2014 · Kappeln an der Schlei

By 23. November 2014Dezember 20th, 2014unterwegs
Eine Woche in Landarzt Country – 22.–29.11.2014

Samstag, 22. November 2014

Morgens waren wir noch auf dem Wochenmarkt Einkaufen: Kartoffeln, Eiher, Tomaten, Grußwurst. Die Hinfahrt ging glatt wie selten. Flüssiges, ruhige Fahren, Rückenwind, keine LKWs, kein Stau im Elbtunnel. Hinter Hamburg das wohlmundende Reise-Ei mit Coffee-to-go und heimischem Wurstbrötchen. ETA 15.00 Uhr wurde strikt eingehalten. Unser Haus (genauer: Haushälfte, natürlich die hintere, nicht die vordere mit Meersicht) lag in einer großspurig „Resort“ genannten Großbaustelle mit verschlammter, schlaglöchriger Piste als Zufahrt. Der Security-Mann in einem Wachcontainer wollte uns erst nicht durchlassen, monierte, dass wir versucht hätten „ohne Anmeldung durchzufahren“, was nicht stimmt, und händigte uns nach weiteren Einschüchterungsversuchen dann einen Resort-Schein aus „damit das nicht wieder passiert“.

Wir registrierten sofort, dass vor dem Haus die Klappe des Stromkastens im Sand lag und der Regen ungehindert in den Stromkasten prasselte. Nach dem Einräumen und Inspizieren machten wir per E-Mail beim Eigentümer Meldung. Anschließend sicherten wir die nicht mehr einrastfähige Klappe mit unserem blauen Abschleppseil. Der Wind hatte einiges an Beaufort aufzubieten, war allerdings noch nicht auf Sturm-Level angekommen. Wir verzichteten auf Erkundungstouren und blieben „mit dem Arsch“ im Hause, wie man früher sagte. Es war soweit alles ok, nichts zu meckern, zu jammern allenfalls auf hohem Niveau, und so lassen wir das. Z.B. unterscheiden sich die beiden Klo’s in „meins“ und “deins“, und meins hat kein Fenster und keinen Lüfter, ohne weiter ins Detail zu gehen. Es könnten mehr und vor allem gemütlichere Lampen vorhanden sein.  Um 21.00 Uhr klingelte es, und die Nachbarn vom Vorderhaus waren angekommen: Hessen, die den Schlüssel nicht fanden und uns um fachmännischen Rat fragten, um nicht im Auto bzw. im Hotel übernachten zu müssen oder die Rückfahrt nach Hessen antreten zu müssen. Wir konnten ihnen helfen.

Sonntag, 23. November

Das Wetter hielt sich immens zurück. Nach einem gemütlichen Frühstück kam die aufgeschobene Erkundungstour innerhalb des Resorts. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Häuser eher von falscher Schönheit. Die eigentlich wünschenswerten Lücken werden in den nächsten Jahren wohl noch zugebaut. Wir stellten fest, dass das Bundeswehrgelände auf der unerreichbaren Südhälfte des Ports Olpenitz noch nicht komplett rückgebaut ist, sondern einsam und verlassen hinter einem Stacheldrahtzaun zur Ruinenlandschaft konvertiert. Der gesamte Port ist fast 3 km lang und zu Fuß läuft hier gar nix.

Am Vormittag fuhren wir nach Kappeln, besser bekannt als Deekelsen aus der ZDF-Serie „der Landarzt“ (1986–2012), der man hier mächtig nachtrauert. Es waren wohl die goldenen Jahre. Wenn man über die Schlei-Brücke kommt und hinter den Hochwasser-gefährdeten Hafen-Parkplätzen in Richtung Innenstadt den Berg hochfährt, steht am Fuß ein ca. 35 Meter hohes, aus Beton gegossenes Landarzt-Denkmal: eine gigantische Janus-köpfige Großskulptur mit drei Häuptern, die in drei (statt zwei) Richtungen blickt. Unverkennbar sind es die Fressen der drei Landarzt-Darsteller: Christian Quadflieg, Walter Plathe und Wayne Carpendale. Die Figur war seinerzeit und ist immer noch sehr umstritten. 2013 hatte es deswegen sogar politische Brüche im Kieler Landtag gegeben. Überall in der Stadt sieht man Hinweise: Die Kneipe, in der die Stammtisch-Szenen gedreht wurden, heißt Gasthaus zum Landarzt. Der Frisör heißt Deekelsen Frisör. An vielen Geschäftshäusern sind Schilder angebracht: Hier aß der Landarzt in einer Drehpause der 6. Folge der 14. Staffel ein Fischbrötchen. Hier hat Hinnerksen seine gehäkelte Mütze reinigen lassen. Hier übernachtete Pastor Eckholm dreimal während der 5. Staffel. Usw.

