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	<title>Messdienerausflug</title>
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	<description>Gebloggte Wahrheiten vom Messdiener K.</description>
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		<title>2011 – zwischen Hoek van Holland und Delft</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 19:04:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Noltenhans</dc:creator>
				<category><![CDATA[Urlaubsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Hohe Erwartungen an einen „Holland“-Kurzurlaub Freitag, 28. Oktober 2011 Für den Aufenthalt in Holland (ab drei Übernachtungen zählt er für uns nicht mehr zu der Kategorie „Tour“, sondern gilt als regulärer Urlaub) hatten wir diesmal keine Ferienhaus gewählt, sondern ein Hotel. Da bietet sich zunächst ein kleiner Exkurs über unsere globale Einschätzung der niederländischen Hotelszene...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hohe Erwartungen an einen „Holland“-Kurzurlaub</p>
<p><strong>Freitag, 28. Oktober 2011</strong><span id="more-339"></span></p>
<p>Für den Aufenthalt in Holland (ab drei Übernachtungen zählt er für uns nicht mehr zu der Kategorie „Tour“, sondern gilt als regulärer Urlaub) hatten wir diesmal keine Ferienhaus gewählt, sondern ein Hotel. Da bietet sich zunächst ein kleiner Exkurs über unsere globale Einschätzung der niederländischen Hotelszene an: Es gibt in den Niederlanden relativ weniger Hotels als z.B. in Deutschland. Vermutlich, weil hier keiner darauf angewiesen ist, im Hotel zu übernachten, sondern abends wieder nach Hause fahren kann, denn soweit ist es ja nicht. Die wenigen Hotels gehören entweder zu großen Ketten, sind in den 1970ern oder -80ern erbaut und liegen verkehrsgünstig an Autobahnkreuzungen und vorstädtischen Schnellstraßen oder, wenn sie in den Städten angesiedelt sind, handelt es sich um familiengeführte Geisterbahnen und Gruselkammern mit Klo auf dem Gang, dann gerne mit Teppich verkleidet. Nun hatten wir uns auf der Suche nach alten selbsterlebten Mythen in dem Dreieck Den Haag, Rotterdam und Delft an Monster erinnert, ein kleiner Küstenort an der Nordsee unweit von Hoek van Holland. Da waren wir in den 1970ern mit Frans&#8217; gelbem Ford Escort auf dem Strand rumgebrettert, weil es erlaubt war und manchen, wenn auch nicht allen Teilnehmern, „Laune machte“. Durch Zufall kam bei der Recherche das Hotel <a href="http://www.elzenduin.com/" target="_blank">Elzenduin</a> auf den Schirm, das sofort unsere erhöhte Aufmerksamkeit erfuhr. Cool, wie wir es lieben, mit ästhetischem Anspruch, nicht luxuriös teuer, sondern bezahlbar. Immer wieder verschoben, war es nun für den 28. &#8211; 31. Oktober 2011 fest eingeplant. So konnten wir sogar zu Allerheiligen wieder zurück sein.</p>
<p>Die Hinfahrt verlief nahezu glatt. Bei Bodegraven/Waddinxveen, wo die Navigon Software uns erwartungsgemäß Richtung Den Haag weiterschicken wollte, konnten wir nicht anders und sind, wie „hunderte“ Male seinerzeit, von der A12 auf die A50 Richtung Rotterdam abgebogen, um diese alte Gefühl wieder zu erleben. Natürlich war nichts mehr, wie es war. Die stille Landschaft war zu einer Hochhauswüste geworden und der damals plötzliche Land-Stadt-Übergang war einem Eindruck von endloser Agglomeration gewichen. Mutete Holland schon immer amerikanisch an, so tut es das heute mehr denn je. Der nördliche Autobahnring um Rotterdam mit dem Abzweig nach Den Haag/Amsterdam war total verstopft und wir standen in sehr zähflüssigen Stop und Go bis kurz vor Hoek van Holland. Als wir uns Monster näherten, beschlichen uns Zweifel. Was sollten wir in dieser gottverlassenen Gegend drei Tage machen?</p>
<p>Erst mal zum Hotel. Den hohen Erwartungen wird es in keiner Weise gerecht. Oder hatten wir das letztendlich nicht sogar irgendwie geahnt ? Die sehr ästhetisch mit Flash gebauten Internetseiten zeichnen ein Bild, das geschickt Negatives und Ungelungenes ausklammert. Im Prinzip lebt dieses Hotel von seinem Designer-Restaurant-Bereich. Das Essen wird wohl nicht schlecht sein, aber wir haben es nicht probiert und nicht erlebt. Nirgendwo hängen Speisekarten, man sieht keine Preise. Wir vermuten aber, dass es sich um feinsinnig drappierte Nichtigkeiten auf dem Teller ab 40,00 € aufwärts handelt. Die Angebote zum Frühstück (für 17,00 €) sind so künstlerisch inszeniert, dass es in Albernheit überschwappt. Bei der Recherche hätten wir hellhörig werden sollen, als wir die Bemerkung lasen, dass einige, aber nicht alle Zimmer Dünenblick hätten. Nun, daraus schlossen wir, dass die Zimmer ohne Dünenblick, hat Meerblick haben. Doch wohl nur die Junior-, die Senatoren- und die Präsidentensuite in der Loft-Etage könnten Meerblick haben. Wir schauten jedoch von unserem Eck-Zimmer in der ersten Etage auf die Lagerhalle der KNRM (Koninglijk Nederlandse Redning Maatschappij). Das Zimmer ist ein langer Schlauch mit niedriger Deckenhöhe, einem normalen Fenster, das nicht bis zum Boden geht, keinem Balkon und mausgrau gestrichenen Wänden. Dem Design-Konzept geschuldet, gibt es weder Bilder an den Wänden noch einen Haken im Bad, keine Fußmatte trotzt dem Sand. Am Schreibtisch fehlt eine Lampe wie ein Abfallkorb, und der Fernseher zeigt 22 niederländische Albern-Programme, darunter alle 7 Varianten von RTL. Selbst eine Klobürste ist ihnen zu spießig, aber wir wissen uns zu helfen. Sollten (theoretisch) „Streifen“ im Klo entstehen, so schütten wir mit dem Zahnputz-Becher so lange heißes Wasser nach, bis sich die Streifen auflösen. Geht auch.</p>
<p>Nach der ersten Inspektion schauten wir zunächst am Strand nach und wählten die Marschrichtung Norden. Es handelt sich um einen normalen Nordseestrand ohne besondere Merkmale. Die Mutter war jedoch verwöhnt vom bretonischen Strand im August und geizte mit Lob, um es positiv auszudrücken. Nach einem Kilometer bogen wir wieder ab Richtung Monster und erkundeten den Ort. Monster erwies sich als erschreckend langweilig und nichtssagend. Kein Restaurant, keine einzige Einkehrmöglichkeit. Selbst die Kirche mit dem Turm aus dem 15. Jahrhundert gehörte heute zur „hervormerde Kerk“. Irgendwann zogen wir die Reißleine und starteten durch nach Hoek van Holland. Und das war genau richtig. Der Ort liegt am Nieuwe Waterweg und ist Abfahrtshafen der Schiffs- und Fährlinie nach Harwich/England, hier sagt man Engeland. Nach kurzer Orientierung gerieten wir in die Kneipe namens Torpedo-Loods, die wir sofort als einkehrenswert einstuften. In einem vorgebauten Rondell war in Nachbarschaft von drei durchreisenden Tommies ein Tisch für uns frei. Wir bestellten „Kippeling“ und „Fish and Chips“, beides für jeweils 17,00 €. Ungewöhnlich war die Art der Anrichtung: Auf einer schmalen Schale, nicht etwa auf einem Teller. Fleisch bzw. Fisch bzw. Fritten lagen auf einer dunkelblauen Serviette, und man säbelte mit dem Messer auf der Serviette herum, bis sich Fleisch, Soße und Servietten-Fetzen zu einem „Frikandel-Speciaal“ verwandelten . Uns machte es aber nichts aus, denn der Blick aus dem Fenster entschädigte für alles. Man saß fast direkt am Maas-Ufer, mit Blick auf die gewaltigen Hafenanlagen des Europoort Rotterdam, illuminiert von einer herbstlichen Sonnenuntergangs-Szenerie. Vermutlich war das der schönste Moment des Urlaubs. Gegen 20.30 Uhr wieder im Hotel, waren wir so groggy, dass nichts mehr ging und selbst Lesen im Bett ausfiel. Eine starke Bewährungsprobe stellte dann das Bett, welches zu weich und nur mit einer einzigen riesigen Bettdecke ausgestattet war und damit keine Entspannung erlaubte.</p>
<p><strong>Samstag, 29. Oktober 2011</strong></p>
<p>Der Delft-Tag. Navigon ging erst nicht, weil die Wolkendecke zu dick war. Von hier aus gesehen ist Delft eher ein Vorort von Den Haag. Wir waren Delft-mäßig stark vorbelastet, weil unser letzter Besuch hier, im November 1979, dem Besuch einer Totenstadt glich. Neblig bis zum totalen Sichtverlust mit absoluter Menschenleere, das alles an einem Samstag-Vormittag. Nun war wieder Samstag-Vormittag, und der Funktionsausfall der Navigon-Software bzw. eher der GPS-Antenne sprechen für sich. Im Umfeld der Delfter City wurde städtebaulich grade ziemlich geholzt mit verwüstetem Anblick und Umleitungen der Durchgangsstraßen. Wir parkten hinter der TU in einer stillen Wohnstraße, aber für einen Haufen Geld. Von da aus war der Gang in die Stadt nicht gerade ermutigend. Grau in Grau, morbide, depressiv, mitten durch stadtentwicklungsfragwürdige Abschnitte. Noch auf dem großen Marktplatz zwischen Rathaus und Kirche fragten wir uns die stets in solchen Situationen aufkommende Frage: „Wer kam auf die Idee?“ Nun wollten wir es die Lethargie überwinden, es aktiv angehen, uns sahen Leute auf dem Kirchturm. Da wollten wir auch rauf. 3,50 Eintritt, aber nun gut. Selten haben wir ein so enges und trotzdem übervölkertes Spindeltreppengehäuse live erlebt. Nichts für Phobiker aller Art. Auf drei Levels konnte man nach draußen treten und hätte keine Probleme gehabt, sich auf den Marktplatz zu stürzen. Während unseres Besuchs tat das jedoch keiner. Der Ausblick hätte wegen der enormen Höhe (ca 80 m) phänomenal sein können, aber das Wetter ließ den Blick kaum über den Rand der Innenstadt zu. Selbst die Hochhäuser von Den Haag waren kaum zu ahnen, von Rotterdam nichts zu sehen, auch die Nordsee gab es nicht. Wieder unten, kauften wir eine ziemlich verzimtete Appelflappe, die die Mutter fast im Alleingang fraß. Lediglich die Ränder waren allgemein genießbar. Dann war der Knoten geplatzt und es ging Schlag auf Schlag. Ein Besuch im Jan Vermeer Centrum brachte die an Gewissheit grenzende Vermutung, dass der Maler der Stadt kein einziges Bild hinterlassen hat, sondern seine Werke in die ganze Welt verstreut sind, allen voran das Mädchen mit dem Perlenohrring, ein wahrer Marketing-Star. Wir sparten uns die 7 € Eintritt, nahmen ein paar Prospekte mit durchstreiften kreuz und quer die Delfter Altstadt. In einem Trödelladen kauften wir 3 gebrauchte Weingläser. Zur Einkehr hätten am ehesten die kleinen Kneipen an den Grachten gelockt, aber da waren wir mal wieder schneller dran vorbei, als sich der Wunsch konkretisieren konnte. Letztes Ziel war der Botanische Garten der TU Delft, etwas außerhalb der City gelegen und nur 2 € Eintritt teuer, allerdings auch nicht viel mehr wert. Ein paar alte Bäume, viel Unkraut und ein winziges tropisch feucht warmes Gewächshaus. Auf dem Rückweg nach Monster verschluckte sich die Navigon Software und wir drehten eine Runde zuviel im Autobahn-Verhau zwischen Delft und Den Haag. Zu Hause im Hotel geruhten wir etwas und brachen dann auf zu einem einstündigen Strand-Spaziergang, diesmal nach Süden. Ein Strandspaziergang von 1,5 Km reine Strandstrecke empfindet man immer schon als große Entfernung, bei der man sich nicht vorstellen kann, dass man es selbst ist, der solche Leistungen vollbringt. Am Rande der Gewächshaus-Welt und Monster-City ignorierend, brachen wir ohne weiteren Zimmer-Aufenthalt sofort mit dem Auto auf nach Hoek van Holland. Am Nieuwe Waterweg entlang gelangten wir, erst bei Dämmerung, zum Schluss bei vollkommener Dunkelheit, über Hoek-Strand wieder nach Hoek City. Am Ufer entdeckten wir noch mehrere Einkehrmöglichkeiten, die sich alle als große Frittier-Stationen für Frittierbares aller Art erwiesen. Ganz Hoek van Holland war eine einzige Frittenfett-Wolke, und wir mittendrin. Niemand hatte Lust, sich da schon wieder reinzustürzen, und so sahen wir zu, dass wir etwa gegen 20.00 Uhr wieder im Hause waren, um auf dem Zimmer gemütlich das Dinner einzunehmen, denn das minimalistische Restaurant im Elzenduin kam nicht in Frage. Wir bereiteten folgende Mahlzeit zu: Rotweinschorle, 2 Flaschen 0,3 l Grolsch, 4 Schnitten Weißbrot mit Erdnussbutter und altem Käse, 1 Apfel, gesalzene Erdnüsse. Das war schon was.</p>
<p><strong>Sonntag, 30. Oktober 2011</strong></p>
<p>Die Mutter startete mit einem Solo-Strandspaziergang in den Tag, noch vor dem Frühstück. In der Nacht hatte die Zeitverschiebung von Sommer auf Winter stattgefunden. Obwohl wir uns speziell für Frühaufsteher halten, gelang es uns nicht, vor dem Schwung den Frühstückraum zu besetzen. Andere waren noch schneller. Dafür blieben wir besonders lange und machten sogar ein paar unerlaubte Fotos. Tagesmotto war die Fahrt nach Rotterdam. Mit der Bahn von Hoek van Holland Strand per Dag-Retour-Ticket, das wäre entspanntes Reisen, vielleicht sogar mit einem Pilsje in der Stadt. Erst fanden wir keinen Parkplatz, weil die 2 KM von Hoek Strand bis Hoek City ein riesiger Flohmarkt mit sehr großem Auftrieb stattfand. Wir wichen aus und wählten als Abfahrtsbahnhof den mit dem Schiffsanschluss nach Harwich aus. Dort scheiterten wir letztendlich an den Ticket-Automaten bzw. daran, dass Tickets nur mit Münzen oder einer albernen Chipkarte bezahlt werden konnten. 20 Euro in Münzen, wer hat die schon parat? Und Schwarzfahren, zu denen, die sich das trauen, gehören wir nicht. Also verzichten oder mit dem Auto. Wir erreichten Rotterdam ohne Zwischenfälle und parkten vorsichtshalber reichlich außerhalb etwa 1 KM nördlich des Hauptbahnhofs. Im Verlauf der Wanderung durch die Stadt bis zum Museum Bojmans van Beuningen wimmelte es natürlich vor freien Parkplätzen. Seit den 1970er Jahren hat sich Rotterdam einiges weiterentwickelt. Die alten stadtnahen, historischen Häfen waren zwar damals schon außer Betrieb, allerdings noch dem allgemeinen Verall und Stillstand ausgesetzt, während sie heute durchweg historisiert und kulturell-touristisch hergerichtet sind. Vor allem aber die ausufernde Hochhaus-Kulisse zwischen Maasufer und Bahnhof prägt den Eindruck der erneuerten Stadt. Im Museum Bojmans van Beuningen war normaler Andrang, die Sonderausstellungen nichts Besonderes, und zunächst widmeten wir uns der ständigen Sammlung. Unser Lieblings-Stilleben von C.F. ??? war nicht verschwunden, sondern vermochte durch stilles da-hängen zu erfreuen. Die Runde war recht groß und dauerte, daher zögerten wir zunächst, uns auch dem neuen Gebäude-Teil (jedes große Museum, das auf sich hält, hat einen neuen Erweiterungsbau) zu widmen, wo die aktuellen Sonderausstellungen laufen. Die riesige Fläche war durch entsprechend riesige Installationen ausgefüllt, z.B. Videos, die mit ebenso riesigen Beamern kinogroß auf frei im Raum stehende Wände gebeamert wurden. Irgendwann reichte es, und wir wählten von den zwei vorhandenen Restaurationen die mit der Bezeichnung Espresso-Bar für ein kurzes Abhängen aus. Die Mutter stellte sich dankbarerweise in die lange Schlange und bestellte in perfektem Niederländisch „twee Kopjes Koffie a.u.b.!“ Noch zu erwähnen wäre jetzt die Garderobe, die per Selbstbedienung funktionierte und noch nicht mal etwas kostete: An einem Seil ließ man einen Kleiderbügel herunter, hängte den Mantel auf, zog mit dem Seil den Mantel in die Höhe, hängte einen Knoten in einen Haken und schloss diesen Haken dann mit einem nummerierten Schlüssel ab. Die Schließfähcher bestanden aus abschließbaren Drahtkörben, wenn auch in klassischer Schließfach-Anordnung an der Wand aufgebaut. Von Bojmans führt ein Weg durch den Park zu dem anscheinend neuen Museum Kunsthal Rotterdam, von dem wir bis dato noch nichts gehört hatten. Schien sehr interessant, aber ein Museum pro Tag reicht erstmal. Das Ziel hieß Maas-Ufer und Entern der Erasmus-Brücke. Das trübe Wetter hatte sich noch weiter eingetrübt und Fotografieren machte überhaupt keinen Spaß.</p>
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		<title>2011 – Kieler Förde</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Jun 2011 08:42:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Urlaubsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[3 Tage vor der Kieler Woche Mittwoch, 15. Juni 2011 Wir trafen um 13.00 Uhr in Heikendorf ein und hatten noch eine Stunde bis zur vereinbarten Wohnungsübernahme mit dem Eigentümer*, mit dem wir um 14.00 Uhr verabredet waren. Von außen nahmen wir die Bude in Augenschein und fanden sie so, wie beschrieben. Die Stunde nutzten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>3 Tage vor der Kieler Woche</h5>
<p><span id="more-297"></span><br />
<strong>Mittwoch, 15. Juni 2011</strong></p>
<p>Wir trafen um 13.00 Uhr in Heikendorf ein und hatten noch eine Stunde bis zur vereinbarten Wohnungsübernahme mit dem Eigentümer*, mit dem wir um 14.00 Uhr verabredet waren. Von außen nahmen wir die Bude in Augenschein und fanden sie so, wie beschrieben. Die Stunde nutzten wir zu einem ersten Erkundungsgang nach Möltenort &#8211; wo es einen kleinen Segelhafen und die Anlegestelle der Schiffslinie SFK gibt. Nach knapper Begrüßung und Einweisung begann das reguläre Urlaubsprogramm. Zunächst stand eine Erkundung der nord-nord-ööstlich der Kieler Förde gelegenen Strände an. Erste Überraschung: draußen war es nicht so warm wie drin und vor allem windiger. Erster Strandversuch: Stein. Nach 10 Minuten reichte es uns wir beschlossen, „Kalifornien“ und Schönberg-Strand aufzusuchen, wo es leider auch nicht besser war. Öde, ungemütlich und auf eigentümliche Art zum Scheitern hergerichtet. Highlight war eine Agglomeration von maritimen Imbissbuden, wo wir den Versuchungen nicht widerstehen konnten und uns ein Brötchen mit Brathering für 2,90 teilten. Auf dem Rückweg gab es noch ein Mohnfeld zu fotografieren bzw. die Fotografen, die ihrerseits im Mohnfeld standen, um es zu fotografieren. Als Überraschung der netteren Art erwies sich das umtriebige Hafengelände von Laboe mit nahezu authentischem Flair. Bei Rückkehr verspürten wir erstmal ziemliches Groggytum. Dennoch brachen wir am Abend noch mal zu Fuß auf, um am östlichen Fördeufer soweit um die Ecken herumzukommen, bis sich der Blick auf Kiel City auftat. Dauer: ca. 1 Stunde.</p>
<p><em>*Der Eigentümer der Ferienwohnung bewohnt mit seiner Familie selbst das Untergeschoss der 2010 fertiggestellten Immobilie und verzichtet anscheinend auf den grandiosen Ausblick, den die erste Etage bietet. In xing.de fanden wir sein Profil, aus welchem hervorgeht, dass er, von Haus promovierter Physiker, heute als Business-Anschieber die Pharma-Branche auf dem Schirm hat. Einerseits scheint da ein Förde-Ufergrundstück mit Neubau durchaus normal zu sein, andererseits verwundert es, dass er sich mit Ferienwohnungsgästen abgibt und das dann auch noch selbst managed. Auch der A6 ist durchaus standesgemäß, aber als Zweitwagen statt eines BMW Mini Clubman oder A3 Sportsback nur ein kleiner Corsa, das gibt zu denken. Obwohl Mutter keinmal auf der Bildfläche erschien, wollen wir das Thema gar nicht vertiefen in Richtung soeben erfolgte Trennung, Lover in Hamburg, etc.</em></p>
