Corona-bedingt waren ab dem Zeitpunkt, als Sommer-Urlaube wieder möglich schienen, nordwesteuropäische Ziele dennoch sehr fraglich und Urlaubsdomi(ni)ziele in Deutschland liegender Nord- und Ostsee-Destinationen schnell weggebucht – oder zu teuer oder, adjektivisch zu verstehen, „scheiße“. Ein Kompromiss war das uns von einem eintägigen Besuch 2007 noch bekannt geglaubte Weener an der Ems, wo wir über airbnb eine schöne Wohnung mit niederländischem Flair gefunden hatten. In Weener trifft man auch an anderen Stellen auf niederländisches Flair. Kein Wunder : westlich der Ems war man in früheren, brückenlosen Zeiten wohl mehr zu den Nachbarn nach Westen orientiert.

Samstag, Libori-Samstag, 24. Juli 2021 – Die Hinfahrt 

Abfahrt 10.45 Uhr. Wg Stau auf der A31 schlug Google vor, ab Osnabrück über die B68, 218, 402 zu fahren, um gegenüber dem Stau 23 Minuten zu sparen. Wir willigten ein und nutzten die 23 Minuten für ein Picknick unterwegs in einem einsamen Wald. Kurz nach 14 kamen wir in Weener an und fanden die Wohnung wie auf den Bildern vor, ohne Überraschung. Die Butze, wie das Schlafzimmer aufgrund seiner besonderen Konstruktion heißt, hatte sogar Tageslicht. Die andere Wohnung wird von ruhebedürftigen Lüneburgern bewohnt. Nach dem Einrichten und einer Einkaufstour beim E-Center, früher sagte man EDEKA, ging es bereits um 18.30 auf zur ersten Radtour: Durch die flache Landschaft, deren Kanäle aber so winzig und daher unsichtbar blieben, war unser Ziel die Kirche von Georgiwold. Ein Backstein-Kapellchen mit schiefem Turm aus dem späten Mittelalter. Höhepunkt der 20-km-Tour: Einkehr in einer Pommes-Station an der B436 bei Möhlenwarf. Im Verlauf der weiteren Heimfahrt drohte schon eine schöne Gewitter-Kulisse. Wir fotografierten noch auf dem Bahnübergang in Richtung Weener, da rief uns die Mutter runter, weil von hinten plötzlich der Zug aus Groningen kam. Glück gehabt. Am Hafen, 50m von daheim entfernt, also gleich um die Ecke, kehrten wir auf ein Bier bei Katja’s ein. Katja scheint uns divers zu sein und spricht niederländischen Akzent. Alle, die man trifft, von der Rollator-Omma über Grundschulkinder bis zum Punk, grüßen: „Moin.“ Diesen Grad an Aufmerksamkeit und Freundlichkeit sind wir nicht gewohnt. Und wir werden gefragt: „Sind Sie Feriengäste ? Urlauber ? Kommen Sie aus Mastbruch ? Streng genommen nein, bzw. ja. In dem Moment, als wir wieder zur Haustür reinkommen, fängt der Gewitter-Abschnitt „Regen“ an. Ordentlicher Regen. Nach dem Entwickeln der Fotos fallen wir müde in die Butze.

In der nachfolgenden Bildergalerie fällt ein heruntergekommener, seiner ehemaligen Nutzung enthobener Speicher von ca. 30m Höhe aus den 1950er Jahren auf. Im Erdgeschoss befindet sich eine Gastronomie, die in den Sommermonaten saisonal und „lustig“ improvisiert nach außen erweitert wird, wodurch die Gesamtoptik abgewertet wird. Kurz hatten wir beschlossen, das Ensemble für ca. 250.000 € zu kaufen und das Potenzial mit weiterem Investment von ca. 3.000.000 € zu entwickeln : Hotel, maritimer Fachhandel, Dienstleistungen, Gastronomie. Allerdings steht der Speicher für die angepeilte Summe nicht zur Disposition – bei Engel und Völkers sind 699.000 € aufgerufen. Nun ja, dann eben nicht.

Bildergalerie : Weener at it’s best

Bildergalerie Home Story : Wohnung und Garten

Sonntag, 25. Juli 2021

Alle Kirchen bimmeln, und es gibt viele Kirchen in Weener. Allen voran die Reformierten als lokaler Platzhirsch mit St. Georg. Kreis Leer und Kreis Emsland sind wohl das Epizentrum der Reformiertheit. Es gibt auch eine katholische Kirche St. Joseph, die lutherische Erlöserkirche, die evangelische Gemeinschaft Weener, die Zeugen Jehovas, und die Baptisten. In Bunde existiert sogar eine Alt-reformierte Kirche. Wir dagegen bevorzugten die Teilnahme beim Livestream des Libori-Pontifikalamtes aus dem Dom per domradio.de mit allen 5 Strophen von „Sei gegrüßet o Libori“.