Wir suchten den angeblich auch sonntags geöffneten Markant von Clausen und stellten fest, dass Clausen sonntags selbstverständlich geschlossen hat. Vieles sah recht dänisch aus, es ging stellenweise auch schleswig-holsteinisch bis deutsch zu. Wenig los bei trübem Wetter. Aus dem Auto sah die Meile am Hafen noch recht vielversprechend aus, beim Zu-Fuß-Abschreiten löste sich dieser Mythos schnell auf. Kappeln scheint ein Zentrum des Yachtbau- und Handels zu sein. Wir wären nicht wir, wenn wir uns mit dem 200-Meter-Radius normaler Bus-Touristen begnügten. Wie immer, liefen wir weit hinaus, bis das Gelände nur noch aus hohem Gestrüpp, Abbruch-Areal und verlassenen Gewerbehallen bestand. Ein umgewandelter Speicherbau (pierspeicher.de) schließlich schien ein für uns schlüssiges architektonisch-gastronomisches Konzept zu bieten, uns so kehrten wir hier auf einen schnellen Kaffee ein. Unerwartet bekamen wir den besten Platz mit Blick auf den mittlerweile von mild-dunstigem Sonnenlicht beschienenen, aber leblosen Hafen. Die Speisekarte sah nach Wiederkommen aus.

Nach einer Mittagspause daheim mit Kuchen und Fischbrötchen beschlossen wir, den kurzen Tag (16.00 Einbruch der Dunkelheit) für einen Strandspaziergang ab Lobster bis nach Schönhagen und zurück zu nutzen. Schönhagen hat nichts zu bieten. Das Besucher-Epizentrum am Strand besticht durch bröckelnden DDR-ähnlichen Charme, im Ort selbst ist ein sich selbst „Schloss“ nennendes obskures bzw. unheimlich gefährlich wirkendes Spuk-Sanatorium von zweifelhafter theraupeutischer Wirksamkeit das beherrschende Angebot. Schnell weg von hier. Auf Umwegen durchquerten wir eine Siedlung mit Ferienhäusern älteren dänischen Typs, in denen sogar echte Dänen wohnten. Wo bleibt deren Lokalpatriotismus ? Wachen sie nicht Nacht für Nacht auf, weil sie fast platzen vor Nationalstolz und schreien „Hej, boah, wir sind Dänen!“

Am Abend frischte der Wind wieder auf und wir konzentrierten uns auf die häusliche Gemütlichkeit.

Galerie Samstag/Sonntag

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Montag, 24. November 2014

Das Wetter superte auf. Ab 9.00 Uhr drehte im rechten Nachbarhaus die Baustelle auf. Ein Kerl verteilte mit einer Schubbkarre Kies, andere errichteten mit einem mobilen Kran die dritte Etage aus vorgefertigten Holzwänden. Hinter dem Haus machte sich in Ufernähe ein großes Baggerschiff daran, die Uferbefestigung mit großen Wackersteinen zu erneuern.