<p><strong>Donnerstag, 16. Juni 2011</strong></p>
<p>Der Kiel-Tag. Zum Frühstück hatten wir oben in Heikendorf beim Bäcker Brötchen eingeholt. Der Bäcker ist in einer Ladenpassage untergebracht, deren Eingangszone gleichzeitig als Treffpunkt und Mittelpunkt des Dorfes fungiert und ganz gemütlich geraten ist. Leider fanden wir den klassischen Supermarkt im Tiefgeschoss erst am dritten Tag. Die anderen Geschäfte in der Passage sind ein Schreibwarengeschäft, eine Budike, noch irgendwas und ein Zahnarzt mit transparenter Praxis (bis auf die Behandlungsräume), jedenfalls konnte man sehen, wer im Wartezimmer rumlungerte.</p>
<p>Nach dem Frühstück, so gegen 12.30, sollte das Schiff von Möltenort (zu Fuß ca. 10 Minuten) nach Kiel abgehen. Leider vertaten wir uns mit der Interpretation des Fahrplans, so dass das Schiff grade weg war und wir noch ein paar Warteschleifen in Möltenort drehen mussten. Das Wetter war windstill und schwülwarm, so dass man es auf dem offenen Oberdeck gut aushalten konnte. Wir fuhren nicht bis Endstation Hauptbahnhof, sondern stiegen schon am Schwedenkai  aus, weil es zu Fuß viel zu entdecken gab. Z.B. das für Paderborner Verhältnisse gigantische Schiff der Stena Line und Buden und Bühnen, die zur Kieler Woche aufgebaut wurden. Am Hafen gab es ein Umverladen von mittelgroßen Tank-artigen Flüssigkeits-Containern von der Bahn auf LKW. Sehr verwunderlich, dass so etwas am Rande der City stattfindet und nicht in entlegenen Logistik-Zentren.</p>
<p>Nun machten wir uns ans Einkehren, und zwar zweistufig: Hinter dem Fußgänger-Steg „Hörnbrücke“ auf der Hörn-Ostseite kauften wir zunächst eine Bockwurst mit Brot in Autobahnraststättenqualität und danach bei einer pseudo-italienischen Eiscafé/Ristorante-All-in-one-Kneipe ein Eis und einen Caffé &#8211; der leider nicht geschäumt daherkam, sondern aus dem Tank mit einem dünnen glitzerden Ölfilm (brrrr.) oben drauf. Schon ermattet und etwas overdresst/verschwitzt hatten wir uns als nächtes Ziel den botanischen Garten ausgekuckt. Auf dem Weg dorthin war überall am Wegesrand der forcierte Aufbau der Fress- und Saufbuden sowie der Getösebühnen für die Kieler Woche im Gang. Der botanische Garten lag direkt hinter der Pathologie der Uniklinik und stellte sich als der „alte“ (ausgemusterte) Botanische Garten heraus. Den Gesuchten hatten wir wieder mal nicht gefunden. Nun waren wir vorzeitig groggy, hatten es aber zum Glück nicht mehr weit bis zur Schiffshaltestelle Reventlou. Ein vielversprechender Name, der auch zu einer Pariser Metrostation gehören könnte. Auf der Homepage von kiel.de stand zu lesen, dass die Stadt sich bemüht, die beiden Fördeufer noch mehr zu vernetzen und als Lebensader der Stadt auszubauen. Es scheint wohl zu gelingen. Der weitere Verlauf des Abends wird im nachfolgenden Text einer Mail an den Oppa beschrieben:</p>
<p><strong>Freitag, 17. Juni 2011</strong></p>
<p>E-Mail an den Oppa (Dienststelle):</p>
<p><em>H&#8217; Oppa, ich möchte mich noch mal in aller Form dafür entschuldigen, dass ich um 8.02 Uhr noch im Bett lag, während du schon pflichtschuldigst deinen schweren Dienst am verrichten warst.</em></p>
<p><em>Solltest du von dem Vorfall bei Mäuschen Meldung gemacht haben und es gibt keinen Grund vom Gegenteil auszugehen, so gilt mein Entschuldigungsersuchen zuvörderst auch ihr gegenüber. Es soll nicht wieder vorkommen.</em></p>
<p><em>Wir waren gestern abend gegen 20.20 Uhr zu Fuß gestartet, um noch etwas zu Essen zu bekommen. In Möltenort war nichts mehr geöffnet, und wir wanderten durch den Wald, genauer gesagt durch einen für zivile Zwecke offen gehaltenen, aber durch mehrfachen Stacheldrahtzaun gesicherten Korridor über ein weitläufiges Bundeswehrgelände nach Laboe, Entfernung ca. 5 KM. Um 21.15 Uhr eintreffend, mussten wir feststellen, dass alle 7 Restaurants bereits ihre Küchen geschlossen hatten und man teilweise schon beim Schrubben der Klo&#8217;s war. Der diensthabende Türke an der örtlichen Dönerbude war so freundlich, uns noch eine Portion Pommes mit Ketschupp und Majonäse zu verkaufen.</em></p>
<p><em>Da der Heimweg zu Fuß nur bei völliger Dunkelheit durch den verschneckten Wald möglich gewesen wäre, entschieden wir uns, auf den verlassenen Bus der Linie 100 zu warten, welcher 10 Meter von der Haltestelle entfernt eine Fahrpause einlegte. Als der Busfahrer eine Minute vor Abfahrt aus dem Nichts eintraf, fragten wir ihn, ob er bereit wäre, uns bis Heikendorf mitzunehmen. Er bejahte die Frage mürrisch, stellte aber klar, dass wir nicht an Ort und Stelle einsteigen könnten, sondern an der &#8211; wie gesagt &#8211; 10 Meter entfernten offiziellen Haltestelle. Wir gingen zur Haltestelle, der Bus fuhr hinter uns her, und dort durften wir tatsächlich einsteigen. Der lange Gelenkbus war ansonsten so gut wie leer. Während der Fahrt mit Umweg über entlegene Dörfer war uns irgendwie nicht wohl. Als wir wieder ausstiegen, wurde uns klar, warum: Unser Sitz war offensichtlich von irgendjemand vorher eingenässt worden, so dass auch unsere Kleidung (Hose, Jacke, T-Shirt) durchdringend feucht geworden war. Zu Hause fielen wir in sofortigen Tiefschlaf &#8211; bis 8.02 Uhr, siehe oben.</em></p>
<p>Während des Verfassens obigen Tatsachenberichts mit entschuldigender Wirkung wird uns das Schreiben erschwert durch heftige Umtriebigkeit auf der Kieler Förde: Fortwährend ändert sich das Wetter – blickdichte Regenschauer, klare kalte Sonnigkeit, diesige Schwaden, das alles bei steifem Wind aus Südwest. Der Schiffsverkehr ist heute vor allem militärischer Natur: Es zogen ein zur Kieler Woche die Boote: F804, F791, 127, 58, 20, A50, A515, M1099, L16, P291, P163, und als Gast das niederländische Schiff A832 sowie ein kleines polnisches U-Boot ohne Nummer. Maritime Kenner schnalzen mit der Zunge.</p>
<p>Nach dem Mittagessen – halbes trockenes Brötchen – machten wir uns mit dem Auto hinüber auf die Förde-Westseite, um dort in etwa nordwestlich des Tirpitzhafens parkend, den oben beschriebenen Auftritt der Crème de la Crème der Bundesmarine aus der Nähe anzuschauen. Leider war von keiner Seite dranzukommen, alles abgeriegelt und schwer bewacht. Wir wurden abgewimmelt. Mit dem Auto fuhren wir durch dunkle, verlassene Gegenden zum Südufer des Nord-Ostsee-Kanals, wo eine seit unserem letzten Besuch 2003 stark renovierte Fußgänger-Fährverbindung (gratis) den Link zum Nordufer herstellte. Von dort wanderten wir entlang von in erster und zweiter Reihe geparkter Zwei- und Dreimaster aus der Zeit zwischen 1890 und 1910 hin zum alten Leuchturm, wo eine sichtlich uninspirierte lesbische Hochzeit stattfand. Auf dem Rückweg kehrten wir bei Tiessen** Schiffsbedarf zwecks Kaffee und Kuchen ein. Kaffee wieder aus dem Tank. Bei Kaffee haben sie hier tatsächlich noch Nachholbedarf. Im Rausgehen sahen wir das Sonderangebot: Krabben auf Schwarzbrot für 3,00 €. Hah, wenn wir da gewusst hätten ! Für den Heimweg nach Heikendorf mussten wir nun wieder Kiel südlich umrunden auf der B76 und der B502. An der Schwentine-Brücke entschieden wir uns für einen touristischen Abstecher. Hinten rum ging es über die Oppendorfer Straße runter auf Wasser-Niveau durch ein wunderschönes unprätentiöses Villenviertel, eigentlich eher gutbürgerlich. Unten an einem Ensemble aus alten und neuen Brücken über die Schwentine genossen wir die allseitigen Ausblicke und fuhren irgendwann weiter auf Nebenstrecken nach Heikendorf. Unvermutet kamen wir am „Computermuseum“ vorbei, von dem wir schon einige Male gelesen hatten. Zum Besuch reichten heute weder Zeit noch Lust.<br />
**Hermann Tiessen, seit Jahrzehnten tot. Aber als praktisch-kompakt-volkstümlicher Namensgeber immer noch zu gebrauchen.</p>
<p>Um 18.00 beschlossen wir, den Tag nicht so ausklingen zu lassen wie gestern. Wir wollten es uns beweisen und im ersten Haus am Platze in Laboe nordisch geprägte Gastronomie pur und live erleben. Die Fischküche. Das erste Haus am Platze bot echte Massenabfertigung im Halbstundentakt dank maximal durchrationalisierten Betriebablaufs. Zum Bestellen an die Theke, Prepaid-Vorkasse, Getränke selbst mitnehmen, zur Benachrichtigung der Fertigstellung der Speisen, die man ebenfalls selbst zum Tisch schleppte, bekam man einen Piepser ausgehändigt. Bis zum Piepsen konnte man Leute beobachten und Vergleiche anstellen. Wir saßen auf einer Art Parkbank hinter einem fest in den Boden gerammten Tisch, so dass man in einer Haltung wir auf dem Klo sich zu dem zu hohen Tisch hinbeugen musste. Es war ziemlich rummelig, aber, da halb-draußen stattfindend, nicht zu laut. Nach dem Essen machten wir noch einen Spaziergang bis zum berühmten Marine-Ehrenmal, wo aber nix mehr los war. Während diese Zeilen entstehen, ist es 21.45 Uhr und noch taghell. Auf der Förde ist es ausgesprochen ruhig. Die Bundesmarine ist längst angekommen, die großen Fähren von Stena-, Color- und DFDS Lisco** auf der Zielgeraden in Stockholm, Oslo und Klaipeda einlaufend, und auch die Frachter Richtung Nordostseekanal schlafen schon.</p>
<p>**DSDF-Lisco: Der 2010 vor Langeland ausgebrannte Seelenverkäufer.</p>
<p>Auf den Fregatten, Zerstörern und Corvetten drüben im Tirpitz-Hafen kam nun anscheinend gesellschaftliches Leben auf. Nicht nur „über die Toppen“, geflaggt, sondern auch mit Lichterketten versehen wie auf dem Traumschiff am Abend des Captain&#8217;s Dinner, kann es sich nur um das Spezial-Bankett für geladene Freunde der Bundesmarine handeln. Ob der gestrenge Herr De Maizière davon weiß?</p>
<p><strong>Samstag, 18. Juni 2011</strong></p>
<p>Die Rückreise führte bis Hamburg nicht über die A215/A7, sondern über die B404 und A21, was sich kaum weniger langweilig erwies. Ein gefundener offener Parkplatz wollte 5 Euro Mindestgebühr haben, und wir drehten wieder ab. Weit ab vom Schuss, am Högerdamm fanden wir einen Umsonst-Parkplatz, von dem aus wir die City ansteuerten. Blick in die Petrikirche, Falsches Kaufen bei Schuhbeck, man weiß gar nicht, was wir da wollten. Irgendwie gerieten wir in die Speicherstadt, als das Wetter drohte. Mit einem Eis in der Hand flüchteten wir vor einem Wolkenbruch in eine Security-bewachte Baustelle (Phase Innenausbau) wo wir kurz geduldet wurden. In den Deichtorhallen war grade keine lohnende Ausstellung, und so traten wir mal wieder Heimweg an. Von Hamburg nach Hause ist eigentlich immer ganz gut fahren.</p>
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		<title>2011 – tief im Wä-hä Hä-hesten</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Feb 2011 19:21:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Messdienerausflüge]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Planung Die Messdiener machen ihren ersten mehrtägigen Ausflug durch West ! deutschland mit gleich 2 Übernachtungen. Dabei nehmen D. und O. ein Doppelzimmer. K. ist pingelig und besteht auf einem Einzelzimmer. Zeit und Ort: Do. 19. Mai bis Sa. 21. Mai 2011 – Aachen und Trier Aufgabenverteilung: Messdiener O: stellt das Fahrzeug zur Verfügung...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Die Planung</h4>
<p>Die Messdiener machen ihren ersten mehrtägigen Ausflug durch <strong>West ! </strong>deutschland mit gleich 2 Übernachtungen. Dabei nehmen D. und O. ein Doppelzimmer. K. ist pingelig und besteht auf einem Einzelzimmer.</p>
<h5>Zeit und Ort:</h5>
<p>Do. 19. Mai bis Sa. 21. Mai 2011 – Aachen und Trier</p>
<p><span id="more-284"></span></p>
<h5>Aufgabenverteilung:</h5>
<p><strong>Messdiener O:</strong> stellt das Fahrzeug zur Verfügung</p>
<p><strong>Messdiener K</strong>: Bucht die Unterkünfte in Pfarrsälen, kirchlichen Heimen und auf Campingplätzen, soweit möglich. Zur Not ausweichen in Hotels. Sorgt für den Proviantanteil, der nicht in der Gastronomie verzehrt wird, sondern unterwegs: Brötchen, kalte Kottletts, hartgekochte Eier, Thüringer Würstchen, Kitkat Chunky, etc.</p>
<p><strong>Messdiener D: </strong>Arbeitet das touristische Rahmenprogramm aus: Abstecher, Picknickplätze, Muséen, Burgen, gotische und romanische Dome, Orte von historischer Tragweite.</p>
<p><strong>Trier:</strong> <a href="http://www.hotel-aulmann.de/index.html" target="_blank">hotel-aulmann.de</a></p>
<h4>Die Realität</h4>
<p>Messdienerausflug 19. bis 21. Juni 2011 nach Aachen und Trier. Reisefahrzeug: Der Peugeot 308 des Messdieners O. Alle Bewertungszahlen in klassischen Schulnoten.</p>
<p>Der Messdienerausflug 2011 ging diesmal planmäßig über die Bühne. Da unsere Erwartung gar nicht erst hochgeschraubt wurden, war auch die Enttäuschung nicht so groß. Der Reihe nach.</p>
<p>Messdiener K. war für das Catering auf der Hin- und Weiterreise zuständig. Die groß angekündigten kalten Kottletts hatte er zwar gekauft, aber in der Hektik zu Hause im Kühlschrank vergessen. Aber es gab für jeden noch drei Brötchen und zwei hart gekochte Eier. Genau genommen 5 Eiher für drei Leute. Frage: Wie wurden die aufgeteilt ? Doch dazu später.</p>
<h5>Hinfahrt</h5>
<p>Der erste Teil der Strecke verlief nahezu schweigend und ereignislos. Einzige Unterhaltung war das auf reine Anzeige der aktuellen Position beschränkte eingebaute Navi des Reisefahrzeugs. Die Landkarte darauf ist nicht genordet und dreht sich bei jeder Kurve mit, zeigt also immer geradeaus. Wie man ein Ziel eingibt, das zu finden es anweist, bleibt ein Geheimnis. Aber als Spielerei gefällt es dem Besitzer, der auch bei Fahrten zu Netto um die Ecke nicht darauf verzichtet. Knapp nach dem Passieren der Autobahn-Rheinbrücke bei Leverkusen galt es, den Rastplatz für das Frühstück anzusteuern: Das kiesige Rheinufer bei Köln-Mechernich, gegenüber von Chemie-Industrieanlagen die zu Bayer oder Lanxxess gehören könnten. Auf der Rückbank schaltete dann jemand die zuverlässig funktionierende Navigon-Software auf dem iPhone an und schon waren wir vor Ort, das heißt, die Strecke vom Hochwasserdeich durch ein Grüngebiet bis zum „Strand“, ca. 500 Meter, mussten noch zu Fuß zurückgelegt werden.</p>
<p>Der Strand war noch öder als vermutet. Kein Schatten, keine Sitzbank, kein lauschiges Eckchen. Gelassen nahmen die Messdiener den Totalausfall der kalten Kottletts hin, da sie von insgesamt 9 Brötchen und 3 Eiern fürs erste satt genug waren.</p>
<p>Erste Runde: Jeder <strong>ein</strong> Ei. Zweite Runde: Messdiener O. fraß sein ihm zustehendes Ei sofort. Das zweite und letzte Ei der zweiten Runde wurde geshiftet, das heißt zurückgelegt für die Weiterreise am zweiten Tag. Gurken und Tomaten nach Belieben.</p>
<p>Bewertung des Frühstückserlebnisses: 4. Es konnte, den Umständen entsprechend und unter Ausschluss von Notlagen, Katastrophen und Desastern nur noch besser werden. Auf dem Rückweg zum Auto verzögerte der Messdiener K. merklich, um D. und O. einen Vorsprung einnehmen zu lassen. Er machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Plätzchen im Ufergebüsch, ohne den anderen gegenüber später deutlich werden zu lassen, um was es genau ging. Auch an dieser Stelle sei nur verraten, dass noch vor Beginn der geplanten Verrichtungen eine unvermutete Radfahrerin die Szene empfindlich störte.</p>
<p>Kornelimünster war als Zwischenstopp vereinbart und wurde, unter ungewöhnlich heftiger Zeitverplemperung auf unbekannten Gemeindestraßen dann irgendwann erreicht. Im Verhältnis zur Bedeutung dieses Klosterortes mit mustergültiger Pittoreske und den hohen Erwartungen war dort relativ nix los. Keine tollen Kneipen, keine brodelnden Cafés, allein die Abteikirche rief als Pflichtprogramm zum Besuch. Nach einem sehr kleinen Abstecher an die Peripherie des Zentrums – ca. 100 Meter – fuhren wir weiter nach Aachen, wo wir von Südosten (Aachen Brand) reinkamen. Dort befielen uns Erinnerungen an frühere Durchreisen zu D-Mark-Zeiten, wo man noch mal vor der Grenze (warum eigentlich?) von der Autobahn runterfuhr um gleich unten bei Shell zu tanken. Shell war dort immer noch mit 2 Stationen vertreten. Der vorgezeichnete Weg zum Hotel führte uns zwar nicht durch die Fußgängerzone, aber doch sehr dicht durch die City. Wir sammelten noch im Auto erste Eindrücke über die Gebiete, die wir später zu Fuß erkunden wollten.</p>
<h5>Hotel Lousberg in Aachen</h5>
<p>Das Einchecken beim „dicken Belgier“ verlief problemlos, nur das Einparken in der Garage war sehr knifflig für den Messdiener O., weil sich die Garage als extrem eng erwies. Nur mit Einweisungshilfe der Messdiener K. und D. war es überhaupt möglich, das Fahrzeug ohne Schrammen hineinzubekommen. Kurze Zeit später waren wir schon auf einer ersten Erkundungsrunde unterwegs. Das <a href="http://hotel-lousberg.de" target="_blank">Hotel Lousberg</a> am nördlichen Innenring (Saarstraße) lag günstig am Uni- und Kneipenviertel. Die Zimmer Note 3- bis 4+, mehr nicht. Von dort nahtloser Durchstich zu den touristischen Highlights Dom und Rathaus. Wir drehten mehrere Runden durch die City und landeten schließlich in einer lauschigen Straßenkneipe am sog. „Hof“. Es herrschte entspanntes Flair, kein Autoverkehr, Touristen verziehen Touristen, dass sie als Touristen zu erkennen waren. Wir nahmen ein bis 3 Bier und starrten zurück. Im Nachhinein betrachtet vielleicht der schönste Moment des Ausflugs: Note 2.</p>
<p>Weitere Anlaufstellen an diesem Nachmittag/Abend:</p>
<ul>
<li>Kaffeekauf bei der Rösterei Plums</li>
<li>Dombesichtigung (Messdiener D. kaufte eine Fotoerlaubnis)</li>
<li>Besichtigung von St. Foillan gegenüber</li>
<li>Abdriften in die B- und C-Lagen der Fußgängerzone, bis es schon pisseckig wurde</li>
<li>Eis beim Elisenbrunnen</li>
<li>Besteigen des Salvatorberges, um die Nicht-Phänomenalität des mangelnden Panoramaausblicks zu erkennen. Oben Einkehr in der entsprechenden Kirche</li>
<li>Besichtigung des Gratis-Teils im Rathaus</li>
<li>Captain&#8217;s Dinner am „Hof“ – schon vergessen, welchen Fraß es gab. Vermutlich Note 3 bis 4</li>
<li>Einkehr in der Albrecht Dürer Stube (3 Kölsch)</li>
<li>Einkehr in einer Kneipe am Hirschgraben. Da war es schon kalt und dunkel, und die Stimmung sank ab. Kerle kuckten Fußball, Frauen fühlten sich vernachlässigt und vertrieben.</li>
</ul>
<p>Während des ganzen Tagesmarsches hatte der Messdiener K. leider seine ohnehin mickrige Kamera im Zimmer liegen lassen, und musste Vorlieb nehmen mit einer abgelegten Gurke aus alten Zeiten, die der in Kommunikationstechnik sehr anspruchslose (um nicht Muffel zu sagen) Messdiener O. mit sich führte und generöserweise überließ.</p>
<h4>Zweiter Tag</h4>
