2014 · Kurz nach Hamburg

By 6. Januar 2014Dezember 24th, 2015unterwegs
Zwischen den Jahren – 1. bis 3. Januar 2014


Mal wieder eine schöne Städtereise. Im Winter. Auf der Wunschliste standen: Arnhem, Maastricht, Köln, Bonn, Darmstadt, Aachen, und auf Platz 1 : Lübeck. Doch war da überall nicht viel zu machen – ausgebucht, zu teuer, zu einsam, zu abgelegen, letztendlich fragten wir uns auch : was sollen wir da ? Also wieder das altbewährte Hamburg. Ausschlaggebend für Städtereisen ist bisweilen die eine oder andere angekündigte Ausstellung. Und obwohl in Hamburg alle Ausstellungen bis Ende Januar liefen – weil das Weihnachts- und Jahresendgeschäft mitgenommen werden soll – war nichts darunter so wichtig, dass wir uns heute, am 6. Januar, dem Dreikönigstag, noch daran erinnert hätten. Immerhin sind wir bis zu den Deichtorhallen gelaufen, um dann nach Abwägen des Kosten-Nutzen-Faktors und in Anbetracht der bereits vollständig eingetretenen Nachmittagsdunkelheit auf die derzeit stattfindende Ausstellung „Guy Bourdin“ zu verzichten.

Museen

Wir sprechen von Donnerstag, dem 2. Januar. Zuvor hatten wir den Besuch des Museums für Kunst und Gewerbe hinter uns gebracht. Nicht aus Interesse an diesem Museum, sondern wegen der zum legendären Mythos stilisierten Caféteria des Hauses, im Obergeschoss bei der Rotunde. Alle alten Museen haben Rotunden oder wenigstens Angst einflößende Treppenanlagen. Als man uns sagte, Cafébesuch geht nur mit Eintrittskarte, mindestens jedoch mit 2,00 € Café-Eintrittskarte, gaben wir uns einen Ruck, wenigstens die aktuellen Sonderausstellungen zu checken. Drei davon weckten unser Interesse und wir überwanden unsere Abneigung vor dem Durchwandern endloser vollgestopfter Säle mit Rockocko-Möbeln, Silber-Geschirr und muffiger Biedermeier-Mode. Den Museumsbesuch stufen wir als ein sehr zufriedenstellendes Zwischenspiel ein:

Das Café sparten wir uns für den Schluss als Belohnung nach durchstandenem Ausstellungsbesuch auf. Rockocko & Co. ließen wir gleich links liegen. Neben den Sonderausstellungen (Miniaturkunst, Vermessung und erste Fotos der Speicherstadt sowie avantgardistisch verfremdetes Modedesign, immerhin nett präsentiert) überraschten uns die neu durchrenovierten Abteilungen Christentum, Islam, Shintoismus und Alltagsdesign der 1950er- bis 1990er Jahre. Das famose Café hatten sie wohl irgendwann geopfert und in einen neueren Anbau verlegt. Unter Hamburgs Kneipen stellt es nun nichts besonders Besuchenswertes mehr dar. Die einzige Bedienungskraft war völlig überfordert : Order annehmen, Kaffee kochen, Kassieren, Abräumen. Wir entschieden uns für das Mittagstisch-Angebot per Selbstbedienung. Der Fraß war leider eiskalt und wir widmeten es um zu Tapas, was bei Kartoffeln z.B. nicht leicht fällt. Später hielten wir uns noch eine Weile schauend, und wie immer außer Ansichtskarten nichts kaufend, im Königs Buch-und-Museumsshop auf. Das allein macht schon einen erheblichen Wert der ganzen Reise aus: Sich auf der Suche nach Inspiration durch anregende Museen, Shops und kulturellen Hotspots treiben lassen, ohne dabei auf Leistung kommen zu müssen. Das als typisch geltende sogenannte Hamburger Schmuddelwetter verstärkte wundervoll das großstädtische Flair.