Zur Mittagszeit „brachen wir auf“, wie es im Messdienerausflug in den Berichten der verschiedenen Urlaubsreisen über die Jahre unzählig oft heißt. Zuerst ging es durch das Areal der 25 Wohnmobile am Hafen, 2007 noch nicht vorhanden. Die Wohnmobilisten verhalten sich arttypisch. Sie sitzen am Steuer und glotzen nach vorne. Die ganz Sportlichen haben Campingstühle neben dem Mobil aufgestellt und glotzen von dieser Position. Wir brachen, wie gesagt, auf, natürlich mit dem Fahrrad, um, ca. 500 Meter entfernt, auf dem Ems-Deich an der Hafenschleuse ein Schoko-Croissant zu essen. Eins für zwei Esser*innen. Das Croissant war schnell weggefressen, was nun ? Ein Radwegeschild sagte: „Papenburg 15 km“ – why not. Spontan wurden wir zu Why-Nottern. Unterwegs, in Stapelmoor, tat sich eine – was wohl – reformierte Kirche auf, ohne „Sankt“ im Namen, geleitet von Pastorin Barbara Wündisch-Konz. Die Seitentür war offen, und wir traten ein. Kein Bild, keine Figur, kein einziges Kreuz. Reformiert halt. Die Deckenmalerei aus dem 13. Jahrhundert hatten sie aber nicht gewagt, abzukratzen. Ein Tisch-Bänkchen stellte sowas dar wie woanders „Altar“ genannt. Aufliegend ein altes dickes Buch, vielleicht eine Inkunabel, wahrscheinlich keine Handschrift. Daneben ein Flammenwerfer. Wir haben es weder zu berühren noch mit dem Flammenwerfer anzuzünden gewagt. Zum Verständnis hier die reformierte Liturgie:

  • Musik zum Eingang
  • Eingangswort
  • Psalm oder Lied
  • Eingangsgebet mit Sündenbekenntnis
  • Schriftlesung
  • Lied
  • Predigt
  • Lied oder Musikstück
  • Bekanntmachungen und Abkündigungen
  • Fürbittengebet
  • Gebet des Herrn (Unser Vater)
  • Lied
  • Segen
  • Musik zum Ausgang

Bildergalerie : Friesisch reformiert

Kurze Zeit später fuhren wir unter einer vor Spannung knisternden Stromleitung her. Sie knisterte grasenden Kühen etwas vor. Von weitem sichteten wir die Produktionshallen der Meyerwerft Papenburg – „The Meyer Shipyard“ Papenburg, since 1795. Im Moment läuft’s bei denen nicht so gut. Wir kamen näher. Ein relativ fertiges Kreuzfahrtschiff, die AIDA cosma lag vor der Halle im Wasser und wurde vom Besucherparkplatz von Menschenmassen, die dazu eine Tribüne erklettert hatten, angestaunt. Weiter ging es weiträumig südlich um das Werftgelände herum endlich in die Papenburger City, die für Touristen in Busgruppen vorwiegend aus dem sogenannten „Hauptkanal“ besteht. Ein zugbrückig-grachtiger Kanal, im 18./19. Jh. für die Torfwirtschaft erbaut, heute mit Cafés, Restaurants und outletartigen Shops bestückt. Obwohl wir es normalerweise vermeiden, vergangene Einkehr-Erlebnisse zu wiederholen, war uns diesmal danach, in einem Eiscafé am Hauptkanal zu zelebrieren, wo wir schon im Juni 2007 völlig erhitzt ein Eis fraßen. Ebendort. Gerne hätten wir treudoof gefragt: „Wir waren 2007 schon mal hier, Sie können sich sicher an uns erinnern ? Ich hatte doch 2 Kugeln mit Sahne, Schokolade/Zitrone, vielleicht auch Vanille/Nuss“. Die unmittelbare Umgebung, bestehend aus Hotels, Kneipen und einer überdimensionierten Sparkassenzentrale zeigte sich unverändert wie vor 14 Jahren. Doch wir ignorierten alle Warnsignale, bereuten anschließend tief und durchlitten die berüchtigte kognitive Dissonanz, weil:

  • Blöde Tischnachbarn, die uns schon auf der Tour vorhin aufgefallen waren
  • Saufende, zu laute fläzige Männergruppe zwei Tische weiter
  • Eiscafé aus den falschen Grundzutaten
  • Geizige Ausstattung: Eis wurde auf Untertassen serviert. Noch nicht mal eine winzige Papierserviette, keine Quittung

Trinkgeldlos verließen wir das Gelände und anschließend die Stadt, für immer. Nicht ohne auf weitere Eiscafés zu achten, die netter gewesen wären. Unterhalb des öden und vertrockneten Emsdeichs gelangten wir, einen freundlichen liegenden Esel passierend, zur Anlegestelle der Friesenfähre, wo wir noch als Personen 7 und 8 zur Mitnahme zugelassen wurden,  weil eine Vierergruppe sich nicht trennen lassen wollte. Wir verbrachten 2,5 km an Bord mit Maske auf und funkten an Jean-Germain: „Wir befinden uns auf hoher See“. Zwar kostenlos, allerdings mit Spendenaufruf, wie in Jean-Germain’s Konzerten. Eintritt frei, Spende erbeten. Wir gaben 5 Euro.

Bildergalerie : Papenburg

Montag, 26. Juli 2021

Vormittags: zum E-Center : Brötchen und Ostfriesenzeitung

Mittags/Nachmittags: Radtour. Über Bunde bis an die Grenze nach Nieuweschans, aber nicht drüber. Kurzer Holland-Übertritt in Nieuwe Statenzijl. Ziel Ditzum, bekannt von Kloppereien und Gaunereien in/vor/neben der Werfthalle in der FRIESLAND Krimi-Serie. Hungrig kamen wir an und freuten uns auf einen Teller Muscheln mit Pommes. Da wir jedoch nicht in der Normandie sind, sondern Nähe Dollart, gibt es keine Muscheln, sondern irgendwas anderes. Doch zunächst drehten wir mit dem Rad viele Runden um jene 3 nebeneinanderliegenden Restaurants, die trotz „es ist Montag, selbstverständlich haben wir Ruhetag“ geöffnet hatten. Nach der 4. Runde war in Restaurant Nr. 2 einer von acht 4-er-Tischen frei geworden. Was es gab ? Nun ja. Nach 45 Minuten begann der Rückweg über Jemgum und Bingum, bei Gegenwind und drohendem Regenschauer. Es fielen aber nur ein paar Tropfen und die für solche Fälle bereitgehaltenen gläsernen Buswartehäuschen kamen für uns nicht zum Einsatz. Schade, wir denken begeistert an das Buswartehäuschen Nähe Glumslöv/Skâne/Schweden, in dem wir campierend glückliche Stunden verbrachten. Von den zahlreichen reformierten Kirchen, die an der Strecke lagen, besuchten wir nur die Ditzum. Wir glauben nun: Wenn schon evangelisch, dann bitte reformiert.

Später Nachmittag: weitere 2 Radtouren zum E-Center, weil in den Rucksack nicht alles auf einmal reinpasste. Das Schöne an Weener ist: kein Café, kein Eiscafé, kein Restaurant. Man spart einfach einen Haufen Geld.

Bildergalerie : Ausflug nach Ditzum

Dienstag, 27. Juli 2021

Endlich haben wir einen Lieblingsplatz. Wir sitzen auf einer Bank neben dem Schleusenwärter*innenhäuschen. Leider konnten wir in den vergangenen 3 Tagen keinsterlei maritime Bewegung beobachten, von der die Schleuse betroffen gewesen wäre. Sie blieb die ganze Zeit zu. Beobachtet wird vom Bankplatz daher das Treiben auf der Ems: Schiffe fahren nach Emden, andere Schiffe in die Gegenrichtung nach Hövelhof. Flut und Ebbe wechseln sich ab und verschaffen dem Wasserstand Unterschiede von bis zu 3,50 Höhenmetern. Zum Beweis: Hier ein Bildvergleich mit Schieberegler –

Mittwoch, 28. Juli 2021

Morgens wie „immer“. Erster Tagesordnungspunkt : Besuch des Organeums im Auftrag von Jean Germain.

Das Organeum Weener hält sich für weltberühmt und ist in Wirklichkeit ein kleines Orgel-Panoptikum mit alten kuriosen Zimmer-Orgeln. Geräte mit 5000 bis 10.000 Pfeifen nicht so viele.