<p>Das Frühstück kam unerwartet angenehm. Der Frühstücksraum lag mit Ausblick auf den geschäftigen Durchgangsverkehr an der Ludwigsallee/Saarstraße. Das Wetter war freundlich und das Angebot des Büffets für die Preisklasse des Hotels überdurchschnittlich. Nach dem Auschecken und Ausfädeln des Autos aus der engen Garage verließen wir die Stadt in südlicher Richtung, um bei Eynatten auf den belgischen Reiseabschnitt zu gelangen.</p>
<p>Leider hat der Messdiener K. die nervige Angewohnheit, seine Mitreisenden in spleenige Abenteuer der zeitraubenden und nutzlosen Art hineinzuziehen. Heute stand der Besuch eines belgischen Supermarktes auf der Agenda, um sich den belgischen Mythen und Verlockungen hinzugeben: De Koninck-Bier, Côte d&#8217;Or-Schokolade, (nein, kein Käse wg. fehlender Kühlmöglichkeiten), echtes Sambal Oelek, Calvé Pindakaas, Douwe Egberts Koffie. Den Supermarkt in Eynatten fanden wir nicht. Statt dessen verfuhren wir uns und mussten zurück. In Eupen endlich gab es immerhin einen Wochenmarkt, wo wir Brot und dicke (teure) Käsescheiben für das bevorstehende Picknick kauften. Damit war der Supermarkt noch nicht erledigt. Eine Shopping Mall, in der wir ihn vermuteten, erwies sich als eine von Leerstand geplagte Geisterbahn. Erst hinter Malmedy fanden wir einen Supermarkt, allerdings einen von der merkwürdig/befremdenden Art, kein DelHaize. Bier gab es nur in ganzen Kästen, keine Einzelflaschen. Sambal nicht von Bamboo Garden, sondern in Plastikflaschen (mitlerweile unverzehrt entsorgt, so scheußlich). Das gesamte Warenangebot war zwischen dunklen Gängen in Hochregalen ohne jede Systematik verstaut. Wir verplemperten Stunden. Douwe Egberts nicht im Angebot. Pindakaas nicht zu finden. An den Kassen kein Förderband, sondern Kerle packten die Waren vom Wagen in einen anderen Wagen und scannten die Preise dabei. Nix wie weg.</p>
<p>Nächste Station war ein Zwischenhalt mit Wanderung auf dem höchsten Punkt des hohen Venns, eine einsame Wald- und Heidelandschaft mit vielen Brandzerstörungen. Auf Luxemburgischem Gebiet tankte der Messdiener O. für 1,14 pro Liter, ein Preis der ihm auch nach dem Maßstäben von 2011 bereits vor Rührung die Tränen in die Augen trieb. Nun wurde die Strecke wildromantisch, es ging durch das Tal der/des Our, ein hierzulande völlig unbekannte Grenzfluss zwischen Luxemburg und der Eifel. An einem kleinen Stausee, der wegen der 2011er Sommerdürre fast ausgetrocknet war, verpicknickten wir den Eupener Käse und das letzte der 5 Eier. Bei Vianden gab es ein Fotomotiv, nämlich eine Ritterburg auf einem Bergsporn hoch über der Schlucht. Die Wartburg der Eifel in etwa. Im Tal der Sauer dann konnten wir den Verlockungen einer von Bockfahrern umlagerten Pommesbude nicht widerstehen. Gerade Bockfahrer galten für uns als sichere Indikatoren für die hohe Qualität des Angebots. Denn Bockfahrer sind eine verschworene Gemeinschaft, in der echte Werte zählen, in deren Zentrum sich u.a. Pommes befinden. Gut, dass wir nur eine Schachtel gekauft hatten und nicht drei.</p>
<p>Jetzt sank aus unerfindlichen Gründen die Stimmung wieder, was sich darin bemerkbar machte, dass die Messdiener O. und D. es plötzlich eilig hatten, das gemütliche Tal der Sauer verlassen wollten und zügig Trier anstrebten über die Kraftfahr-Höhenstraße. Für die Ziel-Anfahrt in der Trierer City kam wieder das bewährte iPhone-Navi von der Rückbank zum Einsatz. Rückbank? Richtig. Eine ungeschriebene Regel besagt, dass, wenn drei Kerle im Auto sitzen, der Doofe immer hinten sitzt.</p>
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		<title>2010 Møn, Danmark</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 17:30:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Urlaubsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Wiedersehen nach 29 Jahren mit Møn Prolog Vor dem Urlaub fehlt einfach die Zeit. Nein, nicht die Steuer, die ist erst am 30.6. dran. Aber die Kunden, die Arbeit, etc., wie immer. Auf der Strecke blieben: Zusätzliche exotische Kabel, um die mitgenommene Heimelektronik zu vernetzen, Musik auf CDs, da die stationäre Heimelektronik nicht für iPods...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Wiedersehen nach 29 Jahren mit Møn</h5>
<h5><span id="more-261"></span></h5>
<h5>Prolog</h5>
<p>Vor dem Urlaub fehlt einfach die Zeit. Nein, nicht die Steuer, die ist erst am 30.6. dran. Aber die Kunden, die Arbeit, etc., wie immer. Auf der Strecke blieben: Zusätzliche exotische Kabel, um die mitgenommene Heimelektronik zu vernetzen, Musik auf CDs, da die stationäre Heimelektronik nicht für iPods vorbereitet war, die Nikon, um auch Fotos der dolleren Art zu machen, was Gescheites zu lesen. Außerdem kam der License Key für Adobe CS5 erst um Mitternacht vor Abfahrt an, so dass das Ausprobieren der neuen Suite auf die Zeit nach dem Urlaub verschoben wurde.</p>
<h5>Pfingstsamstag, 22. Mai 2010</h5>
<p>Aufstehen 6.00 Uhr, Abfahrt 8.30 Uhr. Das würde knapp, denn Scandlines war für die Route Puttgarden–Rødby um 13.15 gebucht. Ab Bielefeld wurde es voll. Ab Hannover zusätzlich nebelig, ab Soltau stockig bis stauig. Trotz allem kamen wir nur eine halbe Stunde zu spät. Trotzdem wurden wir für das nächste Schiff zugelassen, so dass wir die dänische Seite nur 1 Stunde verzögert erreichten. Der Aufenthalt an Bord war nicht weiter erwähnenswert. Ab der Hälfte löste sich immerhin der Nebel auf und es wurde freundlich. Wir tigerten ziellos über die Decks und leisteten uns immerhin einen Riemen mit Wattebrötchen und Senf sowie zum Mitnehmen eine Stange Toblerone. Toblerone ist die vorgeschriebene Einheitssüßigkeit an internationalen Brennpunkten in Europa, und eine skandinavische Fähre gehört dazu. Obwohl es ein deutsches Schiff war, ging es sehr dänisch zu, was Schilder, Beschriftungen, allgemeine Verkehrssprache und aufgeschnappte Gespräche betraf. Immerhin akzeptieren sie an den Kassen Euros. Die Preise waren für uns unverschämt teuer, für die reisenden Dänen und Schweden rührend billig. Hofft man darauf, dass die Leute den Bord-Shop immer noch für so eine Art „Duty Free Zone“ halten, die längst abgeschafft ist? Das reisende Volk hatte diesmal keine besonders exotischen Charaktere zu bieten, die es gelohnt hätte, zu fotografieren. Wieder an Land, glitten Lolland und Falster unauffällig am Autofenster vorbei. Nach Stege wurden wir über die Autobahnabfahrt Farø/Bogø geleitet, nach unserer Meinung nicht die kürzeste Strecke. In Stege war der erste Eindruck: Niedlich, nett, sonnig. An der Tourist-Information fanden wir den angekündigten toten Briefkasten vor mit mechanischem Zahlenschloss, wie an einem Kinderfahrrad. Drinnen war eine Holzkiste mit den nicht abgeholten Hausschlüsseln, so auch unserer. Nach in Augenscheinnahme des Hauses war unsere zweite Amtshandlung Einkaufen bei Super-Brugsen. Da wir nur umgerechnet 87 € beihatten, kauften wir nur das Allernötigste und kamen knapp hin.</p>
<h5>Die Umgebung</h5>
<p>Auf der westlichen Seite der Meerenge von Stege liegt am Rande des Geländes einer stillgelegten Zuckerfabrik eine Ferienhaussiedlung im einheitlichen Baustil, aber mit leicht unterschiedlichen Hausvarianten. Es sind immer vier Häuser in Reihe und leichter Hanglage zum Wasser zusammengefasst. Wir sind leider nicht in der vordersten Reihe am Wasser, sondern in der zweiten Reihe, können aber durch eine Baulücke auf den Hafen und die Wasserfrontkulisse von Stege schauen. Stracks nach Westen blickt man auf eine mitten in der Bucht zwischen Nyord, Kalvehave und dem Zipfel Syd Sjæland liegende Kleinst-Insel mit dem lyrisch-telegenen Namen Lindholm. Charlotte Lindholm, LKA Hannover. Ein kleiner bewaldeter Hügel mit ein paar Gebäuden und zwei großen Schornsteinen. Lage und Anmutung erinnern an Alcatraz in der Bucht vor San Francisco. Was mag es sein? Wie kommt man hin? Die touristische Literatur gibt keine Auskunft. In Kalvehave kein Hinweis auf Fährverbindungen. Eine Privatinsel, die Einwohner besitzen Boote und brauchen keine Fähre. Ein spleeniger Milliardär. Oder so. Lindholm ist immer einen prüfenden Blick wert: Mal diesig-verschwommen, mal zum Greifen nah und klar, leuchtende Pracht am Morgen, schwarze Silhouette im abendlichen Gegenlicht, glühend im Sonnenuntergang. Das sagenumwobene Vilm (Honecker) im Windschatten von Rügens Südostküste wurde immerhin noch von Ausflugsbooten angefahren.</p>
<h5>Das Haus</h5>
<p>Unsers ist ein Eckstück nach Südosten. Im Erdgeschoss sind drei Schlafzimmer und ein Bad, oben ist ein einziger Raum mit drei – tja, Bereichen! Osten: Wohnen, Flezen, Fernsehkucken. Mitte: Treppenaufgang von unten und Küche. Westen: Esstisch mit 6 Stühlen und Hinterausgang auf die rückwärtige Terrasse. Wegen der ehem. Zuckerfabrik ist der Ausblick nicht so superschön, wahrscheinlich eher als Ausweichterrasse bei Ostwind geeignet. Die Ost- und Südseite hat einen umlaufenden Balkon mit Tischgruppe an der breitesten Stelle. An diesen Seiten gehen die Fenster bis zum Boden. Der Raum bietet einen phänomonalen 3Seiten-Rundumblick. Zusammen mit der gelungenen Einrichtung – cool aber nicht ungemütlich macht das Haus einen zufrieden stellenden Eindruck. Ziemlich gewöhnungsbedürftig ist das Elternschlafzimmer im Erdgeschoss, welches wir, die Eltern, auch nutzen. Auch hier reichen die Fenster bis zum Boden, liegen zur Straße hin und sind nur knapp-spärlich mit Gardinen ausgerüstet. Man liegt also wie im Schaufenster, besonders abends, wenn die Spiegelung nachlässt und die dünnen Gardinen dem aufdringlichen Glotzen der Passanten nicht gewachsen sind. Die Schlafzimmer-Außentür führt direkt auf den Bürgersteig. Allerdings ist die Siedlung mit ihren 23 Wohneinheiten höchtens zu 10% genutzt und es gibt nachts durchaus Momente, in denen grade niemand einen Schaufensterbummel unternimmt und reinschaut, wie es so läuft. Schlimmer als der öffentliche Charakter ist jedoch die Kleinheit und Kargheit des Schlafzimmers. Ein Bett, ein Schrank, das wars. Die Matratze zu dünn um die Stahlfedern gepolstert und dennoch zu weich-kuhlig, so dass die Nächte strapaziös werden und dank der ab 5.30 hereinbrennenden Sonne recht kurz wären, würden wir nicht von 7.00 bis 9.00 Uhr in den totalen Erschöpfungsschlaf fallen.</p>
<p>Damit sind wir mitten im Meckern drin. Beim ersten Eintreffen waren wir schockiert. Ein Mückenplage! Der dänischer Mr von gegenüber (Vater, Mutter, Kinder, 3er BMW plus 5er BMW bestätigt es uns. Der Eingang, die Fenster, alles schwarz vor Mücken. Wir würden niemals auf dem Balkon sitzen können. Und drinnen war es glühend heiß. Doch nach einer gewissen Zeit holten wir Besen, Handfeger und Staubsauger raus und kämpften die ersten Schneisen frei. Enttäuschend war auch das Audio- und TV-Equipment. Vom iPod war keine Verbindung zum Stereo möglich, weil die Schnittstelle „Mini-Klinke“ nicht zu unserem mitgebrachten Cinch-Kabel passte. Der Umweg über den Fernseher führte dazu, dass der Fernseher auf ein Video-Signal wartete, was nicht kam und nach 10 Minuten genervt abschaltete, außerdem war der Ton (Samsung 22“) quäkig und mickrig. Im jedem Raum sind RJ-45-Steckdosen vorhanden und in der Besenkammer ist ein Kabelmodem oder Netzwerk-Router im Betrieb, denn es blinkt, aber a) haben wir unser Netzwerk Patchkabel, obschon dran gedacht, dann doch vergessen und b) wissen wir nicht, ob wir es ohne intime Kenntnis der Zugangsdaten zum Laufen krügten.</p>
<p>Später machten wir noch eine kleine Erkundungstour mit dem Fahrrad durch den Ort. Dabei entdeckten wir sogleich unser Lieblingsrestaurant und die beiden Lieblings-Bäckereien, die alle schon geschlossen waren. Wegen Groggytum und schläfriger Ermüdung war der Abend eher zu Ende als es dunkel war. Wir legten uns ins Schaufenster und schliefen sofort ein.</p>
<h5>Pfingstsonntag, 23. Mai 2010</h5>
<p>Klare Sicht, blauer Himmel, unser Bude im Windschatten, die Mücken hatten sich erst mal zurückgezogen. Gemütliches Frühstück auf dem Balkon, fast ohne Mücken, und im totalen Windschatten, obwohl es leicht zu stürmen schien. Eine morgendliche kleine Runde mit dem Fahrrad führte uns zuerst zum Hafen, wo wir eine Pølserbude für später vormerkten und danach in die City von Stege. Wir kauften bei zwei verschiedenen Bäckern (Guldborg und Hoyer) für die Mutter eine Thebirke und für Kalle ein Schoko Snejl d.h. Puddingschnecke auf Blätterteigbasis. Zu Hause gab es statt Mittagessen diese Teilchen mit Kaffee wiederum auf dem Balkon. Nach einer kleinen Mittagsruhe brachen wir auf zu einer zunächst sehr klein geplanten Radtour unter Umrundung des „Steger Nor“ zur Møner Südküste. Schnell wurde der Zielradius erweitert: Råbylille Strand. Am schönsten war die Landschaft zwischen Bissinge und Tøvelde. Sie erinnerte an das Südufer des Bodensees auf Schweizer Gebiet, nur dass es keinen Blick auf den Säntis gab. Dafür aber die in der Nachmittagssonne glitzernde Ostsee. Der Rückenwind gemahnte natürlich einen beschwerlichen Rückweg, aber wir waren mutig, und da die Abenteuerlust durchbrach, wagten wir die Weiterfahrt. Ziel im Radius zwei war Klintholm Havn. „Klintholm“ klingt nach ZDF Schwedenschnulze sonntags abends oder zumindest wie ein sagenumwobenes Eiland, das kaum jemand zu Gesicht bekommen geschweige denn lebend wieder verlassen hat. In Wahrheit war es dann ein normaler kleiner rumpeliger dänischer Fischhafen, erweitert um ein ausuferndes Ferienparkgebiet mit Reihen-Appartments und touristischen Basisangeboten. Um den anstrengenden Rückweg zu überstehen, mussten wir Proviant fassen oder direkt zu uns nehmen. An der einzigen Pølserbude kauften wir zwei dicke Riemen mit aufgeschnittenem Weißbrot (alles sehr bedenklich) und vier bunten Soßen in der Pappschachtel: körniger Ketchup, heller Senf, leuchtend grün-sirupartiger Senf, Remulade. Der Rückweg erwies sich als mindestens so beschwerlich wie vermutet. Insgesamt waren es 41 Kilometer. Zur Belohnung gab es zu Hause Pellkartoffeln mit Salat (Rucola und Tomaten). Dazu ein Tuborg Grøn bzw. Rotweinschorle.</p>
<p>Zum Sonnenuntergang verließen wir noch mal das Haus und drehten eine Runde über die Store Gade. Dauer: Eine Stunde.</p>
<h5>Pfingstmontag, 24. Mai 2010</h5>
<p>Morgens war es sehr bedeckt, sehr kalt, sehr windig, vormittags kamen Schauer dazu, mittags hörten diese wieder auf. Gegen 12.30 fuhren wir mit dem Auto Richtung Møns Klint. Wir parkten gratis außerhalb des Schwungs und liefen einsam ca. 1Km durch den original dänischen Blümchenwald. Es erinnerte stark an Jasmund auf Rügen. Die weißen Kreidefelsen waren noch beeindruckender, obwohl der dollste und zackigste vor kurzem abgebrochen war. Am Klippenrand ging es unter Einbeziehung von sogenannten „atemberaubenden“ Blicken rauf und runter bis zum 2006 errichteten touristischen Höhepunkt, dem Geo-Center. Das ist eine Mischung aus Info-Zentrum, Museum, Kneipe und Andenkenladen mit beachtlicher Architektur, vermutlich vom Stararchitekten. Wir kauften ein paar Ansichtskarten und machten noch einen Abstecher runter zum Strand. Strand heißt in diesem Fall das begehbare Geröll am Fuß der Klippen. Zurück zählten wir die Stufen: 497. Hätten es nicht glatt 500 sein können? Nächster Tagesordnungspunkt war ein Autoumweg nach Klintholm Havn. Das Wetter war an der südlichen Breitseite der Insel wesentlich rauer und stürmischer als an den Klippen, die wohl im Windschatten lagen. Von Klintholm Havn gingen wir ca. 2 km am kiesigen Strand nach Osten, fraßen am Wendepunkt auf einer Bank in einer Nische unsere zuvor bei SPAR gekauften Blätterteigteilchen (zu dänisch, also zu süß) und marschierten zurück. Auf dem Rückweg nach Stege hielten wir noch ein paar mal an, um in der Landschaft liegende Steingräber und keltisch-wikingische Königsgräber zu fotografieren. Oder so. Nach einer Ruhepause hielt das Abendessen Salat, Reis und Ingwermöhren (englisch: Gingermorries) bereit. Um ca. 21.00 Uhr, also eigentlich zu spät, brachen wir mit dem Auto auf zur gewohnten Sonnenuntergangstour. Diesmal war Kalvehave an der Brücke von Møn nach Sjæland dran. In letzter Sekunde bekamen wir knapp noch ein Foto der eleganten Brücke von 1943 in der letzten Abendsonne hin. Eine kurze kalte Runde über den Steg der Marina und vor allem durch die hinteren Ecken des Ortes brachte wenig aufbauende, dafür zweifelhafte Eindrücke zustande. So freuten wir uns den ganzen Rückweg lang auf die schöne gemütliche Bude daheim.</p>
<h5>Dienstag, 25. Mai 2010</h5>