Beim Besuch des Jenisch-Hauses am 3. Januar wurden unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt. Einerseits war es schade, dass das Haus selbt mit seiner großbürgerliches Ausstattung des Senators Jenisch das Hauptexponat ist und die aktuelle Kunst nur so là-là auf dem Niveau der Wandschneider’schen Reithalle Schloss Neuhaus. Jedenfalls kein Grund, so weit aus Hamburg raus bis dahin zu fahren. Das Haus hat einen ziemlichen Renovierungs- und Modernisierungsstau, nur die exponierte Lage in einem riesigen Park auf einem Hügel mit Blick auf die Elbe mit daher fahrenden Schiffen von Mærsk und CMA CGM machen den wirklichen Scharm aus. Immerhin war die für alles zuständige Hausdame freundlich und man durfte alles fotografieren.

Den Freitag-Nachmittag vertrödelten wir mit einem – nun wirklich letzten – Besuch bei Octopus (Möbel- und Unnützes-Versand mit Showroom) und trotz Google Maps orientierungslosem im-Kreis-Laufen durch die Stadtteile Harvestehude und Hoheluft, erst auf der Suche nach einem Café und dann auf der Suche nach unserem Auto. Bei der Gelegenheit kamen wir an den faszinierend herben Grindel-Hochhäusern aus den 1940/50ern vorbei. Und beim Überqueren des Lehmweges trafen wir den entfernt Bekannten R. aus Paderborn, der hier wohl inkognito unterwegs war und unangenehm überrascht wirkte. Ein Café lag dann direkt beim kostenlos geparkten Auto und war eher eine Bäckerei mit Sitzgelegenheit.

Wir kommen wieder, Hamburg !

Das Essen
  • Für normale Verhältnisse war das Frühstück im sehr ansprechend umgebauten Hotel Volksschule (viele Architektur-Impressionen fotografiert) überdurchschnittlich, am Preis-Leistungsverhältnis gemessen für 14,00 € wieder normal. Man saß aber nett und konnte – was zur Attraktion jeder Hotel-Übernachtung beiträgt – die anderen Gäste beobachten und seine Vermutungen anstellen, sich lange Zeit lassen, weil auch kein Gedrängel vorlag und sich soviele Café Crème reinschütten, wie man wollte. Dazu schon morgens reichlich Fisch-Auswahl. Eine schöne Zeitung hätte das Erlebnis positiv abgerundet.
  • Am 1. Januar saßen wir nach Binnenalter-Umrundung, Cityrundgang, Michel-Besuch und Alter-Elbtunnel-Experiment in einer reinrassigen Touristenfalle im Gebäude-Ensemble an den St-Pauli-Landungsbrücken namens Blockbräu. Es ging professionell zu, ohne jedoch, dass man sich gedrängt fühlte. Die Stimmung war gehoben, weil die meisten Anwesenden noch das obligatorische Musical auf dem Steinwerder-Ufer auf dem Schirm hatten. Ambiente und Fraß waren ok, das vor Ort gebraute Bier „vorzüglich“. Mit der U-Bahn ging es zurück Richtung Hammer Kirche, nicht ohne vorher zufällig die Reeperbahn besichtigt zu haben.
  • Am Abend des 2. Januar verschlossen wir uns allen Impulsen, dort einzukehren, wo es hätte nett werden können, sondern landeten aus falsch verstandener Spontaneität beim Schmuddel-Griechen an der Langen Reihe. Er war natürlich nicht explizit schmuddelig, aber das Essen entsprach in etwa der Kategorie. Mittags siehe oben -> bei MK+G und am späten Nachmittag, nach Eintreten der Dunkelheit, Besuch der schwach besuchten ELBsässer Café Lounge mit Käsekuchen zu einem entspannten halben Teestündchen. Unser Eindruck von der Hafen-City : wo andere nur Hochhaus-Glasfassaden sehen, finden wir es heimelig-gemütlich.
Weitere Highlights an den drei Tagen
  • Knietiefes Waten in Böllerresten aus der Sylvester-Knallerei, vor allem rund um die Binnen-Alster.
  • Unerwartete Gelenheit zum Besuch der ansprechend renovierten katholischen Kathedralkirche St. Marien des neuen Bistums Hamburg im Stadtteil St. Georg.
  • Besuch der Kirche St. Georg. War geschlossen, aber 2 nette Kerle boten uns an, aufzuschließen. Gutes 1950er-Jahre Styling.
  • Abstieg und Elbunterquerung im alten Elbtunnel bei den St-Pauli-Landungsbrücken.
  • Phänomenale Architektur-Impressionen, alt und neu
  • Abhängen eines nächtlichen Verfolgers zwischen Hochhaus-Schluchten und S-Bahn-Trassen