Zwei Dinge fanden wir bemerkenswert:

  • Den total verstaubten und vollgerümpelten Museumslook alten Typs. Immerhin: Eintritt frei – Spende erbeten. Mit einem Investor, der 2 bis 3 Millionen spendiert, könnte man was draus machen.
  • Das Cembalo von 1983 (Nachbau von irgendwas), bei dem zusätzliche Tasten jeweils zwischen H und C sowie E und F eingefügt waren, um Musik in Praetorius’scher Stimmung optimiert spielen zu können. Da muss man erstmal drauf kommen.

Die Nachbarn aus Lüneburg rüsteten zu Abreise. Wir haben nun sturmfreie Bude. Nach dem optimierten Frühstück stand die von langer Hand geplante Radtour am Elisabethfehnkanal an. Diesen Tipp hatten wir aus einem NDR-Reisemagazin. Dazu war eine 45-km-Anreise mit dem Auto nötig. Ob das Zielgebiet Barßel, Elisabethfehn und Augustfehn noch zu Ostfriesland gehören, sollten wir spontan eher mit nein beantworten, jedenfalls liegt es sehr weit südlich. Wahrscheinlich schon im „Oldenburger Münsterland“. Wir kamen durch drei Landkreise: Cloppenburg, Ammerland, Leer. Die Kanäle sind recht schön, ausgestattet mit Zugbrücken und Schleusen, sogar eine Bahnlinie geht durch das Gebiet. Allerdings war in Sachen Idylle noch Luft nach oben. Ein nettes kleines Café zwischen Brücke und Schleuse hätte die Zufriedenheit abgerundet. Irgendwie waren die 31 Km letztendlich eher eine Pflichtour als ein tolles Erlebnis. Dazu kam: Bei der Einkehr im Gartenbereich der Teestube beim Moormuseum Elisabethfehn war leider, leider der Käsekuchen aus. Von Pflaumenkuchen ganz zu schweigen. Die Himbeertorte eine glatte Enttäuschung. Auf der Rückreise nahmen wir uns noch Zeit für einen „magischen Ort“, der uns zuvor auf der haltlosen Anfahrt aufgefallen war: Bahnübergang mit Wärter*innenhäuschen über den Kanal. Wir hielten an, stiegen aus und wollten die Kulisse im Bild festhalten. Doch was das Auge bei der Durchfahrt zu einem Erlebnis komprimiert hatte, war so am Stück nicht fotografierbar. Die unzähligen Rhododendron-Büsche überall an den Höfen, Mooren und Feldern waren so hoch, dicht und üppig, dass man analog zur inzwischen erkannten „Kirschlorbeerplage“ auch den Rhododendron als solche einstufen könnte.

Abends wollten wir im heute mal geöffneten „Hafenblick“ einkehren. Zunächst mussten wir auf dem Weg dorthin unter einem Carport den Regenschauer abwarten. Nebenan stand ein Opel Ampera, der erste und einzige, den wir bisher gesehen haben. Wölfe streunten vorbei. Im „Hafenblick“ war wenig los. Die seelig erwarteten Pifferlinge zum Lachs erwiesen sich als schnöde Schampiongs. Im erstmals seit Samstag sonnigen Abendlicht machte die Kamera schlapp wegen Battery low.