Nach dem Frühstück verließen wir das Haus Richtung Kappeln City. Fotoversuche von schräg Südwest über die Klappbrücke Richtung City vom Standort Jugendherberge scheiterten an nirgends zugänglicher freier Sicht. Die Suche mit dem Auto nach dem angepriesenen EDEKA brachen wir wieder ab, weil EDEKA nicht auffindbar war, jedenfalls nicht durch Herumgurken und Ausschau halten. Im Handy nachschauen und per Navi ansteuern kam nicht infrage, das kann jeder. Wir bummelten shoppend durch die City und kauften u.a. mehrere Bücher. Reisezeit = Bücherkaufzeit. „Bücher“ weckt begrifflich vielleicht die falschen Vorstellungen. „Schund“ ist die passendere Bezeichnung. Dazu etwas Killefit, braucht man auch manchmal. „Ein“ kehrten wir diesmal leider nicht. Wir inspizierten nochmals die Landarzt-Phänomenalik, schossen ein paar Fotos rund um Pastor Eckholms ev.-luth. Kirche St. Nikolai und reisten irgendwann weiter nach Maasholm – ein kleines sog. Fischerdorf, welches abgelegen im weiten Mündungsgebiet der Schlei liegt und dessen Hafen nahezu 100%ig dänisches Flair verbreitet. Unsere Hoffnung auf Einkehr wurde nicht erfüllt. Es waren von den wenigen, aber anzahlmäßig ausreichenden Kneipen, Cafés und Restaurants keines geöffnet. Weiter ging es nach Kronsgaard (korrekt müsste es Kronsgård heißen, aber in Deutschland wurde die II. dänische Lautverschiebung von 1949 wohl nicht nachgezogen, um die deutsche Sprache vor dem „å“ zu verschonen). Eine Wanderung auf dem Deich in Richtung eines verdammt nach Strandcafé aussehenden Gebäudes führte uns in Wirklichkeit zu einer verlassenen DLRG-Station. DLRG-Stationen sind völliger Quatsch. Die Leute sollen aus dem Wasser rausbleiben, wenn sie darin nicht klar kommen. Es reichte nun. Auf dem Rückweg kamen wir zunächst an dem gesuchten, riesigen EDEKA vorbei. Er hatte selbstverständlich wegen Umbau geschlossen. Dann sahen wir einen Penny und kauften da ein. Völlig fassungslos waren wir angesichts der Feststellung, dass man dort kein Flensburger führte. Krombacher ja, aber das war für uns aus ethischen Gründen unzulässig. Somit war heute der dritte Tag ohne ein Bier. Geht auch. Wieder zu Hause, war das Baggerschiff immer noch emsig.

Galerie Montag

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Dienstag, 25. November 2014

Wetter: den ganzen Tag strahlend blauer Himmel. Sonnenaufgang in der Küche. Mittags nahezu warm. Kaffee auf der Terrasse. Abends 2°.

Wir legten einen Home day ein und kümmerten uns etwas um das Baggerschiff und um die Kunden. Mittags ein Spaziergang durch die heute sehr belebte Baustelle bis nach Olpenitz-Dorf, wo absolut nichts los war. Trostlos liegt vor dem Resort-Areal eine aus fünf Wohnblöcken à 6 oder 8 Wohnungen bestehende ehemalige Bundeswehr-Siedlung, in der Wohnungen zu vermieten angepriesen werden. Doch so wird das nichts. Der Security-Mann in seiner Baracke an der Einfahrt zum Resort erzählte uns einiges zum Verständnis des Projekts, und wie es weitergeht. Wir lernten und staunten viel und haben nun viel Hochachtung vor dem Beruf des Security-Manns, den wir bisher immer den unehrenhaften Berufen zugeordnet hatten, zu denen die Geschäftsleute und Erfüllungsgehilfen aus folgenden Branchen zählen:

  • Autowaschstraßen
  • Campingplätze
  • Muckibuden
  • Kinos
  • Sonnenstudios
  • Diskotheken (gibt es ja nicht mehr)
  • Geldtransporte
  • Bowlingcenter
  • Minigolfanlagen
  • Mobilfunk-Franchiser
Mittags gab es ein exzellentes Curry mit folgenden Zutaten:

  • 300 g Nudeln
  • Eine Courgette (Zucchini)
  • 250 g Schampiongs
  • 2 Scharlotten
  • 1 kleines Römer-Salatherz
  • 1 drittel Salat-Gurke
  • Salz, Pfeffer, Rapsöl und Balsamico-Essig

Rezept:

