hier ist schon mal eine Begriffsdefinition fällig. Die „Post“-Filiale von früher gibt es schon lange nicht mehr. Post-Dienstleistungen werden in sogenannten Postbank-Finanzzentren angeboten. Das, war wir für die Post halten, ist dort Untermieter oder wird nur geduldet oder vorgetäuscht, wer weiß das schon. Und auch die Postbank, die sich in ihren eigenen „Finanzzentren“ auffällig zurückhält, trägt die Vorsilbe „Post“ nur noch als Marketing-Gag im Namen, sie gehört vermutlich der Deutschen Bank. Wie lange wohl noch …

Die Nachfolgenden Beobachtungen schreiben wir nun den Einfachheit wegen in der ersten Person singular, abweichend von unserer üblichen Praxis der ersten Person plural. Also:

Ich gehe gerne zur Post, weil man dort immer Merkwürdiges beobachten kann. Vor mir war ein Kerl an der Reihe mit den äußerlichen Merkmalen: Halbkurze Hose, großer Travel-Rucksack, Matte, Kappe, ca. 35 Jahre alt, drahtig, gebräunt, zielsicher, Typ gewiefter Weltenbummler. Er kaufte einen Versandkarton, packte ihn (mit was, konnte ich nicht sehen. Vielleicht wollte er seine dreckigen Klamotten zum Waschen zu Mutter nach Hause schicken. Er überließ dem Verkäufer (früher hätte man „Postbeamter“ gesagt) hinter der Theke das Vorbereiten für den Versand – Zusammenfalten, Klebeband, Versand-Label drauf. Nun hätte der Akt zu Ende sein können.

Der „Beamte“ spulte sein vorgeschriebenes und auswendig gelerntes, seelenloses wie zumeist vergebliches Standard-Verkaufsprogramm ab: „Haben Sie schon ein Postbank-Konto?“ Der Kunde kuckte entsetzt und gab zu verstehen, dass er kein Postbank-Konto benötigt. Der „Beamte“, Typ Waschlappen – und Paderborner Postkunden wissen, von wem ich hier spreche – war noch nicht fertig. „Möchten Sie den Stromanbieter wechseln?“ Der Weltenbummler verkniff es sich sichtlich, in die Kante des Tresens zu beißen. Fremdschämend verließ ich schnell das Postbank-Finanzzentrum und bekam nicht mehr mit, ob dem Kerl versuchsweise auch ein Handy-Vertrag, ein Dauer-Los von Faber oder ein Bausparvertrag angedreht wurde.