Bildergalerie : Fehnkanäle

Donnerstag, 29. Juli 2021

Donnerstag war es sehr windig. Wir verzichteten auf eine Radtour und fuhren am frühen Nachmittag nach Leer. Unser letzter Aufenthalt hier war im Juni 2018, und was soll man sagen, es war nicht besser geworden inzwischen. Dank der bekannten ZDF Ostfriesland-Krimis hat sich der Tourismus weiterentwickelt, was nie zum Guten führt. Noch nicht übergeschnappt, aber das kann noch kommen. Von den aktuellen Dreharbeiten, von denen die Ostfriesland Zeitung berichtet, haben wir nichts mitbekommen. In der großen Kirche, die auch so heißt und nicht Sankt sowieso, schneiten wir rein, um einen Blick auf die – wie uns der Presbyter oder Aufpasser erklärte – größte Orgel Ostfrieslands, 2015 in Original-Stimmung restauriert, zu werfen. Für das Abendkonzert um 20 Uhr übte bereits Vincent van Laar, ein angeblich berühmter Organist. Er arbeitete sich an Bach, Buxtehude und Sweelinck ab, oder auch nicht. Wir schlichen die bekannten Wege, registrierten aufmerksam alle Veränderungen und Verschlimmbesserungen gegenüber 2018. Die tolle Bäckerei im Retro-Stil (alles echt authentisch !) mit dem Ostfriesen-Rosinenstuten war von allen Waren befreit, aber vollständig eingerichtet. Wir hoffen, dass sie nicht aufgegeben haben, sondern z.B. nur Betriebsferien machen. Einkehr sollte Pflicht sein, schließlich landeten wir bei der Waage. Die Speisekarte las sich verlockend, aber schlechtes Timing. Um 17 Uhr wollten wir noch nicht zu Abend essen und beschränkten uns auf ein Stück Kuchen. Sehenden Auges verrannten wir uns ins Unglück, indem wir ausgerechnet ein Stück Apfeltorte bestellten. Hübsch dekoriert, mit Sahne, und zum unvermeidlichen Ostfriesentee gehörten auch Zuckerklümpchen in weiß und braun, sogar an Wölkchen-Sahne mit Plemperlöffel hatten sie gedacht. Um nicht schroff zu wirken, verzichteten wir darauf, diese ganze Deko zurückzuweisen. Die Apfeltorte war, wie man sich denken kann, eine ungenießbare Zimtbombe, und dankbar tunkten wir wenigstens das mitgelieferte Haferplätzchen in den Tee. Um die trübe Stimmung aufzuhellen, orderte die Mutter aus Mitleid noch ein Stück Käsekuchen. Rückfahrt. Abends drehten wir in Weener unsere Standardrunde am Yachthafen bis zur Emsschleuse, und beschlossen, dort am Freitag um 5.51 den Sonnenaufgang zu erleben.

Bildergalerie : Leer plus Sonnenaufgang 5.51 Uhr

Freitag, 30. Juli 2021

Morgens war überraschend Christine, die Eigentümerin des Hauses aus Oldenburg angereist, um im Garten eine Ratte zu fangen, die angeblich gesichtet worden war. Leider machte sie das nicht selber, sondern hatte eine Spezialistin mitgebracht. Auch die Spezialisten war nur für die Einsatzleitung zuständig, nicht für die eigentliche Durchführung, und wir wissen nicht, ob die Aktion tatsächlich erfolgreich stattfand. Wohl eher abgeblasen. Wir kamen mit Christine ins Plaudern (Corona, Urlaub, Haus, etc.), und vermieden sorgsam jeden kritischen Unterton.

Am Mittag nahmen wir spontan eine Radtour auf einem abgestecken Kurs in der grenznahen niederländischen Provincie „Groningen“ vor. Auto-Anreise bis Bunde. Dann über Nieuweschans, Beerta (dort Erinnerungen bzw. keine Erinnerungen an 1982) und ein Neubaugebiet mit viel Wasserlandschaft (Blauwe Stad im/am Oldambtmeer), Winschoten, Oudeschans, nochmal Nieuweschans zurück nach Bunde. Alles sehr einsam, dünn besiedelt und dank des Wetters nicht mit den besten Aussichten gesegnet. Doch, manchmal kam die Sonne raus, und dann fing es wieder an zu tröpfeln. Die berüchtigen Regencapes blieben aber im Korb. In Winschoten, das man nicht gesehen haben muss, gönnten wir uns Kibbeling auf die Hand. Niemand trug eine Maske – außer uns. In Nieuweschans Einkauf von Pindakaas, Appelstroop, Côte d’Or Schokolade, Douwe Egberts Coffie. Zum Abschluss gönnten wir uns in Bunde bei Mola ein schönes Eis im Sitzen. Wen hatten wir da am Nebentisch ausgemacht ? Das Mörderpärchen aus Bosseborn. Sind die schon wieder auf freiem Fuß ? Eigentlich wollten wir daheim ein Abschiedsbier nebenan bei Katja nehmen, aber nach dem Gewitter hatte es sich eingeregnet und der Betrieb, während wir dies schreiben, wurde für heute eingestellt. Zum Glück lag noch ein Jever im Kühlschrank.

Nach dem Gewitterschauer mit echtem Regenbogen drehten wir bei fortgeschrittener Dunkelheit eine letzte Runde auf dem Ems-Deich bis zur Bahnbrücken-Ruine. Die unmittelbare Bahn- und Brückenwärter*innenhäuschenumgebung, ein magischer Ort aus dem xx. Jahrhundert, war nicht zugänglich. So grüßt das Häuschen nur als stummer Geselle – lassen wir die Form „Gesellin° ausnahmsweise außen vor – aus der Ferne. Die Magie bleibt spürbar.

Bildergalerie : Radtour durch die benachbarte Provincie · plus Abschiedsabend