Hi zusammen,

während ihr mit dem ICE entlang von niedersächsischen Truppenübungsplätzen, abgeernteten Kartoffeläckern und borkenkäfergeschädigten Fichtenschonungen fahrt und euch dabei fragt, warum die Heide nicht blüht, möchte ich ein kurzes Statement zu eurer Reise aus meiner Sicht abgeben. Mich, als ehemaligen Einwohner Hamburgs, hat die Reise sehr berührt. Ständig fragte ich mich „was machen sie wohl jetzt grade? Nun gut. Gestern habe ich bei YouTube geschaut, was es mit diesem Jeff Cascaro auf sich hat – ich kannte ihn nicht. Meine Einschätzung: könnte, müsste dein Geschmack sein. Vollttreffer, stellte sich heute heraus. Womöglich hast du sogar mit dem Fuß gewippt. Bei mir undenkbar. Mit dem Fuß wippen ist für mich ein emotionaler Kontrollverlust, wie du dir denken kannst. Natürlich habe auch ich Emotionen, allerdings sind Freude, Begeisterung und Ekstase nicht dabei, sondern eher Trauer, Enttäuschung und Gleichgültigkeit. Wenn ich wippe, dann nicht vor Rhythmus, sondern aus Nervosität. Zurück zu Hamburg: Das Schöne ist, dass ihr keine schnöden Hamburg-Touristen seid, mit folgendem Standard-Programm (Fr/Sa): Belegen des Hotel-Zimmers. Abends Besuch eines der Musicals in den Stage-Theatern auf der anderen Seite des Hafens. Vorher eine teure Kleinigkeit oder preiswerte Normalportion essen in einem günstig gelegenen Restaurant, wobei die Hamburg-„Experten” unter den Musical-Freunden das sog. portugiesische Viertel Rambachstraße Kreuzung Karpfangerstraße aufsuchen. Nach dem Musical vielleicht noch ein enttäuschender Reeperbahn-Bummel, der auch nicht mehr das ist was er früher mal zu sein schien. Ja, die Reeperbahn. Von einer damaligen Amüsiermeile verkommen zum aufstrebenden Schicki-Micki-Quartier für zweitklassige Business-Kasper. Am nächsten Tag (Sa/So) Hafenrundfahrt oder Besuch folgender Museen: Sex-Museum oder Beatles-Museum. Wahlweise erfolgloses Shopping. Hagenbecks Tierpark liegt zu weit draußen. Aussichtsplattform der Elbphilharmonie lohnt bei dem Wetter nicht. Ende. Nein. Ihr seid anders, hanseatischer. Ihr habt dort einheimische Kontakte, kennt die Insider-Locations, meidet den Proll, hebt die wahren Schätze. Ich beneide euch. 

So, Entwarnung. Diesen Text bitte nicht beachten, das war natürlich nur eine kleine Schreibübung. Noch einen schönen Aufenthalt weiterhin.