  1. Die ungekochten Nudeln mit einem Mixel zu Mehl zerkleinern.
  2. Courgette, Zwiebeln, Schampiongs, Scharlotten ebenfalls mit dem Mixer fein zu einem Gemüsebrei zerkleinern.
  3. Den Gemüsebrei mit dem Nudelmehl und der Hälfte des Öls zu fingerdicken Fladen formen. Im Backofen bei 200g Umluft auf einem Blech zu Tacos backen.
  4. Den Salat und die geschälte drittel-Gurke zu sehr feinem Salat schneiden.
  5. Den feingeschnittenen Salat in einer sehr heißen Pfanne 15 Sekunden rösten.
  6. Salatsoße aus dem restlichen Rapsöl, Balsamico-Essig, Salz und Pfeffer rühren.
  7. Den feinen Salat als Bett oder Rand auf Tellern verteilen und mit der Soße beträufeln.
  8. Die Tacos auf dem Salat anrichten.

Dazu reicht man körnigen Senf und als Getränk einen Chardonnay

Nach Einbruch der Dunkelheit fuhren wir nach Kappeln, um bei Clausen noch ein Sixpack Flensburger zu holen. Für schöne adventliche Bilder rund um Pastor Eckholms Kirche war es zu dunkel. Nebenan befindet sich noch ein autonomes Metzger-Geschäft bzw. ein Fleischwaren-Fachhandel mit relativ jungem Fleischer. Vermutlich wird Pastor Eckholm den nicht mehr gekannt haben. Am Hafen entdeckten wir ein auf skandinavische Zoll-Touristen spezialisiertes Spirituosen-Geschäft mit faszinierenden Whisky- und Aquavit Sorten. Unglaublich, wieviele unterschiedliche Sorten allein die Marke Aalborg zu bieten hat. Für uns gilt allerdings immer noch der Grundsatz, keinen Whisky außerhalb Schottlands zu trinken.

Mittwoch, 25. November 2014

Heute stürmisch. Nachmittags sonnig, sehr kalter Wind (7°, gefühlte 1°, was nicht viel ist). Das Baggerschiff zog vormittags ab. Gegen Mittag reichte uns die Häuslichkeit und wir fuhren ca. 35 Km nach Eckernförde, z.B. um dort chic zu essen. Leider fanden wir nichts adäquates, wofür es sich gelohnt hätte, Geld auszugeben. Die Stadt war nicht unbelebt, jedenfalls erfüllte uns das Aufkommen an Passanten nicht dermaßen mit Sorge wie in der Innenstadt des unter dem Rückzug des Landarztes leidenden Kappeln. Es gab ein paar Gassen, die wie an Lübeck erinnerten, eine Fußgängerzone und ein paar Geschäftsnebenstraßen mit vielen kleinen Geschäften und nicht übermäßig vielen bekannten Ketten. An der pittoresken Hafenmeile und an der Strandmeile war es zwar sonnig, aber wie gesagt zu kalt. Für die Jahreszeit zu kalt, wie der Wetterbericht der Tagesschau sagt. Zudem die oben beschriebenen gastronomischen Defizite. Das Viertel links vom Hafen den Berg rauf erkundeten wir leider nicht. Nächstes mal vielleicht. Schwer Plastiktütenbehängt, steifgefroren und unbeweglich konnten wir irgendwann nicht mehr und kehrten in einer Bäckerei mit Sitzgelegenheit ein – immerhin gab dort es auch Torte Nach einem Lachsbrötchen wagten wir nicht zu fragen. Eckernförde ist mehr was für den Sommer. Auf der Rückfahrt nahmen wir drei experimentelle Umwege ins Visier:

  1. Damp. Früher Damp 2000, aber da sich das sehr gestrig anhört, hat man das 2000 inzwischen gestrichen. Damp City war durch eine Maut-pflichtige Schranke abgeriegelt. Sofort hauten wir wieder ab.
  2. Schuby Strand. Zum Strand wäre man über einen großen Camping-Platz gekommen, wenn der nicht im Winter geschlossen wäre.
  3. Sky. Das ist kein Bezahl-Fernsehsender, sondern eine hiesige Supermarkt-Kette. Da wir dort „Ja“-Produkte fanden, könnte es was mit REWE zu tun haben. Sky war groß, hell, freundlich, ambientös. Wir kauften ein und fuhren endgültig nach Hause.