<p>Den ganzen Tag sonnig mit wolkigen Abschnitten. Und wenn der Wind nicht gewesen wäre, hätte man vielleicht keine Kälte verspürt. Der Wind war durchgehend vom Typ „ziemlich Steif“, so dass einem die Hose hin und her ging und man die Kapputze überzog, solange man unser sich blieb. Erste Amtshandlung: bei der Guldbageri 4 Brødler holen, leider keine Blätterteigigen. Der Expert-Hifi/TV-Händler hatte kein Audiokabel mit Miniklinke vorne und hinten. Vielleicht schon Ende der Woche, Danke. Nach dem gemütlichen Vormittag daheim starteten wir eine Tour zum Südwesten der Insel. Von Harbølle Havn hatten wir uns all das versprochen, was Klintholm Havn schon zu viel bot. Doch es war absolut nix los. Gar nix außer Wind mit 6 Bf. Schnell ging es weiter zur Fanefjord Kirke mit sogenannter „sehenswerter“ mittelalterlicher (wieder freigelegter oder restaurierter) Ausmalung mit sämtlichen Details aus dem alten und neuen Testament und der Kirchengeschichte bis dato. In Bogø erwischten wir die Fähre im Moment des Ablegens, aber der Fährmann war gnädig, machte die Schranke wieder hoch und wir durften noch drauf. Obwohl das Fährgerät schon 1981, bei unserer Erstbesteigung, alt gewesen sein mag, hatte auch hier moderne Technik Einzug gehalten. Der Fährmann schloss nach Ablegen sein Kabuff auf und holte etwas heraus. Wir glaubten, jetzt kommt ein altes, großes, abgewetztes und wettergegerbtes Riesen-Lederportmanée. Doch nein, es war eine portable elektronische Kasse mit Tastatur, Belegdrucker und Kartenleser, ähnlich jener der Schaffner in den Zügen der Deutschen Bahn. Eine knapp viertelstündige Fahrt nutzten wir zum Genießen des schwankenden Seegangs bei mindestens 5 Bf und der Freude auf ein Wiedersehen mit Stubbekøbing, wo wir 1981 (Bogøurlaub) mal ein Eis von dem Geld aus der Gemeinschaftskasse gekauft hatten. Der Laden war noch vorhanden, diente aber heute als Verkaufsshop des Roten Kreuzes (Røde Kors Butik). Nach dem Kauf eines Maxi-Mandel Eis (vergl. Magnum) an Havn Kiosk wanderten wir den Haupteinkaufs-Boulevard nach Westen, wo es viel zu entdecken gab: Eine Bageri mit tollem Kuchen (den wir uns für Stunden später zu Hause aufsparten und der dann natürlich <em>nicht</em> schmeckte), ein Elektrogeschäft, wo sie tatsächlich das gewünschte Kabel für nur 45 DKK hatten inklusive Smalltalk mit dem auf deutsch seine Lebensgeschichte verkündenden Ladeninhaber und ein Haushaltswarengeschäft, wo die Mutter zwei rosa angestrichene Blech-Blumentöpfe kaufte. In der Mitte des Ortes lagen die wesentlichen Einrichtungen: Kirche mit mächtigem Kirchturm, Rathaus (es tagt natürlich kein Rat mehr), Speicher, Hafen und Pølserbude. Doch zunächst weiteten wir unsere Runde in Richtung des östlichen Ortsteils aus. Gesucht wurde das schon bei den Vorbereitungen daheim im Internet entdeckte tolle Restaurant am Meer (Kongenæs). Es zeigte sich, dass es zentraler Bestandteil einer neueren Feriensiedlung war. Allerdings fanden wir alles wie ausgestorben vor. Anscheinend keine Saison. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir ein Betriebsgelände – eine Mischung aus Werft und Metallverarbeitung, wo auch niemand zu sehen war. Dafür überall entzückende Gerümpelhaufen aus Altmetall, die ungewollt aber gekonnt wie aufgestellte Kunstwerke drappiert waren. Wir gerieten in einen Fotorausch, schossen einen Film voll (hätte man früher so gezählt) und werden demnächst eine Auswahl davon Uli Möckel präsentieren, der eine ähnliche Sichtweise darauf haben dürfte. Nach Rückkehr und Abhängen machten wir zu Fuß eine Tour durch die Supermärkte von Stege. Zunächst das REMA1000, das zu den umgewidmeten Liegenschaften der Zuckerfabrik gehört und von uns bisher (Pfingsten) als Blumengeschäft angesehen wurde. Nein, es war ein Supermarkt, und kein schlechter. Wir kauften 4 Teile. Um ALDI auf der anderen Straßenseite machten wir einen großen Bogen, das Samstagabenderlebnis war so deprimierend, dass wir dort vorläufig nie wieder hin wollen. Super-Brugsen kannten wir schon. Nächstgelegen: NETTO. Diese Kette scheint sehr verwandt zu sein mit unserem Ost-Netto (gelb-schwarz, wie UHU) nicht zu verwechseln mit dem auch in Paderborn ansässigen gelb-roten West-NETTO (ehemals PLUS). Warum müssen diese Blödmänner ihren Läden immerzu Markennamen in Versalien verpassen? NETTO stand ALDI nicht viel nach und wir verließen es ohne zu kaufen. Hintenrum kamen wir beim Brauhaus durch den Hof und entdeckten die echten Brau-Anlagen nebst Ausschank, wo schon Leute saßen, u.a. eine Neger-Familie, die uns schon mal woanders aufgefallen war, der Mutter jedenfalls. Am östlichen Ende der Einkaufsmeile lag der Supermarkt Facta. Wir inspizierten ihn, übten aber Kaufzurückhaltung. Erst beim vierten Supermarkt – Kiwi – griffe wir wieder zu. Kiwi führte u.a. Maille-Senf, doch wir hatten schon welchen bei REMA1000 gekauft, der in die Richtung Bautzener ging. Zum Abend nahmen wir das Audiokabel aus Stubbekøbing in Betrieb und bereiteten das Abendessen: Nudeln mit Tomaten-/Paprikasoße und Salat.</p>
<h5>Mittwoch, 26. Mai 2010</h5>
<p>Sonnig, kalt, windig, aber nicht so „steif“ wie gestern. Es gelang uns, bei der Guldbageri jene legendären dänischen Blätterteigbrötchen aufzutreiben, die zusammen mit dem quietschsüßen zimtlosen Gebäck Grundbestandteil unseres persönlichen Dänemark-Mythos sind. Wie bei all unseren Mythen, erwiesen sich die Brötchen nun erheblich weniger legendär als in der Erinnerung. Trotzdem waren sie deutlich legendärer als alles, was in Paderborn zeitweise als sogenannte „dänische Brötchen“ im Handel war. In der Guldbageri, deren Verkaufsraum nicht größer als bei durchschnittlichen traditionellen mitteleuropäischen Bäckereien ist, hing über der Theke ein Flachbildmonitor mit Werbung für irgendwas: vielleicht Kino, Handwerk, Gartenbau. Auf dem Rückweg machten wir am Zuckerhafen noch ein paar schnelle Fotos von dem gefährlich dreinschauenden 1942er Schnellboot im, wie es selbst über sich auf einem draußen dranklebenden Zettel verkündet, Art-Déco-Stil. Zur Mittagszeit war die Wetterlage soweit entschieden, dass eine Radtour möglich schien. Allerdings grenzwertig: Der Wind hatte seit gestern von „steif“ auf „frisch“ zurückgestuft. Es war sonnig, aber kalt. Uns würde beim Radeln wärmer, hofften wir. Bis Nyord waren es ca. 14 Kilometer. Als nette Abschnitte behalten wir die 500 Meter Ulshave Strand und den danach folgenden sonnig-lichten Mischwald mit vielen sumpfartigen Stellen in Erinnerung. Unterwegs besichtigten wir eine heimatkundliche Scheune, in der bebilderte Tafeln Auskunft gaben über das harte Landleben auf Nyord von 1850 bis 1970, sogar in deutsch. Nyord City, ein winziges hügeliges Dorf am Nordwestrand der kleinen vorgelagerten und mit einer flachen Brücke seit 1968 verbundenen Insel hatte eine der unvermeidlichen Kunstgalerien, eine geschlossene Kirche (klassizistisches Oktogon, ungewöhnlich für ein Fischerdorf am Rand des dänischen Archipels) und einen verödeten Hafen, in der Fisch keine Rolle mehr spielte. Nur ein paar verlassene Segelboote lagen da. Wir fraßen ein paar mitgebrachte Haferplätzchen und traten den Heimweg an, diesmal auf einem unbefestigten Weg am Rande des Waldes. Die Mückenplage nahm von Kilometer zu Kilometer zu. Wir saßen voll davon und mussten schwer durch die Nase atmen, um nicht so viele zu verschlucken. Zurück in Stege, fanden wir es dort kälter als unterwegs. Wir kauften ein paar Ansichtskarten und eine Zeitung (unsere einzige Verbindung zum Weltgeschehen). Zu Hause gab es drinnen (der Balkon war voller Mücken) Salat mit Lachsbrot. Da man es trotz aller Wohnbehaglichkeit aus Angst, etwas zu verpassen, nicht für den Rest des Tages aushält, mussten noch mal raus. In Kalvehave war noch nicht alles zuende fotografiert, speziell die Dronning-Alexandrine-Bro von 1943. Wir parkten am Kreisverkehr und Kalle allein marschierte zur Brückenmitte um von oben den Hafen zu fotografieren. Dabei entdeckten wir die lange gesuchte und vermutete Fähre nach Lindholm. Ganz Lindholm ist eine veterinärbiologische Forschungsstation der Uni Kopenhagen. Wir vermuten, dass dort streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit übel genmanipulierte Fischsorten ohne Köpfe gezüchtet werden, da die Köpfe sowieso immer abgeschnitten werden.</p>
<p><strong>Karte an B.F.</strong> (historische Ansicht vom nicht mehr existierenden Speicher in Stege).</p>
<p>Tach, mein Dicker, du erhältst diese historische Karte mit einem Motiv aufgenommen vermutlich Ende der 1970er / Anfang 1980er Jahre, weil – ja weil nichts besseres zu finden war. Die beiden Pfeile weisen auf die einzigen davon heute noch existenten Gebäude hin: ein klassizistischer Verwaltungsbau aus königlichem Umfeld von ca. 1820 und der Turm der Kirche aus dem 15. Jahrhundert (in der Ortmitte). Alles andere ist weg. Auf dem Gelände des hohen Getreidespeichers ist jetzt ein Busbahnhof und ein schlimmer NETTO Supermarkt. Frachtschiffe laufen den Hafen auch nicht mehr an. An der Hafenmauer findet man drei fest liegende Schiffe, die aus touristischen Gründen etwas maritimes Flair verbreiten sollen. Nur wenig abseits unseres Ferienhauses steht ein riesiger, als Zuckerfabrik stillgelegter Industriekomplex in der Landschaft, mittlerweile umgenutzt zu zweifelhaften Einrichtungen wie Grafikwerkstatt, Bonbon-Manufaktur, Supermarkt, Disco, Muckibude. Große Teile stehen leer. Direkter Verfall macht sich an den Außenanlage bemerkbar. So gibt es zwei riesige Betonrampen mit flankierenden Becken, in den sich der Müll mit stinkendem, schlammigem Wasser vermischt. Aus den Fugen und Rändern wachsen Büsche, die Uhren haben keine Zeiger mehr oder stehen auf viertel vor vier fest. Es ist ein Jammer. Stege muss einen ziemlichen Niedergang mitgemacht haben. Der Hafen verödet, die Getreidewirtschaft beendet, die Zuckerfabrik aufgegeben. Wenn wir abends durch unsere großen Fenster auf die Stadtsilhouette blicken, sieht es eigentlich nicht schlecht aus. Einige der alten Gebäude sind angestrahlt, die Kirche leider nicht. Doch „los“ ist absolut nix. Das Café Laika direkt an dem Wasserarm mit der Drehbrücke scheint erst seit neuestem aufgehört haben. Es stehen noch Tische und Stühle auf der Wasserterrasse, als wäre vielleicht gerade Ruhetag. Man wünschte sich eine schöne offene, moderne Kneipe am Hafen, wo man hingeht, wo die Anlieger der Marina sich treffen, wo gute Musik gespielt wird und leckere Sachen angeboten werden. Doch nichts. Nach 18.00 Uhr ist Stege mit seiner geschichtlichen Kulisse (wir wollen das Prospekt-Gelaber vom mittelalterlichen Stadtbild nicht aufgreifen), 2 Bäckereien, 2 Buchhandlungen, 5 Supermärkten und vielen Klamottenläden wie tot. Außerdem hätten fast alle Läden eine Modernisierung nötig.</p>
<p><strong>Karte an Bohnenstrohs</strong></p>
<p>Ihr Lieben daheim, da euch diese Karte mal wieder dann erreicht, wenn wir längst wieder da sind und alles, wirklich alles ausführlich erzählt haben, schreiben wir an dieser Stelle nur das, was immer gilt: Herzliche Grüße von Dänemark zu Dänemark Amen. Fortsetzung folgt.</p>
<p><strong>Karte an Pralatbluhms</strong></p>
<p>Hi, da wir niemandem mehr, außer bekanntermaßen einem abgelegten Gelübde zufolge an euch, echte Karten schreiben, fangen wir also an: Unser Sommerurlaub ist zweigeteilt. Eine Woche Dänemark, 22. Mai und eine Woche Holland, 27. Juli. Wir wissen noch nicht, welcher schöner war. Aber stets das Schönste eines<em> jeden </em>Urlaubs, das steht schon fest: Es ist das hart gekochte Ei, das auf halber Strecke der Hinfahrt verzehrt wird, mit einem Brötchen und einer guten Tasse Bohnenkaffee gerne auch Coffee-to-go. Wenn es heftig regnet und wir das Auto vollkrümeln müssen, umso besser. Dieses rituelle Ei nun hatten wir jetzt leider vergessen, darum werden wir nach Holland ausnahmsweise zwei mitnehmen und eins hinter Bottrop und das andere kurz vor Utrecht verzehren. Bis dann, sagen Udo und seine Mutter. Fortsetzung folgt.</p>
<p><strong>Karte an Steinhövels</strong></p>
<p>Unser Wiedersehen mit Møn (1981) hat alte Eindrücke wiederbelebt oder infrage gestellt und zweifellos neue geschaffen. Wir sind geradelt und gewandert, haben geschaut und gekauft, gefroren und geschwitzt, erlebten Häfen, Kirchen, Pølserbuden, Klippen, Mücken, Kuchen, strengen Käse und Wind. Nun sind wir gespannt wie es euch erging, in Berlin. Fortsetzung folgt.</p>
<p><strong>Karte an Dave Allens</strong></p>
<p>Bei unserem Wiedersehen mit Møn mussten wir oft an euch denken. Zwar warst du, liebe Eriqua bei unserem damaligen Urlaub 1981 auf Bogø mit Fahrradausflug nach Møns Klint nicht direkt mit dabei, aber das Schicksal hat ja gerade dich nur kurze Zeit später an die Seite des Møn-Freundes gestellt. Wir denken an die Brücke von 1943, dessen Baujahr uns all die Jahre unvergessen im Gedächtnis lag, an den Pølser, den wir anlässlich einer Fähr-Fahrt nach Stubbekøbing kauften, vielleicht war es auch ein Eis und an die Baustelle der 1981 gerade entstehenden Farø-Brücke, die wie eine Miniausgabe der Köhlbrandbrücke in Hamburg aussieht, und die du, Dave Allen, damals im goldenen Abendlicht für immer dank deines selbst gebauten 600mm Objektivs in unsere Erinnerung gebrannt hast. Dafür danken wir euch. Fortsetzung folgt.</p>
<p><strong>Karte an Oppens</strong></p>
<p>Liebe Oppens, euch gilt unser besonderer Dank, denn ihr hütet und pflegt mit großer Sorgfalt, Können und Ernsthaftigkeit das heimische Anwesen, die Liegenschaft und die guten Beziehungen zu den geschätzten Nachbarn, sei es zu Friedrich, dem Hauptmann, zur Stute aus selbigem ehrenwerten Haus, zur kulturstiftenden Musikschule oder zu den neuen bzw. altbekannt-ans-Herz-gewachsenen Katzen. Zum Dank bringen wir euch was Schönes mit. Ihr dürft euch was wünschen: Entweder leckere Plätzchen, herzhaften Käse oder weltberühmte Pils-Spezialitäten. Fortsetzung folgt.</p>
<h5>Donnerstag, 27. Mai 2010</h5>
<p>Das Wetter war das bisher beste: Nicht kalt, keine Mücken, kein Wind. Wir fuhren nach dem Frühstück ohne Umschweife nach Møns Fyr, einem Zwergleuchtturm am südwestlichen Rand der Klinten. Dabei machten wir bei Sonnenschein die Fotos, die uns am Sonntag lichttechnisch nicht möglich waren bzw. die gewanderte Strecke war auch eine andere. Beim Geocenter kauften wir einen Kaffee und ein Softeis, als es just zur Pause etwas auffrischte. Den Rückweg nahmen wir am Fuß der Klippen auf dem schmalen Streifen Geröll. Man durfte nicht nach oben kucken, so erdrückend gefährlich wirkten die (nahezu losen?) Felsmassen über uns. Aber es ging keinsterlei Lawine runter. Wir „fanden“ mehr Steine, als wir tragen konnten. 500 m vor dem Fyr verpassten wir den Aufstieg und mussten, schwerbeladen mit unseren Fundstücken umkehren. Das Wetter hatte sich nun bedeckt. In diesem Zustand besichtigten wir „Schloss“ Liselund, heute ein Hotel in einem sehr weitläufigen hügeligen Parkgelände zwischen Klinten und Wald. Für unseren Geschmack etwas zu einsam und tot. In Stege zurück nahmen wir uns die Imbissbude am Hafen vor. Jeder fraß ein risted Hot Dog, dazu eine Flasche Carlsberg. Bevor wir die vier schweigenden, aber uns heftig anglotzenden Männer, die mit einem Lieferwagen gekommen waren, gekleidet in einheitlichen Anzügen in dänisch-Malocher-Blau (80% Cyan, 20% Magenta, 15% Yellow, 20% Schwarz) am Nebentisch sitzend, fotografieren konnten, waren sie fertig mit Fressen und wieder verschwunden. Der Nachmittag ging bei gebessertem Wetter mit Lesen und Ansichtskartenschreiben vonstatten. Ein Abendspaziergang führte uns über das trostlose Zuckergelände und durch Ortsrand-Gestrüpp ans Ufer. Wir beobachteten ein paar dicke Schnecken und bekamen davon auf der Stelle einen leichten fiebrig-rötend-nässenden Ausschlag.</p>
<h5>Freitag, 28. Mai 2010</h5>
<p>Heute also der große Kopenhagen Tag. København. Die Planung war bis 9.00 Uhr noch unklar: Mit dem Auto bis wohin: a) in die City, b) bis zum südlichen Vorort Hvidøvne? Und dann weiter in die City: c) mit dem Fahrrad, d) mit der Bahn. Oder gar nicht Kopenhagen, sondern Malmö in Schweden. Wieder das gleiche Fragespiel: e) durchgängig mit dem Auto (mindestens 76 € über die Öresundebrücke) f) mit der Bahn ab Hvidøvne (Preis unbekannt), und was dann dort machen: g) Variante Auto: Erst Stadt, dann IKEA, h)Variante Bahn: nur Stadt, und dann?</p>
<p>Entschieden wurde das Dilemma durch das Wetter: Ab 8.00 Uhr wurde der Dauerregen nur durch heftige Schauer aufgelockert. Wollen wir nass triefend mit derben westfälischen Anoracks in schicke Budiken einfallen? Wollen wir uns in nie zuvor gehörten Museen abstruses Zeug namens „moderne Kunst“ antun? In der Frage liegt die Antwort.</p>
<p>Bis 12.00 Uhr regnete es, und dann wurde es doch noch schön. Wir brachen sofort auf nach Præstø, welches in einem Prospekt als extrem „romantic“ bis „medieval“ gepriesen wurde, Heimat von so dollen Promis wie Thorwaldsen, H.C. Andersen und XY Grundvig. Dazu malerisch in einer Bucht gelegen mit umtriebigem Segelhafen und quirliger Innenstadt. War es so? Auch hier liegt in der Frage schon die Antwort. Um dem Nachmittag noch eine Wendung zu geben, fuhren wir auf dem Rückweg einen Schlenker über Vordingborg, einer der zentralen Wiegen des Dänentums im Mittelalter, neuerdings mit Dokumentationsstätte zu diesem Thema namens „Det nye Danmarks Borgcenter“. Vordingborg war durchaus nicht ungebirgig. Wir explorierten die City, das Burg-Areal, den Segelhafen und zögerten bei der Entscheidung über die Einkehr in eine Fisch-Imbissbude. Auf Fototafeln konnte man die diversen erhältlichen Variationen von Schnellfisch studieren. Wir kamen zu der Überzeugung, dass die Bude zu den Zweifelhaftesten von ganz Sjaeland gehört und ein Verzehr eine sofortige, also noch während des Essens eintretende Reue nach sich zöge. Zumal der Fraß, wie alles in Dänemark, auch nicht grade umsonst zu haben war. Eine weitere Kneipe am Hafen sah einladender aus, hatte aber keine leicht verständliche Speisekarte, so dass die Bestellung dort schwierig bis missverständlich ablaufen würde (Kognitive Dissonanz). Zudem saß draußen auf der Terrasse ein sehr bräsig-mürrischer Deutschen-Hasser, der uns mit seinem verachtenden Blick vertrieb. „Wir stellen uns vor ihn, fotografierten ihn mit der Szene und zeigten im Abgang einen Stinkefinger.“ Leider stimmt dieser Satz nicht ganz. In Kalvehave, wo wir anschließend durchkamen, zeichneten sich auch keine entscheidenden Veränderungen ab, so dass wir den Ort schnell wieder verließen. Zu Hause stand ein „kurzer“ Einkauf an, der sich leider hinzog, weil es nicht gut lief. Bei Super-Brugsen war das gute Mineralwasser aus und bei REMA1000 gab es keine Remoulade in Tuben. Dank dieser Kausalitäten verschob sich der geplante letzte Strandspaziergang bei Råbylille soweit nach hinten, dass wir ihn nur mit Ach und Krach kurz vor Einsetzen des nachfolgenden eiskalten Regenschauers hinbekamen. Kalt genug war es sowieso schon geworden, dazu dunkel, als wolle es Abend werden. Nach dem Abbauen der Fahrräder und anschließenden Abendessen um 20.00 Uhr wurde es überraschend wieder schön, und es zog uns sofort raus zum heute beginnenden Støttefest in der Steger Innenstadt. Bier 0,3 sowie Bockwurst je 30 Kronen = 3,90 €. Dänen, die in Deutschland Urlaub machen, können es wahrscheinlich gar nicht fassen, wie billig es bei uns ist. Nur machen Dänen keinen Urlaub in Paderborn. Noch vor Rückkehr war es mit der Schönheit wieder vorbei, Kälte, Regen und Wind setzten ein. Aber das war uns nun alles egal.</p>
<p><strong>Karte an Ulkers</strong></p>
<p>Liebe Magdalena, lieber Rolf,</p>
<p>Ein schöner Urlaub ist das bisher. Und wir denken an euch. Denn in eurer gepflegten Limousine erreichten wir auf dem Rückweg unseres Ausflugs zu den Kreidefelsen „Møns Klint“ im Frühjahr 1981 während jenes unvergessenen Urlaubs in Begleitung eures lieben Bruders und Schwagers Bernward das malerische Hafenstädtchen Stege, das natürlich anders ausgesprochen wird, und folgten deiner Ermunterung, Magdalena, hier in der Agentur direkt nach einem Sommerhus für den folgenden Sommerurlaub zu fragen und gleich zu buchen, womit der Grundstein unserer Dänemark-Treue gefestigt wurde. Die Agentur haben wir unverändert wiedergefunden, sie heißt Dan Bolig und kümmert sich nun eher der Kaufvermittlung von Immobilien, was in Dänemark weder anrüchig noch ungewöhnlich scheint, denn hier ist jedes zweite Objekt „Til Salg“ wie der Däne sagt, weil er sehr umtriebig ist und alle zwei Jahre Hab und Gut verkauft und weiterzieht. Fortsetzung folgt.</p>
<h5>Karte an Claudia W.</h5>
<p>Liebe Claudia, viele Grüße aus Dänemark, oder wie man hier schlicht sagt: Hej!</p>
<p>Nun zu dir. Hattet ihr bei euch schon Schützenfest, oder kommt das noch? Oder genauer gefragt: Warst du schon mal Hofdame, Prinzessin oder Königin? Ich nicht. Meine Eltern waren keine Schützenfest-Freunde, und das hat sich auf uns 5 Kinder ausgewirkt. Keiner von uns hat was für so was was übrig. Wir essen übrigens alle gerne ein Stück Wurst, das haben wir von Vater, der früher, wenn es gut lief, bis zu 30 Schweine pro Winter schlachtete und zu Wurst verarbeitete. Blutwurst, Leberwurst, Sülze, was du willst. Italienische Salami war leider nicht seine Stärke. Macht nix, die kaufen wir heute als Salame Abruzzese bei Müller und schneiden sie nicht auf die Klappstulle, sondern servieren sie als Überraschung mit den Worten: hier kommt ein „Gruß aus der Küche“, weshalb sie im internen Sprachgebrauch nur noch Grußwurst heißt. Alles weitere demnächst, deine Brigitte.</p>