Mail an den Messdiener O. 

Heute waren wir in Eckernförde, und im Café erkannte man uns am Dialekt: „Kommen Sie vielleicht aus Paderborn?“ „Ja, warum?“ „Vor kurzem – kann auch eine Weile her sein – war mal ein jugendlich-flotter Audifahrer mit einer eleganten Lady hier, die sprachen ähnlich.“
„Trug die Dame eine Sonnenbrille, Leggins, hatte eine platinblonde Lockenfrisur und hätte die Tochter des jungen Mannes sein können?“
„Richtig, ich erinnere mich!“
„Eine vermögende Polin und ihr Chauffeur auf dem Weg ins Privatsanatorium. Vermutlich das jährliche Face lifting. Ich kenne beide zufällig sehr gut.“
„Richten Sie schöne Grüße aus.“ – was hiermit geschieht.

Galerie Mittwoch

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Donnerstag, 27. November 2014

Den ganzen Tag war es mit  7 Bf. für unseren Geschmack recht stürmisch. Auf unserer Landspitze machte der Aufenthalt höchstens 10 Minuten Spaß. Nun, wo wir schreiben, herrscht draußen vor der Tür absolute Dunkelheit. So dunkel ist es nachts noch nicht mal im Wald zwischen Bredenborn und Bellersen.

Mittags wollten wir das Captain’s Dinner im Pierspeicher einnehmen, aber er hatte zu. Nur am Wochenende ist über Mittag geöffnet. Warum nicht abends ? Weil man dann vom schönen Blick nach draußen nichts hat. Zweiter Versuch: Die Fährschenke unten am Hafen. Von außen war zu erkennen, dass der Laden (fast) voll war. Wo viele essen, muss es gut sein. Wir traten ein: Ein deutsches Restaurant im Jahr 2014 zur Mittagszeit: ein Raucherparadies ! Sie saßen und qualmten um die Wette.

In Kappeln bemühten sie sich redlich um adventlich-/weihnachtliche Stimmung. 2 sehr niedliche Esel und 2 süße Ziegen in einem Pferch ließen sich ausgiebig bewundern. Im Vorbeigehen knubbelten wir eine Ziege mit blauen Augen und klopften einem Esel auf den Hintern. Er war jedoch unerwartet abgebrüht und ließ sich nichts anmerken.

Zum Essen landeten wir dann im Café Alte Schmiede, wo vor allem die Wirtin mit dem sichtbar überarbeiteten Gebiss sehr nett war (der Wirt mit dem Anker-Tattoo auf dem Unterarm nur durchschnittlich nett bis kaum nett) und wir uns versehentlich Riesenportionen Bürgerliches servieren ließen. Mehrere Dänen waren in der Stadt und auch einer im Café. Ein dänischer Oppa, ca 88 Jahre, saß allein am Tisch und weil es voll wurde, platzierte man einen Stammgast zu dem Dänen. Erst schwiegen beide. Nach dem Essen entwickelte sich ein kurzes Gespräch. Stammgast „Herr Däne, was für ein Auto fahren Sie?“ 88-Jähriger: „Ein Porsche Panamera“. Stammgast: „Was hat der gekostet?“ Däne: „1 Million Kroner“. Stammgast: „Boah ey! Wieviel Euro sind das?“ 88-Jähriger: omtrent 134.000 €.“ Vielleicht haben wir uns aber auch verhört, und es ging um das Wetter. Nach dem Essen versuchten wir noch eine Erkundung am Südhafen, aber der eiskalte Wind ließ uns schnell wieder umkehren.

Galerie Donnerstag

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Freitag, 28. November 2014

Immer noch stürmisch – eigentlich noch stürmischer als gestern. Um 10.15 Uhr brachen wir auf. Unser Wunsch war es, zu Fuß die Landspitze auf der Nordseite der Schleimündung – Stichwort „altes Lotsenhaus“ zu erreichen. Bei dem Sturm kein leichtes Unterfangen. Mit dem Auto fuhren wir bis Exhöft kurz vor Maasholm und wanderten durch ein weitläufiges Naturschutzgebiet (Wolken, Schilf, Wasser, Regenschauer, Horizont, Enten, Vögel) bis zur Küste. Von dort wollten wir zum Lotsenhaus, aber das gesamte Gebiet war gesperrt. Zum Glück, kann man sagen, den die Gesamtstrecke hätte 11 km betragen, so hatten wir nur 5,2, was völlig ausreichte. An Fotos war nicht zu denken – allein schon, weil keine Speicherkarte in der Kamera war. Zweite Station: Pierspeicher, wo das Restaurant heute angeblich bis 14.00 Uhr geöffnet hatte. Aber man ließ uns nicht hinein.

Der Kotzbrocken

Der Kotzbrocken

Auf dem anschließenden Heimweg, etwa zwischen Bauabschnitt 1 und 2, kam uns wieder der Kotzbrocken entgegen, den wir in diesem Tagebuch bisher gar nicht erwähnt haben. Also: Täglich ca. 2 mal zirkuliert der Kotzbrocken mit einer Visage, die auf den Vornamen Rolf oder Wolf schließen lässt (graue kurze Haare, keine Glatze, untersetzt, grauer Schneuzer, Brille), mit einem irgendwie ärmlich wirkenden nicht mehr ganz neuen Mercedes SLK durch die Siedlung. Er hält öfter mal an, bleibt dann im Auto sitzen und glotzt nur doof. Höchstens telefoniert er oder täuscht telefonieren vor, denn wer will mit so einem wirklich sprechen ? Irgendeine konkrete Luxusimmobilie auf dem Areal scheint ihm nicht zu gehören.

Am Abend der vierte Versuch, im Pierspeicher Fuß zu fassen. Und siehe da, unser Stammplatz an der stillgelegten Tür wurde uns als letzter freier, vermeintlicher Katzentisch, zwecks Captain’s dinner zugewiesen. Wir waren es zufrieden. Das Essen war ok, wir brauchten auch nicht so schlingen wie ein Hund, damit wir nach 20 Minuten wieder Platz für die Nächsten machten, sondern hatten viel Zeit, die anderen Gäste zu taxieren und das Treiben in Richtung offener Küche zu beobachten. Zuvor zeigte sich Kappeln noch von seiner scharmantesten Seite: Candlelight-Shopping bis 20.00 Uhr. Man hatte Lichter und Kerzen vor die Läden gestellt, länger geöffnet und die Kappelner dankten es mit belebtem Flanieren, Geschäftsbesuchen und Glühweintrinken. Kneipen und Restaurants waren alle gut gefüllt – so soll es sein.

Eintrag ins Gästebuch

Von + + +, 22.-29.11.2014

Liebe Eigentümer, Betreuer, Gäste,
wir waren hier rundum begeistert. Es hat gut getan, in einem neu gebauten Haus zu wohnen (leider nur eine Woche), in zeitgemäßer Architektur und guter geschmackvoller Ausstattung. Es fehlte an nichts. Besonders toll waren die bodentiefen Fenster, sogar in dem großzügig geschnittenen Bad und der Ausblick rundum. Kein offener, direkter Meerblick, aber Sonne den ganzen Tag! Beeindruckendstes Erlebnis in dieser Woche war der heftige Wind, für unsere Verhältnisse fast schon Sturm, verbunden mit dem hohen Wellengang auf der Ostsee direkt hinter dem Haus. Dass sich das Gelände als einzige Großbaustelle zeigte, war uns bei der Buchung nicht so klar und behinderte leider die Beweglichkeit, aber man sah in einer Woche auch die Veränderungen und den Fortschritt und ist gespannt, wie es in 3 Jahren aussieht. Kappeln kam gut zum Bummeln, Shoppen und Essen. Mit der in Gästebüchern oft gelesenen Formel „Wir kommen gerne wieder“ sind wir allerdings vorsichtig – wir suchen meistens neue Ziele (außer bei Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln, etc.)