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		<title>2010 Castricum, Noord Holland</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jul 2010 18:31:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Urlaubsgeschichten]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<h5>Juli 2010, Eine Woche neben der Pommesbude</h5>
<p><span id="more-237"></span></p>
<p><strong>Prolog</strong></p>
<p>Castricum kannten wir nur von der Lage her, und den Bahnhof, von wo wir 2005 im Rahmen eines Kurzurlaubs in Heemskerk mal mit der Bahn zu einer Rundreise &#8220;Castricum – Haarlem – Amsterdam – Castricum&#8221; gestartet waren. Warum Castricum, und warum nur eine Woche? Eigentlich zwei Wochen auf Ile de Ré. Super Haus, leider nix mehr frei oder nur eine Woche oder ehrlich gesagt zu teuer. Darum wurde für den Zeitraum Ende Mai dann ersatzweise Stege/Møn gebucht. Damit war das Thema Sommerurlaub erst mal aufgeschoben. Nun drohte es Juli zu werden, und wir hatten noch nix. Lange kreiste das Suchen um die MV-Ostseeküste von Boltenhagen bis Usedom. Wir bekamen nur ein einziges freies Angebot rein: Zahren am Zahrener See am Rande der bewohnten Welt. Irgendwann stolperten wir über Castricum beim Anbieter TUI. Wir hätten selbst nicht geglaubt, soweit sinken zu können. TUI !</p>
<p>Von Anfang Juni bis Mitte Juli herrschte, während der Fußball-WM in Südafrika, in Deutschland eine große Dürrekatastrophe, die einen Mitte Juli soweit hatte, dass man sich Temperaturen unter 25 Grad nicht mehr vorstellen konnte. In dieser Geisteshaltung packten wir die Koffer. Außer warme Klamotten nicht für nötig zu halten, wichen wir auch sonst von unserem gewohnten Mitnahme-Niveau ab. Das Auto blieb halbleer.</p>
<p><strong>Samstag, 17. Juli 2010</strong></p>
<p>Als Hinfahrt entschieden wir uns für die Nord-Route: Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Hengelo, Amersfoort, Hilversum, Amsterdam. Bis dahin klappte es noch reibungslos. In Höhe von Muiden erinnerten wir uns an den völlig vergeigten Abstecher auf der Hinfahrt zu oben besagtem Kurzurlaub. Bei Wormerveer verließ uns die Orientierung und wir drehten eine Runde durch Zaanstad-hinten. Ganz nett, aber unnötig. Irgenwann fanden wir auf den rechten Pfad zurück. Wir fanden unser Haus im absoluten Mittelpunkt von Bakkum, einem zu Castricum gehörenden Dörfchen mit Nordholländisch-waldigem Grundcharakter. Es lag direkt, wie in der Reiseanfahrtsbeschreibung angegeben, neben der Pommesbude (Frituure, wie man hier nicht sagt) de Klomp (der Holzschuh) und gegenüber des angeblichen Zweisterne-Restaurants APICIUS. Das Apicius hätte vom äußeren Eindruck her sofort unser Lieblingsrestaurant werden können, wenn da nicht die Menüpreise wären. Vorspeisen 20,00 bis 28,00,  Hauptgericht 40,00 &#8211; 65,00 . Man würde sehen. Japp, der Eigentümer, begrüßte uns und schlug englisch als Verkehrssprache vor, was uns recht war. Er gab ein paar Statements ab und erklärte das W-LAN für nutzungsbereit, was uns sehr recht war. Später überraschten wir ihn mit den üblichen 3 Flaschen Paderborner Pils und zwei tollen Paderborn-Prospekten in Niederländisch.</p>
<p><strong>Das Haus</strong></p>
<p>Wir wollen das Meckern für heute auf das Allernotwendigste beschränken: Sehr knapper Hausrat, wenig Stauraum und vor allem Null Außengelände. Der winzige eingezäunte Vorgarten enthält keinen Sitzplatz, sondern nur ein Mini-Buchsbaum-Zwerg-Labyrinth. Hinten, wo Platz ist und es etwas privater zugeht, wohnt Japp selber. Im Regal wurde das unvermeidliche Gästebuch bereitgehalten, in welchem die üblichen verlogenen Lobhudeleien verfasst sind: &#8220;Traumhafter Urlaub, Phantastisches Haus, Unvergessliche Wochen, wir kommen wieder! Japp, du bist der Größte&#8221;, und ähnlicher Mist. Wir selbst werden am Ende auf diesen unseren Blog verweisen.</p>
<p>Auf dem Bett im Schlafzimmer lag eine rote Rose, wie auf einem Grab. Überhaupt handelte es sich wohl um das Rosenzimmer resp. &#8220;Rozenkamer&#8221;: Rosentapete, Gardine, Bettdecke, Gemälde, künstliche Blumen. Betten sind in jedem Haus und in jedem Urlaub ein kritischer Punkt. Was haben wir schon alles erlebt: &#8212; &#8212; &#8212;</p>
<p>Nach den Ankommensritualen war zügiges Einkaufen das Gebot der Stunde. Wir fuhren mit dem Auto nach Castricum City und fanden einen (Vorsicht: Holländische Öffnungzeiten, es war 17.30 !) Deen Supermarkt. Kein Discounter, sondern so ähnlich wie Super Brugsen in Dänemark, aber, verglichen mit deutschen Märkten, durchaus preiswert. Da war uns also mal einer der erwarteten Reinfälle erspart geblieben. Daheim tranken wir Kaffee, fraßen ein Hasenbrötchen und machten uns zur ersten Radtour auf: nach Castricum aan Zee, welches nur aus einem Strandzugang hinter den Dünen plus ein paar saisonalen Strandcafés bestand. Es blies ein beachtlicher Wind, schätzungsweise 5 Bf, die Kite-Surfer praktizierten angewandtes High-Flyen. Nach 500 Metern Tigern in südlicher Richtung drehten wir um und kehrten noch im &#8220;Zeezicht&#8221; ein – jeder ein echtes Heineken. Allgemein herrschte leicht beschwingte Wochenend-Atmosphäre. Viele mussten nicht aufs Geld kucken und kamen mit ganzen Clans zu Essen. Wie immer am Anreisetag, war nur noch leichtes Abhängen daheim möglich bei einem Amstel und einem mitgebrachten Paderborner. Fotogelegenheiten hätte es gegeben, allein die Kamera hatten wir vergessen.</p>
<h5>Sonntag, 18. Juli 2010</h5>
<p>Den ganzen Tag Super Wetter. Die Mutter stellte einen im Schuppen gefundenen Gartenstuhl in das Vorgarten-Zwerglabyrinth, zum Kaffeetrinken und Lesen. Nach dem Frühstück ging es nach Castricum City, dort war ein Touristenmarkt angesagt. Gedöns, Tinneff, Klamotten, Fressen, wie solche Märkte so sind. Für Udo gab es eine ANWB-Fietskaart, Gebiet Noord Holland Zuid. Damit wäre die Planung der Radtour nach Amsterdam einen entscheidenden Schritt weiter. Auf dem Markt gönnten wir uns ein Pfund dunkelrote, dicke Kirschen, die auf der Geschmacksskala bei ca. 70% lagen. Nach Umwegen über die Castricumer Außenbezirke (langweilige Planstadt der 70er Jahre) erreichten wir wieder unser Haus an der Frittenbude und schlugen zu: Frietjes bestellt &#8211; nix verstaan. Holländer sagen P&#8217;taat Friet. Ok. Mit Pindasaus und Mayonais. Das Haupt-Tagesprogramm wurde nach einer ausgiebigen Mittagspause gestartet: Mit dem Rad durch das Noord-Hollands Duin Reservaat nach Wijk an Zee, dem südlichsten Badeorte an der Noord-Holländisches Nordseeküste, fast direkt an dem riesigen Stahlwerk-Komplex an der Ij-Mündung vulgo Ijmuiden. 100 Meter vor dem Ziel stand eine Promotion-Truppe, zwei Kerle mit einem Pick-Up, auf dessen Ladefläche ein Haufen eisgekühler Getränkedosen mit irgendeinem Isotonischen Gesöff lag. Jedem Vorbeikommenden drückten sie zwei Dosen in die Hand. Normalerweise sind wir misstrauisch und lehnen stets ab. Das heiße, sonnige Wetter und der beschwerliche Hinweg bei Gegenlicht, Gegenwind und Gegenverkehr hatte uns jedoch leichtsinnig und gierig auf umsonstene eisgekühlte Erfrischungen gemacht und so griffen wir mit einem &#8220;Bedankt!&#8221; zu. Udo hatte eins mit rötlicher Färbung erwischt und wusste sofort: &#8220;Mach ich nich&#8221;. Es schmeckte wie es aussah, quietschsüß nach künstlichen Aromen von Symrise aus Holzminden und flog leider in den Müllcontainer der nächsten Pommesbude. Eine Minute später renkte sich die Mutter beim Absteigen vom Rad den Rücken so schlimm aus, das Krankenwagen und Abreise ein realistisches Szenario bildeten. Wir schlichten 50 Meter über den prallvollen Strand und kehrten dann in einer windgeschützten Bude ein. Die Appelschorle der Mutter schmeckte nach Seife und musste reklamiert werden. Leider verstand uns der Kerl von der Bude falsch und glaubte, wir hätten am Mischungsverhältnis von Appelsap und Spa-Water was auszusetzen. &#8220;It tastes like soap&#8221; bzw. &#8220;Dat smaakt naar Zeep&#8221;  konnte er nicht nachvollziehen. Aber egal. Irgendwie schaffte die Mutter den Rückweg tatsächlich noch mit dem Rad. Der Abend verlief ruhig. Der Touristenmarkt in Castricum war bis auf eine mobile Bühne mit lautstarker Coverband und Jungvolk als Publikum beendet. Wir nahmen von außen zwei weitere Liebingsrestaurants in Augenschein: Das &#8220;Jasmin Garden&#8221; China und das Mezza Luna (Italo). Doch Vorsicht: Der Titel &#8220;Lieblingsrestaurant&#8221; ist bei uns schnell vergeben, aber auch schnell wieder entzogen. Das Jasmin Garden fiel morgens auf, weil es sich große Mühe im &#8220;Chinesisch-Aussehen&#8221; macht, mit viel Ornamentik drumrum und einer schönen Terrasse an einem idyllischen Wasserarm vor der Terrasse. Sowohl mittags als auch abends sahen wir jedoch nie einen Gast drin oder auf der Terrasse. Wenn sich da nichts entscheidend ändert, werden wir dort kein einzigen mal Essen gehen.</p>
<h5>Beobachtungen am Point of Sale</h5>
<p>1. Während des vormittäglichen Besuchs des sonntäglichen Kraam-Marktes kauften wir der Mutter einen Fummel, den sie in spontaner Wunschbildung nach dem Muster &#8220;Ich-will-auch-mal-was-Schönes&#8221; ausgekuckt hatte. Die Preisverhandlungen erwiesen sich als schwierig. Trotz dreier Versuche in Englisch, Deutsch und Niederländisch war der Kaufpreis minus Rabatt nur zu ermitteln, indem die entnervte Verkäuferin ihn schließlich auf einen Zettel schrieb, wie für Taubstumme. Das Problem lag auf ihrer Seite: Obwohl ihr äußerlich um die Fresse nichts anzusehen war, insbesondere also die charakteristische tiefe, bis in das linke Nasenloch hochlaufende Spalte in der Oberlippe völlig fehlte, gerierte sich ihre Lautbildung eindeutig nach Art der Hasenscharte, kongenial potenziert durch eine  mit 0,0001 Dezibel vorgetragene Mäuschen-Pieps-Stimmlage. Der Fummel kostete einen zweistelligen Betrag Komma 50.</p>
<p>2. Uns gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt der &#8220;Warme Bakker&#8221;, mit Verkaufsargument &#8220;ambachtelijk&#8221; also handwerklich. Doch die Wahrheit ist: Holländisches Brot und Brötchen sind eine einzige Katastrophe, daran ändert auch dieser Bäcker nichts. Sie können nur eins: Variationen von Watte, außen braun und innen weiß. Jedes deutsche Rosinen-Milchbrötchen erscheint uns dagegen als Prototyp krachender Knusprigkeit. Nun sind wir aber auf diesen einen Bäcker auf Gedeih und Verderb angewiesen. Also fassten wir nachmittags ein Herz und wollten ein Standard-Gebäckstück kaufen: Eine Appelflappe. Selbstverständlich hat der Bäcker montags nachmittags geschlossen.</p>
<h5>Montag, 19. Juli 2010</h5>
<p>Super Wetter. Wir lungerten am Haus rum, tranken im Kaffee im Zwergen-Buchsbaum-Labyrinth und beobachteten die Umwelt: die Nachbarn, die zum-Strand-Radler, die Frittenesser. Gegen 14 Uhr brachen wir auf zur Radtour. Die Mutter war wieder soweit radelfähig. In einem schönen, aber weit ausholenden Umweg fuhren wir auf kleinen Wegen über Castricum und Uitgeest zum ersten Ziel nach Akersloot. Von Akersloot hatten wir uns einiges versprochen, aber außer einer durchschnittlich netten Dorfatmosphäre war nichts Spektakuläres zu entdecken. Heute fuhren wir nicht von Paddenstoel zu Paddenstoel (pilzförmige Wegweiser mit absoluter, 5-stelliger Nummerierung), sondern nach dem Knoop-Punt-System (zweistellige Knotenpunkt-Nummern, die, weil nur zweistellig, sich irgendwann wiederholen, jedoch nicht in direkter Nachbarschaft. Es wirkt wie ein natürliches Navi. Man kann blind nach ausgewiesenen Nummern fahren, vorausgesetzt, man hat eine Karte dabei, in der sie verzeichnet sind. Wir genossen das extem-holländische Flair der flachen Landschaft mit Gräben, Wasserflächen und Kanälen. Aufgeräumte Dörfer, Individualität und Einzigartigkeit als höchstes Audrucksziel in der Architektur und in den Gärten. Nördlich von Akerslot querten wir den Kanal von Amsterdam nach Alkmaar mit einer kleinen Fähre. Fahrzeit 2 Minuten, Fahrpreis 1 Euro. Der schönste Moment der Tour. Weil wir noch bei Kräften waren, beschlossen wir, noch nicht zurückzufahren, sondern Alkmaar zu besuchen. Es wurde immer heißer, und wir erreichten Alkmaar leicht angeschlagen. Beim Käsemuseum ketteten wir die Räder an und drehten zu Fuß eine sehr oberflächliche Runde durch die City. Über die Einkehr in irgendeinem Systemrestaurant wollen wir lieben den Mantel des Schweigens und des Vergessens breiten. Die eiskalte Cola war noch das beste. Etwas orientierungslos verließen wir die Stadt wieder zunächst in der falschen Richtung (Nordwest &#8211; Bergen), merkten das aber hinter dem Bahnübergang und kriegten über den westlichen Innenring noch mal die Kurve. Die Rückfahrt war wesentlich kürzer, da wir den direkten Weg über Heiloo und Limmen nahmen.</p>
<h5>Dienstag, 20. Juli 2010</h5>
<p>Nix. Oder besser fast nix. Wir hockten überwiegend daheim, lasen, tranken viel Koffie, beobachteten den warmen Bakker, präziser gesagt die warme Bakkerin, welcher wir schon aufgefallen war und die uns beim Kauf von Brötchen besonders ansprach, wir schauten aus nach den Pommesbudenkunden und den Warteschleifen-Flugzeugen auf ihrem Weg nach Schiphol. An der Pommesbude war heute nicht viel los.</p>
<h5>Mittwoch, 21. Juli 2010</h5>
<p>Der Amsterdam-Tag. Wie immer ist es schon dann am schönsten, wenn noch glaubt, das Eigentliche käme noch. Das Wetter war im landläufigen Sinn noch ok. Wir beschlossen, nicht von hier aus loszuradeln und mit der Bahn zurück, sondern ein Stück mit dem Auto zu fahren und einen Rundkurs zu fahren mit Amsterdam in der Mitte. Unter vielen möglichen Strecken wählten wir so eine aus, die abwechslungsreich zu werden versprach mit Natur, Wohnen am Wasser, Bahn und Kanallandschaft. Mit dem Auto ging es ein ziemliches Stück nach Purmerend, eine typisch holländische Stadt mit Kanal, Brücken, Autobahn, Bahnlinie, altem Kern und ausgedehnten Planstadt-Vierteln. Beim Losradeln wussten wir schon, dass wir bei Rückkehr in der Kneipe &#8220;de drie Zwanen&#8221; einkehren würden. Aber zunächst ging es durch die südlichen neueren Ortsteile.</p>
<p>Hier fiel uns auf, was wir schon öfter beobachtet haben: Die ganz neuen Siedlungen sind sehr systematisch angelegt: Multiplizierte Individualität. Der jeweilige Bautyp soll sich von anderen durch ungewöhnliche Formen unterscheiden, sogar auffallen. In der Siedlung wird dieser Bautyp dann vielfach wiederholt. Das heißt zum Beispiel: alle haben das gleiche schräge Dach unc den gleichen Terrassenplatz. Manchmal wechseln sich zwei Typen ab. Die Siedlungen haben eine komplexe Infrastruktur, was Verkehrsanbindung und Lage an Wasserarmen betrifft. Die Massenhaftigkeit befremdet etwas. Schöner sind die jahrzehntealten Siedlungen, die keiner einheitlichen Planung unterlegen waren, sondern bei denen Individualität und Originalität das wesentliche Merkmal sind. In Noord Holland kommt immer die besondere Lage an Wässern und Kanälen hinzu, die das besondere Flair ausmachen.</p>
<p>In einem Naturschutzgebiet ohne jede Bebauung machten wir eine kurze Picknick-Pause. Kurz vor Amsterdam verfuhren wir uns kurz, aber während man so am Straßenrand steht und in der Landkarte rumstochert, kommen oft freundliche Holländer und versuchen zu helfen. Schneller als gedacht standen wir dann nördlich vom Ij und schauten auf die Fähren und die Centraal Station auf der anderen Seite. Nach Amsterdam wollten wir die Räder nicht mitnehmen, und so schlossen wir sie an einem Straßenschild an. Am Bahnhof drüben bestaunten wir zunächst die vielen Fahrräder und strebten dann zu Fuß ausgerechnet über dem Dam Rak Richtung Innenstadt, was sich als reichlich doof erwies. Den der Dam, die einstige Pracht- und Flaniermeile, war nur noch ein Schatten ihrer selbst und stank nach Großstadt-Bahnhofsviertel. Erst als wir nach Westen schwenkten in Richtung Heren- Prinsen- Keizersgracht, wurde es besser. Wir kauften nichts, kehrten nicht ein und erreichten zügig wieder den Bahnhof, um über das Ij zu setzen. Amsterdam zum Abgewöhnen. Das Ergebnis mangelnder Reiseplanung. Für den Rückweg nach Purmerend nahmen wir die direktere Route immer am Kanal entlang, ohne auch nur einmal abbiegen zu müssen. Die Kneipen lagen alle auf der anderen Kanalseite. Endlich bei den drie Zwanen angekommen, erkundigten wir uns nach Kuchen und bekamen Soes empfohlen, die sich als Windbeutel erwiesen. Den abschließender Bummel durch Purmerends City hätten wir uns sparen können. Auf der Auto-Rückfahrt nach Bakkum hielten wir noch mal in Zaandijk an, wo wir unvorbereitet auf einen breiteren Wasserlauf mit 5 alten Windmühlen und historischer Randbebauung aus dem 18. Jahrhundert stießen. Wir parkten und folgten zu Fuß dem Hinweis auf eine Fußgängerfähre, die wir aber an der passenden Stelle dann übersahen und so auf der Suche danach noch unnötig weiter liefen, bis es keinen Sinn mehr machte. Rund um die große Klappbrücke in Zaandijk standen diverse Gr0ßbetriebe der Lebensmittelindustrie und verursachten einen undefinierbaren Gestank, der uns schnell vertrieb. Wegen einer Baustelle auf der Schnellstraße nach Wormerveer verfuhren wir uns und kurvten noch eine Weile durch so ein weitläufiges 1970er/80er Wohngebiet mit viel Wasser und vielen Brücken. Sehr weit ausholend kamen wir irgendwie wieder über Uitgeest in Castricum an. Nach einer Erholungsphase machten wir weit nach 20.00 Uhreine zweite Radtour, die uns uns noch mal an den Strand führte, mit einem Heineken bei &#8220;Zeesicht&#8221; als Tagesabschluss.</p>
<h5>Donnerstag, 22. Juli 2010</h5>
<p>Der Haarlem-Tag. Nicht mit dem Rad, sondern mit der Bahn, damit wir nicht wieder verschwitzt-verschmiert ankommen und schon aus dem Grund keinen Laden und kein Museum betreten können. Unter ns.nl hatten wir die Abfahrtszeiten und Preise recherchiert. Immer um .56 und .26 war Direkt-Anschluss nach Haarlem möglich. Als wir gerade zum Bahnhof abmarschieren wollten, kam ein Anruf: Der Kunde, der Fehler, der Änderungswunsch: sofort. Also fuhren wir 13.26. In Haarlem war es warm und wir zu dick angezogen. Wir erkannten erst mal nichts wieder &#8211; schließlich ist es 5 Jahre her, dass wir das letzte mal in Haarlem waren. Es gab noch mehr Läden als damals. Und keine große Ketten, sondern viele viele kleine. Und nicht arm und schäbig, sondern interessant und nett. Wir fanden in der Zijlstraat das Hotel von 19xx wieder (muss noch recherchiert werden, für später in der Abteilung Hotelgeschichten). 2005 war es gar nix, jetzt immerhin wieder ein Hotel. Irgendwie gerieten wir Richtung Frans-Hals-Museum. Auf der anderen Straßenseite lag ein sogenanntes Architektuur Museum, und weil der Eintritt umsonst war, nahmen wir es mit. Sie hatten eine halbschöne Fotoausstellung mit neueren Straßenansichten. Gegenüber bei Frans Hals hatten sie die normalen Eintrittspreise reduziert und es gab ein Wiedersehen mit den Bildern, die wir dort schon öfter gesehen haben. Höhepunkt des Haarlem-Aufenthalts war eine spontan-geplante Einkehr in einem sehr ruhigen (wir die einzigen Gäste) Straßencafé am &#8220;Koudenhorn&#8221; an der Spaarne. Die Mutter fraß ein Stück huisgemaakte Appeltaart (Eine Bombe aus Zimt und Rosinen) und Udo ein belegd Broodje mit oude Boerenkaas. Im Blickfeld tummelte sich ein britischer Clan mit einem Brautpaar im Mittelpunkt. Unser Augenmerk lag auf stabilen holländischen Fahrrädern mit Front-Ladefläche à la Bäckerjunge. Immer noch nichts kaufend machten wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof, und um 17.12 saßen wir im Zug nach Castricum. Lag es an der Gewöhnung oder am geringen Wochentags-Gästaufkommen? Jedenfalls stellten wir fest, dass das Geschehen an der Pommesbude und heute nicht so in den Bann zog, wie sonst. Nach 20.00 Uhr radelten wir zum Strand. Wir nahmen eine Abkürzung, die uns 2,6 Kilometer und 10 Minuten extra kostete, mehr noch: Es war geradezu unheimlich-bedrohlich. Denn die Abkürzung führte über das Gelände eines psychiatrischen Sanatorium-Komplexes, der zwischen Bakkum und den Dünen liegt. Unzählige weit verstreute Gebäude, eingebettet in eine Landschaft, die von Park-artig zu Wald-artig tendierte. Die meisten Gebäude runtergekommen, beschädigt, mindestens renovierungsbedürftig. Wenige Menschen, und wenn, dann gestört oder behindert. Das Wegenetz erwies sich als Labyrinth, aus dem wir fast nicht mehr rauskamen. Später am Strand wanderten wir 1 km erstmals nach rechts. Nach Rückkehr zum Eingang zwischen den Strandcafés Zeezicht und Zoomers warteten wir den klassischen, lupenreinen Sonnenuntergang ab, den man mit Glück nur einmal pro Urlaub erlebt, bevor es frierend auf dem direkten Weg heim ging, immer hinter Leuten her, die mit funktionierendem Licht ausgerüstet waren.</p>
<p>Freitag, 23. Juli 2010</p>
<p>Es war noch Zeit für drei Radtouren: 1. Gegen 11.00 Uhr an den Strand. Um 12.30 mit dem Auto östlich von Alkmaar, von dort mit dem Rad nach Hoorn am Ijsselmeer an so&#8217;m kleinen Kanal entlang, dessen Wasserspiegel deutlich sichtbar höher lag als das flache Land ringsum. wir brauchten 1, 5 Stunden hin und 1,0 Stunden zurück, weil es zurück kein Picknick und fast keine Fotopausen gab. In Hoorn erinnerten wir uns an den Aufenthalt vom 18.6.1982 mit dem Messdiener D. auf der großen Holland-Tour von Nieweschans über Groningen, Leeuwaarden, Hoorn, Amsterdam, Raamsdonksveer, xxx, Venlo, Duisburg. Wir erkannten nichts mehr wieder, auch nicht das Hotel. Wir haben auch keine Vorstellung mehr, was und wie wir damals gegessen haben und wie es uns gelungen ist, ohne Radwegesystem, nur mit einer Ganz-Holland-Karte 1:300.000 ausgerüstet, den Weg zu finden. In Hoorn picknickten wir an der Corniche und tigerten dann noch die Fußgängerzone rauf und runter. Die Mutter kaufte wiederum ein Kleid. Damit sind wir zwei Kleider im Rückstand, denn in Amsterdam und in Haarlem haben wir keins gekauft. Für den Rückweg nach östlich von Alkmaar zeichnete sich keine alternative Strecke ab, und so nahmen wir den gleichen Weg wie hin. Danach waren wir kaputt und verzichteten auf touristische Rahmenprogramme und Abstecher. Die dritte Radtour ging noch mal zum Strand, wo wir sofort und ohne Umweg bei Zoomers einkehrten, wo wir jeden Tag vorbeigegangen sind und jedesmal das verlockende Schild gelesen haben: Een Pannetje von heerlijk verse Mosselen met Frietjes en Sla. Die wollten wir jetzt haben. Leider waren die Mosselen angeblich aus und wir wichen aus auf: Kip Saté (die Mutter) und Rib Eye Steak (Udo). Die Beilagen waren: dicke Frietjes, Tomaten mit Schafskäse und Pinienkernen, Spaghetti, grüne Bohnen, Erbsenschoten und ein Rosmarinzweig. Wir sprachen über den zu schnell zu Ende gehenden Urlaub, das bevorstehende Liborifest, den Oppa und die Heimfahrt. Nach dem Kaffee wurde es deutlich kalt und windig. Ein klassischer Sonnenuntergang war nicht zu erwarten. Wir radelten wieder nach Bakkum mit dem festen Vorsatz: Wir kommen wieder &#8211; vielleicht auch mal schnell zwischendurch.</p>
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		<title>Gilleleje, Sjæland, April/Mai 2005</title>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 16:34:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Urlaubsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Maritimik und Skandinavik Prolog Machen wir es kurz. Der Prolog müsste in wesentlichen Teilen dem vor einem Jahr Verfassten entsprechen, und diese Armseligkeit zu wiederholen wollen wir uns ersparen. Alles Vorgenommene ist auch ein Jahr später nicht geschafft. Unverbesserlicherweise haben wir uns auch für diese eine Urlaubswoche alles erneut vorgenommen, und noch viel mehr: Radfahren,...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Maritimik und Skandinavik</h5>
<p><span id="more-229"></span></p>
<h5>Prolog</h5>
<p>Machen wir es kurz. Der Prolog müsste in wesentlichen Teilen dem vor einem Jahr Verfassten entsprechen, und diese Armseligkeit zu wiederholen wollen wir uns ersparen. Alles Vorgenommene ist auch ein Jahr später nicht geschafft. Unverbesserlicherweise haben wir uns auch für diese eine Urlaubswoche alles erneut vorgenommen, und noch viel mehr: Radfahren, mehrere Kopenhagen-Besuche, eine ausgedehnte Schweden-Rundreise, das Erstellen von Welt-Literatur, Klamotten-Kaufen, Ausschlafen, Fotografieren, die Funktionsweise von iTunes kennenlernen, die seit Ende Februar gestapelten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitungen lesen, etc. Schon beim ersten Punkt kapitulierten wir, in dem die Fahrräder gleich zuhause blieben. Bei der Auswahl des Hauses taten wir uns schwer. Stunden- und tagelang surften wir durch die Seiten von Dansommer, Dancenter, Novasol und Sonne-und-Strand. Wochenlang schoben wir die Entscheidung hinaus. Erst eine Woche vor Abfahrt entschieden wir uns in einem harten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwei Häusern von Sonne-und-Strand: Eins in Marielyst auf Lolland und dem letztendlich genommenen in Gilleleje. Überzeugende eindeutige Vorteile hatte keines, man musste gewichten oder das Dilemma walten lassen.</p>
<h5>Samstag, 30. April 2005</h5>
<p>Nebel bis Niedersachsen, graue Diesigkeit bis ans Ziel. Was von der deutschen Insel Fehmarn zu sehen war, wirkte trotz aller Altersmilde im Urteilen furchtbar. Selbst Urlaub auf dem Bauernhof müsste hier an Ödnis scheitern. Wir hatten ein Online-Ticket, welches uns als Sesam-öffne-dich unbehelligt von Warteschlangen direkt aufs Schiff zu bringen versprach. Einfach am Automatik-Schalter vor den Scanner halten und durchrauschen. Und tatsächlich – drei normale 200-Meter-Schlangen, dagegen nur zwei Autos am Automatik-Schalter. Das hätte stutzig machen sollen. Der Scanner reagierte nicht, so heftig wir auch mit dem Zettel in der Luft fuchtelten. Wir setzten unter Protest der Nachfolgenden rückwärts raus und fragten im Büro nach. Das Resultat kann sich jeder denken – zurück zur längsten Warteschlange, hinten einreihen. Als wir eine halbe Stunde später dran waren, lobte uns die Kassiererin für die Entscheidung, ein Online-Ticket zu benutzen, denn so ersparte <em>sie</em> sich das Gehampel mit Kreditkarte oder Bargeld. Uns nützte es gar nichts. An Bord ging es zu, wie es an Bord halt zugeht. Außen zog es, drinnen der Proll. Es gab keine Grenzkontrolle. Schimmelnde grünweiße Sandwiches in Folie. Gemütlich zuckelnd, Stau in Kopenhagen, erreichten wir Hornbæk, um den Schlüssel zu übernehmen. Als wir beim Haus ankamen, passte der nicht und wir mussten 15km zurück zur Agentur, um ihn umzutauschen. Da das Büro schon zu hatte, riefen wir die Zentrale an, die zu helfen versprach. Noch während wir in der Telefon-Warteschleife kreisten, ging die Tür wieder auf und die Lady von Sonne-und-Strand half persönlich. Das Haus war exakt wie auf den Internet-Fotos, und so können wir uns die an dieser Stelle fällige Meckertour sparen. Es gibt auch fast nichts zu meckern, wenn man nicht fundamentalistisch das ganze dänische Ferienhaussystem angreifen will.</p>
<p>Ein Wort zum ausliegenden zweibändigen Gästebuch: Die meisten Einträge sind dänischer oder schwedischer Sprache. Der dritte Sprachblock ist deutsch, zumeist von Ossis verfasst. Die Ossis sind dankbare Gäste: „Liebe Familie Velbæk, bla bla bla“. Die Rede ist von unvergesslichen Ferien in Gilleleje, dem fantastischen und super geschmackvollen Haus, den tollen Ausflügen, den Sehenswürdigkeiten, den Schlössern, Kopenhagen, Gilleleje, Helsingør. Niemand fallen die wahren Attraktionen auf: Fischgeruch und kuddelmuddelige Häfen, Pølserbuden, die Landschaft, die alten Autos. Gabi und Olaf haben lange überlegt, ob sie ihr Geheimnis dem Gästebuch anvertrauen wollen: Sie sind 25 Jahre verheiratet. Huch. Familie Lauf aus Berlin schreibt es dem Haus zu, dass Wetter und Sehenswürdigkeiten sich die Waage hielten. Tolle Woche im wunderschönen Haus! Christine und Norman aus Sachsen-Anhalt zählen auf, in welchem Jahr sie schon wo in Dänemark Station gemacht haben und sind sich nicht zu schade, die freundlichen* Dänen zu erwähnen. Eine der schönsten Gegenden Dänemarks. Liebe Familie Velbæk. Uns fällt auf: Familie Velbæk wird angerufen wie Gott der Herr, aber sie antwortet kein einziges mal. Vermutlich haben sie den ganzen Schmus noch nie zu Gesicht bekommen oder existieren nur virtuell. Wir werden am letzten Tag allein zur Erbauung der Velbæk-Gläubigen schreiben: „Liebe Familie Velbæk, wir werden den Fehler nicht noch einmal begehen, ein Ferienziel zum wiederholten Mal anzusteuern, man kann nur verlieren dabei. In Ihrem famosen Haus haben wir einiges vermisst: ein warmes Badezimmer, eine Sauna, ein bequemes Bett, einen Küchenfreund, eine Mikrowelle für das Körnerkissen und ein W-LAN. Und draußen sah es auch nicht rosig aus: der Garten lieblos, die Lage am Arsch, das Wetter Kacke, die Sehenswürdigkeiten nicht vorhanden, die *Dänen Muffelköppe, das Schneckentempo auf den Straßen, wo man sich bei Tempo 70 schon als rücksichtsloser Raser vorkommt, die Hysterie, auch bei Sonnenschein mit Licht fahren zu müssen, die teuren Preise und das labberige Bier.</p>
<p>Erste Tour nach Ankunft: Udo alleine einkaufen. Zweite Tour: alle Mann nach Gilleleje zum Kucken. Der Ort war im Samstagabend-Schlaf, alles war zu, bis auf zwei Restaurants mit geschlossenen Gesellschaften. Immerhin: Es gab richtige Restaurants, wo es noch vor 13 Jahren im Umkreis von 100 Km nur ein paar Pølserbuden und die offiziellen 3 Staats-Kro’s gab. Was fiel uns noch auf? In Gilleleje waren die Merkmale aus unserer Erinnerung doch nicht vorhanden, wegen denen wir diesen Ort ausgesucht hatten, als da wären: Ein Laden im Hafenstil und ein Fischimbiss mit Außenverzehr. Den Laden im Hafenstil können wir auf alten Fotos beweisen: Lagerhaus, unten weiße Mauern, oben Bretteroptik mit weißen Fenstern. Im Verkauf Schiffsbedarf, Segelklamotten und Wein. Dieses Konzept hatten jetzt aber mehrere Läden übernommen. Dann fielen uns die vielen dicken Autos auf: Sogenannte SUVs, etwas unrichtig im Deutschen als „Geländewagen“ bezeichnet, was sie nicht sind. Dazu kamen viele Pickup’s. Die verrückte dänische Mode mit Materialmix – Durchsichtiges mit Gestricktem kombiniert – war wirklich ein Thema. Wir würden zuschlagen in den nächsten Tagen. Die Natur hier lag ca. 5 Wochen hinter unserer zurück, aber wir vermuten, dass das Aufholen kürzer geht, und man in ca. 2 Wochen auf dem normalen Stand ist.</p>
<h5>Sonntag, 1. Mai 2005</h5>
<p>Sonne, zunehmende Erwärmung. Ein erster Erkundungsspaziergang mit offenem Ziel führte uns „par-la-Côte“ wiederum nach Gilleleje. Der Weg über die Höhe am kiesigen Strand entlang führte hoch bis auf 33 Meter. Viele Heckenrosen, viele Privathäuser mit sehr individuellem Baustil. Immer mehr nahm das Bedauern zu, voreilig aus mangelnder Motiverwartung heraus keine Kamera mitgenommen zu haben. In Gilleleje war die Samstags-Ödnis dem Sonntagstrubel gewichen. Nach ein paar Runden landeten wir bei Adam’s Fisk-Imbiss oder so ähnlich und entschieden uns für einen Teller panierter Rotbarsch mit Pommes und zwei Bier. Die Bude war professionell organisiert. Bestellannahme, Zubereitung und Essensausgabe hatten sie getrennt. Wer bestellt und bezahlt hatte, bekam sein Bier bzw. Cola und einen Piepser ausgehändigt und wurde zu den Bänken auf der anderen Straßenseite geschickt. Wenn der Piepser piepte, war das Essen zu Abholung fertig. Perfekt. Wir brauchten noch ein paar Supermarkt-Waren und testeten zunächtst „NETTO“. Es ging zu wie beim Ramschverkäufer Philips, wo der Kamm auf der Butter präsentiert wird. Wir kauften nichts und versuchten es erneut bei IRMA. In einem Hafenladen verlockten Schuhe und Klamotten, aber wir hatten unsere Scheckkarten nicht dabei. Später gerne wieder. Zu Schluss noch ein konsequentes Stück dänischen Kuchen beim echten Bäcker. Die Omma dort ging ohne Schwierigkeiten auf unser Englisch ein. Ein zweiter Ausflug am späten Nachmittag mit dem Auto führte uns nach Hornbæk, wo nun endlich die Fischbude und der Laden im Hafenstil aus der Erinnerung auftauchten, aber völlig anders und nicht wirklich besser. Letztendlich waren wir in Gilleleje schon ganz gut aufgehoben. Nach Hornbæk war später noch Helsingør dran. Dort ging es wiederum sehr ausgestorben zu, wir fingen an zu frieren und zu schmachten und zogen uns alsbald zurück. Keine Einkehr, keine Schlossbesichtigung, kein spontaner Schwedenausflug. Statt dessen daheim dänische Bratkartoffeln mit Speck und Salath.</p>
<h5>Montag, 2. Mai 2005</h5>
<p>In der Nacht hatte es geregnet und gestürmt. Tagsüber war es bedeckt und deutlich kälter. Brigitte erkundete zu Fuß die Siedlung. Später machten wir uns mit dem Auto auf nach Alme und von da nach Græsted. Aussteigen konnten wir wegen des heftigen Regens nicht, leider, denn die Landschaft hätte eigentlich zum Fotografieren eingeladen. In Gilleleje-Hafen schossen wir trotzdem ein paar Fotos und wurden klitschnass dabei. Abends beruhigte sich das Wetter und wir unternahmen einen relativ kurzen Spaziergang am Ferienheim vorbei zum Meer, um uns die Kapuze voll Sammelsteine zu packen, dazu in jede Hand noch einen Extradicken.</p>
<h5>Dienstag, 3. Mai 2005</h5>
<p>Das Wetter fing gut an. Brötchen von Brugsen in Smidstrup-Strand, natürlich die Falschen: Möhrenbrötchen (Mørebrødler). Wegen des guten Wetters unternahmen wir auf dem Küstenpfad einen Gang nach Gilleleje – Kucken, Fotografieren, Einkaufen. Kaum waren wir auf dem Pfad angekommen, verzog sich die Sonne und kam auch nicht wieder. An der Imbissbude war nichts los. Höhepunkt war ein Smørrebrød für 10 Kroner mit Ei, Remoulade und Krabben, das wir auf einer Bank mit Meerblick verspiesen. Mittags dann Fisch* mit Kartoffeln und Salath. *Herkunft und Aufbereitung des Fischs werden diesem Tagebuch nicht anvertraut, aber soviel steht fest: Es lief nicht optimal. Der Nachmittag stand im Zeichen einer Autofahrt nach Westen: Rageleje, Tisvildeleje, Melby. Direkt an der Küste war der Nebel am stärksten. Man sah nichts. In Melby suchten wir das Haus von 1992, fanden es aber nicht. Nur den Bahnhof erkannten wir wieder. Letztes Ziel war Hundested. Von Hundested versprachen wir uns einiges, wenn nicht sogar alles. Es sollte der Höhepunkt des Urlaubs werden. 1988 und 1992 war es uns ein Ausflugsziel mit hoher Fotogenität: Schmuddeliger Hafen, unromantischer Fähranleger, verlassenes Industrie-Terrain, herbes Stadtbild. All diese Eigenschaften waren noch vorhanden, nur wirkten sie bei diesem grauen, trüben Wetter nicht. Gepasst hätten strahlend blauer Himmel oder klatschender Regen. Beim Tanken wären wir fast in Schwulitäten gekommen: Zur Mastercard verlangten sie eine Geheimzahl – das haben wir noch nie erlebt. Zum Glück funktionierte auch die EC/Maestro-Card. Am Ortsausgang stand ein Puckelvolvo-Kombi. Überhaupt: Autofotomäßig bietet der Urlaub in bisher drei Tagen mehr sonst irgendwo in 3 Wochen.</p>
<h5>Mittwoch, 4. Mai 2005</h5>
<p>Nebel und Trübnis den ganzen Tag. Wir kümmerten uns um Büroarbeiten mit dem Kompi, und unterbrachen nur für einen zweistündigen Spaziergang nach Smidstrup Strand auf dem kiesigen, holperigen Strand entlang bei Sichtweiten bis maximal 100 Meter. Bei der Suche nach dem Haus von 1988 (Urlaub mit Rolf, Magdalena, Dennfried und Walt Brown) erzielten wir im dritten Anlauf heute den Durchbruch – wir fanden es, allerdings leicht umgebaut und mit verlegtem Eingang – von dem östlichen zum westlich verlaufenden Waldweg hin. Egal. Beim Bäcker, der heute wieder offen hatte, nachdem er gestern schon den Eindruck eines glatten Konkurses machte, kauften wir dänischen Kuchen, den wir erst zu Hause bei einer Tasse Tee zu uns nahmen. Am Strand konnten wir vom süchtig machenden Steine-Sammeln nicht lassen und schleppten uns mit vollen Taschen, Kapuzen und Händen mit letzter Kraft heim.</p>
<h5>Donnerstag, 5. Mai 2005</h5>
<p>Überraschend kam Christi Himmelfahrt – auch hier ein Feiertag. Der geplante Kopenhagen-Besuch wurde auf morgen verschoben und statt dessen eine Schwedenfahrt angesetzt. Das morgendliche schöne Wetter verzog sich noch vor Aufbruch, aber zum Verschieben hatten wir keine Chance mehr. 10° Temperatur, Himmel Betongrau. In Helsingør fragten wir im Scandlines-Büro nach dem Preis für mit Auto: 480 DKK – zuviel! Also ohne Auto, ohne Weiterfahrt über Landskrona, Malmö, Øresundbrücke, nur Helsingborg City. Vielleicht ergab sich ja folgendes Szenario: Blauer Himmel, aufkommende Wärme, geschäftiges Treiben in der eleganten Innenstadt, viele tolle Läden und Kneipen zu günstigen Preisen laden zu Shopping und Einkehr ein. Wie man sich denken kann, war es aber so:</p>
<p>Himmel: passend zum Wetter – 9°, grau, stürmisch; Treiben/Eleganz/Shopping: Auf Grund einer Fehlinterpretation des Stadtplans glaubten wir, anhand der eingemalten Fußgängerzone den Stadtkern und das Epizentrum lokalisiert zu haben. Dorthin wollten wir uns zuerst begeben. Vorher war aber Aufwärmen angeraten: Treppen steigen zur Burg, runterkucken. Danach ins vermeintliche Zentrum. Je weiter wir kamen, desto merkwürdiger wurde es. Lieblose 70er-Jahre Beton-Architektur, heruntergekommene Läden, arme ausländische Schlucker stolperten auf den Bürgersteigen herum. Der erste Geldautomat, an den wir gerieten, hatte eine Macke und brachte uns mit verworrenen Meldungen und einer nicht lesbaren Tastatur so durcheinander, dass wir spontan die Geheimzahl vergaßen und den Vorgang kurz vor dem Einziehen der Karte abbrachen. Wir wollten nach einer Stunde des Irrlichterns schon aufgeben, da kam die Sonne durch und wir drehten noch eine zweite Runde, diesmal nicht südlich, sondern nördlich des Hafens. Dort war der wahre Stadtkern, der aber auch nicht wirklich überzeugte. Ist ganz Schweden wie Helsingborg Sonntag-vormittags? Erst in einem offensichtlich Anfang der 90er-Jahre re-vitalisierten (früher Hafen?) und neu bebauten Stadtviertel zum Thema Wohnen am Wasser wurde es besser. Bei starkem Wind aber Sonne entschieden wir uns für eine Kneipe, bei der die halbwegs windgeschützten Außenplätze schon weg waren. Drinnen loungte man auf Hockern oder auf flachen Sofas. Bei der Bestellung wurden wir mit „Hej !“ begrüßt. Das gelieferte Sandwich bestand neben einer Scheibe Lachs aus einer weißen Pampe und verwelktem Rucola. Brigittes Muffin war sehr bröselig und der vorwiegende Bestandteil „Zitronat“ kam uns noch nach Stunden wieder hoch. Dafür, dass wenigstens der Kaffee fast so gut schmeckte wie bei uns, ist überaus positiv zu bewerten und sind wir der schwedischen Nation sehr dankbar. Nun war es genug und wir fuhren mit dem nächsten Schiff wieder nach Dänemark. An Deck war es mächtig am Stürmen. Die Kinder spielten „sich gegen den Wind stemmen“ und wir machten ein paar Fotos mit ungewöhnlichen Frisur-Studien. Bei schönster Sonne bummelten wir noch ein wenig durch die Fußgängerzone und die Gassen von Helsingør. Geöffnet hatten vor allem Geschäfte, in denen Schweden Bier und härtere Sachen einkauften, um sie unkontrolliert nach Schweden zu bringen. Mit einem kurzen Abstecher am Øresund entlang fuhren wir wieder heim. Doch vorher gab es noch einen Besuch in Gilleleje zum Klamotten-Kaufen: Hose und T-Shirt von H2O, Segelschuhe von Sebago waren in 9 ½ nicht mehr da. Bei Spar holten wir etwas Bier für den Abend.</p>
<h5>Freitag 6. Mai 2005 (im Nachtrag geschrieben am 3.6.2005)</h5>
<p>Mit dem Auto bis Hellerup am Öresund. Kleiner Spaziergang, noch etwas weiter gefahren und von Hellerup City zu Fuß bis in die Innenstadt von Kopenhagen. Dansk Architektur Center, Kirchturm-Nichtbesteigung, alle Noa Noa Geschäfte, Eis, Pölser, mit der S-Bahn zurück nach Klampenborg. Abends platt, Ausstechen von Heckenrosen am Hafen. (Nachtrag 2010: Die Heckenrose ist immer noch prächtig).</p>
<h5>Samstag, 7. Mai 2005</h5>
<p>Rückreise. Wieder über Rødby, Eis in Travemünde wo die Mutter gewohnheitsmäßig wegen des zeitverplempernden Umweges zur Rückreise-Ösigkeit neigte, Regen ab Hannover, kalt.</p>
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		<title>2008 Köln / Bad Godesberg</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 06:27:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Messdienerausflüge]]></category>

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		<description><![CDATA[In Jahren mit geraden Jahreszahlen ist im September in Köln die Photokina. Der Messdiener K. stuft dieses Event für sich im Prinzip als unverzichtbar ein. Köln ! Die Mischung aus Antike, WDR und Katholizismus. Und dann noch der Großkomplex Foto. Könnte man den obligatorischen Besuch nicht zu einem Messdienerausflug umfunktionieren? Messdiener D., im Prinzip nicht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p>In Jahren mit geraden Jahreszahlen ist im September in Köln die Photokina. Der Messdiener K. stuft dieses Event für sich im Prinzip als unverzichtbar ein. Köln ! Die Mischung aus Antike, WDR und Katholizismus. Und dann noch der Großkomplex Foto. Könnte man den obligatorischen Besuch nicht zu einem Messdienerausflug umfunktionieren?<span id="more-223"></span></p>
<p>Messdiener D., im Prinzip nicht ohne Foto-Ambitionen, war verhindert oder wurde nicht gefragt aus Angst vor einer Abfuhr.</p>
<p>K. dagegen hatte ein ausgeklügeltes Anreise-Konzept erarbeitet, welches die Bequemlichkeit des Bahnfahrens mit der Preisgünstigkeit des „schöner-Tag-NRW“-Tickets, die Möglichkeit, ein Bier trinken zu können und das Handicap, solche Tickets erst ab 9.00 Uhr benutzen zu können und dennoch zeitig in Köln anzukommen, genial miteinander verband.</p>
<p>Wir fuhren am 24.9.2008 mit dem sog. „besten Auto der Welt“ nach Hamm, parkten im Parkhaus hinter dem Bahnhof und saßen pünktlich kurz nach 9.00 in froher Erwartung im Zug. Da, wie bereits aus anderen  Berichten bekannt, die Messdiener notorische Navi-Verweigerer sind, hatte K. kurz auszugsweise mit dem Bleistift einen zuverlässigen Stadtplan von Hamm gemalt, der uns sicher zum Ziel führte.</p>
<p>In Köln-Deutz standen wir erst ratlos rum und nahmen dann den langen Fußmarsch durch die Dauerbaustelle Köln-Messe auf uns. Drinnen im Messegetümmel wussten wir nicht recht, was wir da sollten, und Messdiener O., ein überragender Foto-Banause, drängte wortlos, nur durch mürrische Mimik und mentale Ungeduld spürbar, zum raschen Beenden. Im Galopp schauten wir noch schnell bei Hasselblad, Nikon und weiß nicht mehr eher vorbei als hin. Auf dem Hallen-Oberdeck war eine Vogelschau mit niedlichen Adlern. Intention: Adler = Teleobjektiv! Aus 50 Metern Entfernung wurde ihnen ein Regenwurm, eine Maus oder ein Schweinekottlett gezeigt, das die Tiere unbeeindruckt von den vielen Leuten und dem Getöse sich frei fliegend holen sollten.</p>
<p>Zügig strebten wir dann zum Ausgang und zu Fuß über die Deutzer Brücke Richtung Hauptbahnhof. Für diesmal war nicht die übliche Tour durch die Altstadt mit Kölsch-Trinken am Altermarkt plus Steak in der runtergekommenen Maredo-Steakhaus-Kette geplant, sondern ein kleiner abenteuerlicher Ausflug Rheinaufwärts, solange der Geltungsbereich NRW noch gegeben war. Das heißt: Bad Godesberg. Von Bad Godesberg versprachen wir uns einiges: Die nachwirkende Aura eines jahrzehntelangen Diplomaten-Brennpunktes, das Flair eines kurfürstlichen eleganten Bades, die Geschichtsträchtigkeit des mittleren Rheintales, die milde und genießerische Lebensart. Doch nichts von alledem. Die nach Berlin gezogenen Diplomaten hatten nichts als triste Ödnis hinterlassen. Die Erinnerung ist zudem lückenhaft: O. behauptet, wir wären in einer Nordsee-Filiale eingefallen, K. meint, es wäre ein Würstchen in einer Pommesbude hinter der Bahnunterführung gewesen. Wir zogen durch eine von weitem zwar igendwie nach Geld aussehende, aber ansonsten völlig tot wirkende Nebenstraße zum Rhein und setzten bei grau-trübem Wetter mit einer Fähre über nach Niederdollendorf. Ein paar Minuten später saßen &#8211; falsch, standen! &#8211; wir in der S-Bahn nach Köln. Erst in Hamm, wo das Auto wartete, wurde es wieder interessant: Wir verfuhren uns, gerieten nach Norden stadtauswärts und kamen auf Nebenstrecken (Heeßen, Lippborg, Herzfeld, Lippstadt) nach Hause. Leider war es stockdunkel.</p>
<p>Nachbemerkung: Für die Photokina 2010 wurde die Messdiener O. nicht mehr zur Teilnahme zugelassen. K. hatte Mitfahrgelegenheit, leider ohne jegliches touristisches Rahmenprogramm, wenn man von einem lausigen teuren Kaffee im Stehen am Rande einer düsteren Messehalle mal absieht.</p>
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		<title>Noch keine Geschichte vorhanden</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 11:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hotelgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier erscheinen in Kürze Artikel der Kategorie &#8220;Hotelgeschichten&#8221;.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier erscheinen in Kürze Artikel der Kategorie &#8220;Hotelgeschichten&#8221;.</p>
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		<title>2007 Von Roermond bis Maastricht</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 09:29:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Messdienerausflüge]]></category>

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		<description><![CDATA[2010 aus der Erinnerung geschrieben Unser dritter Messdienerausflug am 30. Mai 2007 Prolog Die Idee zu dieser Strecke als mögliches Ziel eines Messdienerausflugs kam bei einem Besuch am Lippesee bei Sande. Schau dir das Bild links an: Wer etwas Fantasie hat, der denkt weiter als an einen Baggersee am Rand der Senne. Das ist Maritimik...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2010 aus der Erinnerung geschrieben</p>
<h5>Unser dritter Messdienerausflug am 30. Mai 2007</h5>
<p><span id="more-181"></span><img style="float: left; margin-right: 8px;" title="Lippesee" src="/wp-content/uploads/maf2007_00.jpg" alt="Zielgebiet" width="320" height="194" /></p>
<h5><span style="font-weight: normal; font-size: 13px;">P</span>rolog</h5>
<p>Die Idee zu dieser Strecke als mögliches Ziel eines Messdienerausflugs kam bei einem Besuch am Lippesee bei Sande. Schau dir das Bild links an: Wer etwas Fantasie hat, der denkt weiter als an einen Baggersee am Rand der Senne. Das ist Maritimik pur, ein Wassersport-Revier, das nicht mehr endet, die ganze Lippe runter, bis an den Rhein, der mit der Maas zusammenfließt und kurze Zeit später in die Nordsee mündet. Holland, Seefahrernation, zivilisiertes, ur-Europäisches Kerngebiet von Basel bis Rotterdam. Wasser, Lippesee, Holland, Nordsee, Maas, ist das nicht alles eins?</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_01.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="362" /><p class="wp-caption-text">Messdiener D. besitzt seit 2007 eines der besten Navi&#39;s unserer Zeit welches während der Fahrt praktischerweise auf das „Armaturenbrett“ gestellt wird – im Gegensatz zu den primitiven Modellen, die man mit einem Saugnapf an die Scheibe kleben muss. Währen der Fahrt kann keine Batterie auslaufen oder sich erschöpfen, weil es über eine Schnur von irgendwoher mit Strom versorgt wird. Das Navi empfängt Signale aus dem Weltall, zeigt an und spricht mit Worten, wo es seiner Meinung nach hergehen soll. Große Klasse.</p></div>
<h5>Bericht</h5>
<p>Das Wetter war wieder ganz auf unserer Seite. Die Verkehrssituation rund um Roermond war so gestaltet, dass ein In-die-Stadt-Fahren mit größerem Zeit- und Suchaufwand verbunden schien. Wir wollten auch nicht als erstes in einer Stadt rumrennen, und so überquerten wir die Maas. Das oben erwähnte Navi war nur auf Roermond programmiert und wusste danach nicht nur nicht weiter, sondern wollte uns, wie Navis so sind, mit allen möglichen Tricks wieder zurück schicken. „Versuchen Sie zu wenden. Wenden Sie sofort“. Warum siezt es uns? Ist es das Verhältnis Meister/Schüler? Normalerweise stellt man ein neues Ziel ein oder schaltet das Teil ab. Das neue Ziel stand noch nicht fest, sondern bedurfte eingehender Diskussion. Abschalten hingegen vertrug sich keinesfalls mit dem Besitzerstolz des Messdieners D. Also durfte das Navi auch die nächsten fünf Stunden ungestraft permanent Vorschläge und Drohungen aussprechen, nur um beharrlich an Roermond festzuhalten. Selbstverständlich ignorierten die Messdiener D. und O. ebenso beharrlich die korrekte niederländische Ausspracheweise dieser Stadt an der Mündung der Rur. „Röhrmond“ in der Betonung wie z.B. “Vollmond“, nur um ihren Kameraden K. zu ärgern. Wie Mobbing. Direkt nach der Maasbrücke verfuhren wir uns erst mal anständig und querten die Maas noch weitere zwei mal. In der Zwischenzeit hatten wir uns auf Wessem am linken Ufer geeinigt. Dem Kartenbild nach ein netter kleiner Ort inmitten eines gigantischen Wasser-Freizeit-Reviers. Die Erwartungen trafen fast zu.</p>
<p>Zunächst wurde das obligatorische Frühstück eingenommen. K.&#8217;s Hoffnungen auf die örtliche Gastronomie erfüllten sich natürlich wieder nicht, denn mitgebrachte sog. „Verpflegung“ war reichlich vorhanden, und die hatte Vorrang.Nach dem Frühstück erkundeten wir den Ort, der sich etwas zu lang hinstreckte und in dem im Grunde nix los war. Wessem hätten wir wesentlich straffer angehen sollen. Ursprünglich gemachte Fotos von der Ortsmitte haben wir wieder gelöscht, da sie nicht viel hergaben.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_02.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="363" /><p class="wp-caption-text">Beim ersten Frühstück am Maasufer im niederländischen Wessem südwestlich von Roermond</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_03.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="402" /><p class="wp-caption-text">Die Messdiener ignorieren die örtliche Gastronomie</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_04.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="435" /><p class="wp-caption-text">Erkundungsgang durch Wessem</p></div>
<p>Wir waren froh, als es endlich weiterging. Die frühsommerliche N273 (NL) / N78 (B) von Venlo nach Maastricht ist eigentlich ideal für das entschleunigte Reisen. Die Attraktionen halten sich in Grenzen, es wird aber auch nicht öde, so dass man leicht dösend gepflegt voran kommt.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_05.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="384" /><p class="wp-caption-text">Weiterfahrt auf der N78 Richtung Maaseik (B)</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_06.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="411" /><p class="wp-caption-text">Maaseik (B): links: Schoko-Regal im Supermarkt, rechts: Einkehr in Kneipe am Markt</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_07.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="408" /><p class="wp-caption-text">Die Maas bei Maaseik ist nicht viel breiter als die Alme bei Borchen</p></div>
<p>Maaseik liegt auf belgischem Gebiet. Zunächst bogen wir in die Stadt ab. Ein Parkplatz war problemlos zu finden. Es handelt sich um den Typ „kleines Städtchen“ &#8211; das heißt überschaubar, kompakt, städtisches Flair, vergleichbar mit Delbrück oder Salzkotten, jedoch niederländischer Prägung. Es war Wochenmarkt, der uns aber nicht betraf. Wir suchten vor allem auf Betreiben des Messdieners K. einen Supermarkt auf, um dort holländisch-/belgische Spezialitäten einzukaufen: &#8220;Heineken, Douwe Egberts Koffie, Calvé Pindakaas, Côte d&#8217;Or Schokolade. Anschließend kehrten wir ein. Ob dort mehr als die absolute Mindest-Kleinigkeit, welche lediglich ein kurzes Verweilen legitimieren half, oder gar etwas Essbares bestellt wurde, weiß ich nicht mehr.</p>
<p>Nach dem Verstauen der Mitbringsel besuchten wir der Vollständigkeit halber noch die Maasbrücke um das eine oder andere Foto zu schießen. Neben der Brücke befand sich auf belgischer Seite ein ehemaliges Grenzkontroll-Gebäude aus den 1950er Jahren, also einer Zeit, als sogar zwischen Belgien und den Niederlanden noch kontrolliert wurde.</p>
<p>Beim Weiterfahren wurde der eingeschlagene Verlauf beibehalten: Die N78 gab den groben Kurs vor, immer wieder jedoch schweiften wir ab auf Nebenstrecken mit Maas-Kontakt. In Frankreich würde man sagen: „par la Corniche“. Anlässlich einer kurzen Rast brach der ewig hungrige Messdiener K. das Fasten und fraß bereits die erste Mitbring-Côte d&#8217;Or auf und versuchte anschließend, einen eingesperrten Hofhund durch provozierendes Anbellen zu ärgern. Diese Übung gehört zu den leider selten praktizierten Reiseritualen, wenn es sich halt ergibt.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_08.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="383" /><p class="wp-caption-text">Die Messdiener hielten an, um über die Mauer zu schauen. Der Radweg war mit einer Barriere aus Stroh versehen</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_09.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="292" /><p class="wp-caption-text">Messdiener K. frisst bei erstbester Gelegenheit die Côte-d&#39;Or-Schokolade auf, die er in Maaseik gekauft hat.</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_10.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="265" /><p class="wp-caption-text">Messdiener K. liebt es, sich vor eingesperrten fremden Hunden aufzubauen und sie durch anbellen anzustacheln, wenn möglich, bis zur Weißglut. </p></div>
<p>Bis Maastricht zog es sich länger hin als wir dachten, und der eigentlich als Krönung vorgesehene Tagesordnungspunkt „Aachen“ wurde sehr bedenklich. Es lässt sich eben doch nicht alles so straff organisieren, wie man möchte. Maastricht wirkt nicht so extrem niederländisch wie die Städte im Kerngebiet, es hat einen leicht belgisch-/flämischen Einschlag, dazu etwas gebirgig. Wir erkundeten die City zu Fuß. Ziel war die Kneipe „Café Charlemagne“, in der Messdiener K. in Vorzeiten mit seiner Mutter frohe Stunden verlebt hatte. In der Erinnerung ein Ort für die klassenlose Gesellschaft vom Punker bis zum Banker, mit der lokalen Biersorte &#8220;Ridder Pils&#8221; als verbindendem Element. Wir durchackerten die Straße und Plätze systematisch, prüften auch, ob eventuell nur eine Umbenennung das Wiedererkennen schwierig machte, aber es half nichts. Wir fanden das Charlemagne nicht wieder. Die Messdiener D. und K. hatten bald jedes Verständnis und die Lust sowieso verloren, als K. einlenkte und sich mit einer beliebigen anderen Kneipe am Vrijhof, dem großen Platz in der südlichen City (der andere große Platz in der nördlichen City ist etwas ungemütlich-/offen-/zugiger und lohnt nicht) einverstanden erklärte. Wiederum machte er sich vergeblich Hoffnungen auf etwas Leckeres zu essen. Mehr als ein Bier (Affligem, Heineken) für die Alkoholiker und einen dünnen Espresso für die Fahrer lag nicht drin.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 400px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_11.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="390" height="520" /><p class="wp-caption-text">En passant: städtisches Flair in Maastricht</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_12.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="300" /><p class="wp-caption-text">Eine schlimme Sünde: Hier wurde eine ehem. Dominikanerkirche zur Buchhandlung umgebaut.</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_13.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="435" /><p class="wp-caption-text">Die Messdiener auf dem Weg zum Maasufer in Maastricht</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_14.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="466" /><p class="wp-caption-text">Neue Konzepte im Einzelhandel: Klamotten und Schwulen-Café.</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_15.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="435" /><p class="wp-caption-text">Schwule im Klamotten-Café</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_16.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="251" /><p class="wp-caption-text">Die größte der Maastrichter Kneipenmeilen am Vrijthof mit wenigen freien Plätzen für arme Messdiener mit knappem Budget</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_17.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="169" /><p class="wp-caption-text">Nach langem Hin und her fanden wir doch noch einen Platz</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_18.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="382" /><p class="wp-caption-text">Messdiener D. ist der Fahrer (Espresso). Messdiener O. hat sich für ein Heineken entschieden.</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_19.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="268" /><p class="wp-caption-text">Wunsch und Wirklichkeit: Während Messdiener K. wie schon 2006 in Limburg von knackigen Salaten, saftigen Steaks und knusprigen Pizzen träumt, ist real nur ein winziges Affligem drin. Auf langes Betteln und Drängeln hin wird schließlich eine Friture angesteuert, wo K. sich mit einer Portion Pommes eindeckt, die in der Tüte vollkommen unter der an Hundekacke erinnernden Pindasaus schwimmen. </p></div>
<p>Mehr aus Mitleid als aus Hunger gewährten die Obermessdiener dem Kameraden K. als letzten Genuss des Tages eine Tüte Pommes mit Pindasaus aus einer Anstalt mit der eher belgischen Bezeichnung „Friture“. Danach ging es wieder zum Auto und siehe da – das Navi wurde endlich von seinen Roermond-Obsessionen erlöst. Ihm wurde Paderborn als Ziel vorgegaukelt. Allen war im Stillen klar, dass das jetzt nichts mehr mit Aachen zu tun hatte. Verschoben statt aufgehoben? Man weiß es nicht.</p>
<h5>Epilog</h5>
<p>Wir wollen bei dieser Gelegenheit noch darüber aufklären, warum der Tagesordnungspunkt „<a href="http://www.cafecharlemagne.nl" target="_blank">Charlemagne</a>“ letztendlich scheiterte:</p>
<ul>
<li>a) war die Maastrichter Brauerei Ridder abgewickelt worden,</li>
<li>b) hatte es im Zuge dessen auch die von ihr mitbetriebene Kneipe in den Abgrund gerissen (inzwischen offensichtlich aber wieder vorhanden) und</li>
<li>c) haben wir bei unseren Wanderungen die Kreise einfach nicht weit genug gezogen.</li>
</ul>
<p>Minimal weiter südlich, am „Onze lieve Vrouweplein“, direkt neben der romanische Basilika, die wir auch nicht gefunden haben, weil wir eine andere für sie hielten, findest du das „Charlemagne“, eine der vermutlich besten Kneipen der Welt. Seine Website und Google Street View liefern den Beweis.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2007" src="/wp-content/uploads/maf2007_20.jpg" alt="Messdienerausflug 2007" width="580" height="381" /><p class="wp-caption-text">Blieb letztendlich Mythos: Die vielgepriesene und vergeblich gesuchte Ridder-Pils-Kneipe „Café Charlemagne“ (Archivbild von früheren Reisen)</p></div>
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		<title>2006 Der Hessen-Tag</title>
		<link>http://messdienerausflug.de/archives/138</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Apr 2010 09:08:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Messdiener K.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Messdienerausflüge]]></category>

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		<description><![CDATA[2010 aus der Erinnerung geschrieben Unser dritter Messdienerausflug am 13. Juni 2006 Zugegeben – „Hessentag“ ist natürlich als Begriff besetzt für die gleichnamige Landesveranstaltung, aber dies mal beiseite. Die Messdiener wollten auf Tourismus machen und wählten die Lahn als roten Faden des Ausflugtages mit den Zwischenstops: Westende vom Edersee · Selters · Weilburg · Runkel...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2010 aus der Erinnerung geschrieben</p>
<h5>Unser dritter Messdienerausflug am 13. Juni 2006</h5>
<p>Zugegeben – „Hessentag“ ist natürlich als Begriff besetzt für die gleichnamige Landesveranstaltung, aber dies mal beiseite. Die Messdiener wollten auf Tourismus machen und wählten die Lahn als roten Faden des Ausflugtages mit den Zwischenstops:</p>
<p>Westende vom Edersee · Selters · Weilburg · Runkel · Limburg</p>
<p><span id="more-138"></span>Strahlend blauer Himmel, warm bis heiß, wettermäßig ein Ausnahmetag. Messdiener K. stellte das Fahrzeug zur Verfügung und machte den ersten Fahrer. Schon kurz hinter Warburg, also nach ca. 60 km, maß sich Messdiener O. an, sorgenvoll fragen zu müssen: „Kannst du noch? Oder soll ich lieber fahren?“ K. wertete dies als ernsthafte Zweifel an seiner Fahrkunst. Er sah jedoch keine Chance, sein offenbar angeschlagenes Image kurzfristig aufzupolieren und räumte klaglos resignierend das Feld. O. übernahm.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_01.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="367" /><p class="wp-caption-text">Mit sicherer Hand und jahrzehntelanger Fahrroutine lenkt Messdiener O. souverän das Fahrzeug. Mit kritischem Blick hält er den Insassen auf den hinteren Rängen im Zaum. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt: Sitzen drei Männer im Auto, sitzt hinten stets der Doofe. Messdiener D. hält indes den Kontakt zur Außenwelt.</p></div>
<p>Durch die schöne, einsam verträumte Berglandschaft Nordhessens gelangten wir Ausschau haltend schließlich an einen würdigen Ort für die obligatorische Frühstückspause. Schon während der Fahrt hatten mehrfach die Telefone geklingelt, das heißt, die Telefone von D. und K., O. ist erklärter Handymuffel und legt großen Wert darauf, möglichst nicht erreichbar zu sein, ignoriert aber auch die Erreichbarkeit anderer. Nun gut. Während bei K. Geschäftspartner anriefen, die natürlich keine Ahnung davon hatten, dass an diesem Tag der wichtige Messdienerausflug stattfand, sondern ihre bedeutenden Probleme gelöst haben wollten, überwogen bei D. die familiären Anrufe. Mutter und Sohn stimmten per telefonischer Einbeziehung und Erlaubnis D.&#8217;s das heimische Mittagessen ab (an dem D. selbst natürlich nicht teilnahm, weil er ja unterwegs war). Und ging das weiter, auch während der Frühstückspause am letzten Zipfel des Edersees, just da, wo bei Herzhausen die B252 das Gewässer quert. O. wandte sich verärgert oder meinetwegen spöttisch belustigt verständnislos ab. Aber die Messdiener-Frühstückspausen sind sowieso stets eine Zeit gemeinsamen Schweigens.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_02.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="375" /><p class="wp-caption-text">Die Priorität von externen Anrufen stört die intime Ausflugsatmosphäre zunächst erheblich.</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_03.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Frühstück am Edersee.</p></div>
<p>Die Fahrt durch die uns wenig bis gar nicht bekannte Landschaft genießend, rauschten wir auf der B3 durch Marburg, wo wir einst in einem Hotel mit einem der ungünstigsten und unverschämtesten Preis-Leistungsverhältnisse übernachtet hatten, aber dazu bald mehr im Themenfeld „Hotelgeschichten“. Unser nächstes Ziel hieß Wetzlar, die Stadt der Leica. Wir parkten auf einem Parkplatz unten im Lahntal, ließen moderne Shoppingcenter sowie Ernst Leitz links liegen und erklommen die Altstadt zu Fuß.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_04.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="373" /><p class="wp-caption-text">Nach Ankunft in Wetzlar. Erwartungsfroh geht es in die Stadt.</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_06.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Perfekte Fachwerkidylle in Wetzlar</p></div>
<p>Das Tempo dabei würde man als Bummeln angemessen bezeichnen. Da ein Messdienerausflug mindestens einen Kirchenbesuch vorschreibt, lag der Wetzlarer Dom auf der Hand. Andächtig bestaunten wir alles, glänzten mit Halb- und Viertelwissen oder unbewiesenen Behauptungen und entdeckten schließlich auf alten Kirchenbänken das Schild „Messdiener“. Dort nahmen wir Platz und baten eine andere Kirchenbesucherin, uns als Gruppe mit dem gut sichtbaren Schild zu fotografieren. Leider hatten wir den Selbstauslöser nicht abgeschaltet, und die verdatterte Lady glaubte schon nicht mehr, dass da noch was käme, als die Kamera nach 20 Sekunden doch noch auslöste. Dass das Bild trotzdem noch verwendbar war (wenn auch nicht scharf), ist ein kleines Wunder. Es ziert seitdem als Header-Grafik dieses Internet-Auftritts, siehe ganz oben.</p>
<p>Nun hatten wir uns die traditionelle Erfrischung verdient, wegen der Hitze in Form eines Eises. Das Eis und das dazugehörige Etablissement waren nicht weiter erwähnenswert, aber die Gefahr, in die der Messdiener K. sich durch reinen Übermut begab. Denn: Nach kurzer Zeit gab es einen kleinen Auftrieb seitens einer vorbeischlurfenden Schulklasse im schlimmen Alter, die sich ebenfalls für Eis entschieden hatte. K., der alles gerne dokumentiert, nahm die Schüler fotografisch ins Visier, hatte aber die Rechnung ohne die offenbar russische Mentalität einiger Klassenkameraden gemacht, die sich entweder angemacht fühlten oder eine Gelegenheit witterten, sich vor den Mädels als Machos aufzuführen. Messdiener O. jedoch, der über Bärenkräfte verfügt und dies auch zeigt, konnte erfolgreich de-eskalieren.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_07.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Begegnung mit aggressiven Russenkids, die sich angeblitzt fühlten.</p></div>
<p>Gemütsmäßig etwas angeschlagen verließen wir Wetzlar und hielten nach einiger Zeit Ausschau nach einem geeigneten Platz für den Tagesordnungspunkt „Picknick“. In der Nähe von Selters, fast auf dem Betriebsgelände des gleichnamigen Mineralwasserherstellers, fanden wir einen versteckten Platz an einer magischen Stelle zwischen Bahnlinie, Lahn und der B49. Auf dem mitgebrachte Instant-Grill wurden für jeden wieder eine unbestimmte Menge Würstchen zubereitet, vermutlich 1 oder 2 Stück, so genau weiß das keiner mehr. Eine unvergessliche Pause zwischen Zivilisation und Natur mit Anklängen an endlose Frankreich-Urlaube.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_08.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Kurz vor Erreichen des Picknickplatzes am Betriebgelände von Neuselters. Die Magistrale Wetzlar-Weilburg doppelgleisig, aber nicht elektrifiziert.</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_09.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="352" /><p class="wp-caption-text">Coolness in Persona: Die Messdiener O. (links) und D. (rechts) bei der ordnungsgemäßen Durchführung des Picknicks</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 389px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_10.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="379" height="520" /><p class="wp-caption-text">Satt Würstchen bis zum Abwinken stellen den Bedarf sicher.</p></div>
<p>Das nächste Etappenziel lag nur unwesentlich weiter: Weilburg. Ein kurfürstlicher Residenzort, den zu loben wegen seines für nördlich der Mainlinie ungewöhnlich süddeutsch-mediterranenen Flairs wir über die Jahre nicht müde werden. Weilburg liegt auf steilen Hängen über dem Lahntal. Autos werden auf Großparkplätze außerhalb umgeleitet. Unter dem Bergsporn, der in eine 270-Grad-Schleife der Lahn ragt, hatte im 18. Jahrhundert der Kurfürst aus reiner Lust am technisch machbaren einen Abkürzungskanal als Tunnel bauen lassen, der noch als Attraktion in Betrieb ist. Von den Terrassenplätzen der Stadt schaut man von oben herab und bewundert ein phänomenales Panorama voller Pittoreske und Idylle. Ein zweiter Tunnel läuft parallel und führt die Bahn durch den Berg. Die Stadt ist touristisch gut erschlossen, aber an diesem heißen Junitag war zum Glück nix los. Wir lieben diese verpennten Stimmungen. Natürlich gibt es auch hier etwas zu meckern: Messdiener D. ist von hause aus sparsam und merkt nicht, wenn er den Bogen überspannt. Spätestens in Weilburg wäre die Entscheidung fällig gewesen: Wer fährt und wer trinkt ein paar Bier? Statt dessen wurde der Verzicht mit dem Killer-Argument „Bei dieser Hitze auf gar keinen Fall Alkohol“ begründet und wieder machte K. gute Miene zu bösem Spiel. Doch noch zwei weitere Ziele warteten.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_11.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">In der pittoresken Altstadt von Weilburg</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_12.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Auch hier keine Einkehr: chinesische Pommesbude auf dem Felsen oberhalb der Lahn</p></div>
<p>Aus Weilburg raus war etwas knifflig. Ein Navi besaß damals keiner (heute immerhin der Messdiener D., doch dazu mehr im Bericht über den 2007er Ausflug). Es gelang K. abermals, einen Doofen zu finden, der auf seine abstrusen vermeintlichen Abkürzungsvorschläge einging, die sich noch stets als Umwege, wenn nicht sogar kleine Abenteuer erwiesen, weil es nicht so läuft wie er es sich vorstellt und unweigerlich weitere Komplikationen auftreten. Schön, wild, mit einem Hauch von Abenteuer, denn trotz aufgeschlagenem Straßenatlas auf den Knien des Beifahrers war die Micro-Navigation aus dem Blick geraten und wir kamen bei der Orientierung zeitweise ins Schleudern. Irgendwann erreichten wir Runkel.</p>
<p>Runkels Alleinstellungsmerkmal ist eine Burg, die auf einer wahnsinnig hohen Mauer auf einem Felsen oberhalb der Lahn angelegt ist und mit ihrer schroffen, düsteren Fassade (außer an sonnigen Tagen wie dem Messdienerausflug) gut für mittelalterliche Spiele und Filme à la im Namen der Rose die passende Kulisse abgibt. Zu Füßen liegt eine alte Steinbrücke malerisch über dem breit laufenden und mit sehr schräger Staustufe versehenen Fluss.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_13.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Der glorreiche Einzug in Runkel</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_14.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Schleuse, Lahn, Dorfjungend an der Staustufe in Runkel. </p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_15.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="388" /><p class="wp-caption-text">Runkeler Burgromantik</p></div>
<div class="wp-caption left" style="width: 446px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_16.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="436" height="520" /><p class="wp-caption-text">Die Burg in Runkel</p></div>
<p>Wir erklommen den Pfad zur Burg, halb hoffend, halb befürchtend, sie könnte für Besucher offen haben und dann Eintrittsgeld kosten, was die sparsamen Messdiener in ziemliche Verlegenheit gebracht hätte. Zum Glück war alles zu und langsam schlendernd erreichten wir ein auf dem Hinweg nicht wahrgenommenes Eiscafé, das wie gerufen kam. Damals wusste ich noch nicht, dass ich das jahrzehntelang ausschließlich georderte und verzehrte Nuss-Eis schon lange nicht mehr ab konnte. Dementsprechend widerlich schmeckte es mit klebig übersüßtem Nachhall und Rülpszwang von den künstlichen Nuss-Aromen aus der Duftstofffabrik in Holzminden. Heute bin ich über Nuss-Eis vollständig hinweg. Sonst hatte Runkel nichts zu bieten, oder doch: Noch auf dem Weg zum Auto warf ich einen sehnsüchtigen Blick auf die Gaststätte „<a href="zwitschernest.de" target="_blank">Zwitschernest</a>“ (Eine Twitter-Hochburg?) mit Außenbestuhlung und Licher Pils im Ausschank direkt im Straßenwinkel an der Lahnbrücke. Hier könnte man doch… Für einen kurzen Moment erwog ich, aus dem Ausflug auszusteigen und einfach ein paar Tage hier zu bleiben… Aber ich hatte keinen Rechner dabei und es wäre so ganz allein vielleicht schnell langweilig geworden.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_17.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="340" /><p class="wp-caption-text">Hätte mein neues Dominizil werden können: Hotel Gasthof „Zwitschernest“ in Runkel</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 491px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_18.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="481" height="520" /><p class="wp-caption-text">D. und O. beim Anstieg zum Limburger Dom</p></div>
<p>Ohne Umwege erreichten wir Limburg an der Lahn. K. überließ O. das „Auskennen“ weil das die Parkplatzsuche unter verschärften Bedingungen (zwei kritisch-spöttische Beobachter) erträglicher macht. Der Parkplatz war weit genug vom Dom entfernt, sodass man bei der Zielsuche bereits einen ordentlichen Eindruck von der Stadt bekam. Fachwerk, städtisches Flair, Etappenziel-Qualität. Noch bestand Hoffnung. Der spätromanische Dom auf dem Berg über der Lahn vermochte zu beeindrucken. Beim Abstieg achtete ich verstärkt auf Einkehrmöglichkeiten und malte mir saftige Steaks, knusprige Pizzen und knackige Salate aus. Es wurde immerhin eine schnelle Cola. Wir waren nicht zum Spaße da. Messdiener D. schaute sorgenvoll auf die Uhr: „Huch, so spät schon?“</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_19.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="389" /><p class="wp-caption-text">Einkehrgelegenheiten im Herzen Limburgs</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_20.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="268" /><p class="wp-caption-text">Fernweh I. : Autobahn A3, ICE-Trasse Köln–Frankfurt über dem Lahntal</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_21.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="342" /><p class="wp-caption-text">Fernweh II. : Lahnabwärts Richtung Bad Ems</p></div>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img title="Messdienerausflug 2006" src="/wp-content/uploads/maf2006_22.jpg" alt="Messdienerausflug 2006" width="580" height="380" /><p class="wp-caption-text">Limburger Dom, unten rechts das Hotel Nassauer Hof</p></div>
<p>Ich verkniff mir weitere Ziele vorzuschlagen: Das Lahntal würde jetzt bis Bad Ems sehr schluchtig werden! Bei Lahnstein würden wir den Rhein erreichen! Koblenz, Mainz und Trier in greifbarer Nähe! Doch die Heimfahrt war stumm beschlossene Sache. Es gab nur noch einen spontanen Stop: Als irgendwo zwischen Limburg und Gießen ein nagelneuer ALDI-Süd am Straßenrand erschien, gab es kein Halten mehr. Mensch, ALDI-Süd! Der Messdiener O. mit seinem latenten ALDI-Süd-Komplex geriet aus dem Häuschen, ließ die Gelegenheit natürlich nicht verstreichen und wir gönnten es ihm. Zeit spielte keine Rolle mehr, alles war gut.</p>
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